Wann sollte man zum Arzt?

Zeckenbiss: Professorin aus Dortmund gibt Tipps für den Notfall

Wann sollte man nach einem Zeckenbiss zum Arzt? Eine Professorin aus Dortmund gibt nun Tipps, was im Notfall zu tun ist.

  • Viele Menschen sind besorgt, wenn sie eine Zecke an sich entdecken.
  • Wegen einem Zeckenbiss sollte man aber nicht in die Notaufnahme, rät eine Expertin vom Klinikum Dortmund.
  • Sie gibt Tipps, was man stattdessen tun sollte und räumt zugleich mit hartnäckigen Gerüchten bei einem Zeckenstich auf.
Dortmund – Sommer-Zeit ist Zecken-Zeit. Und die kleinen Spinnentiere lauern überall im Gras oder im Gebüsch. Da kann es schon mal passieren, dass man von einer Zecke gebissen wird. Am Abend nach dem Ausflug im Grünen ist dann der Schreck groß, wenn man die Zecke an sich entdeckt. 

Krankenhaus 

Klinikum Dortmund gGmbH

Adresse

Beurhausstraße 40, 44137 Dortmund

Fachrichtung

25 Kliniken und fünf Institute mit allen Fachrichtungen mit Ausnahme der Psychiatrie

Größe

1.422 Betten

Mitarbeiterzahl

4.155 Mitarbeiter (Stand 2018)

Umsatz

rund 360 Millionen

Bei einem Zeckenbiss muss man nicht in die Notaufnahme

Viele Menschen sind dann verunsichert, was zu tun ist, um die Zecke richtig zu entfernen. Aus Angst, sich mit Borreliose oder FSME zu infizieren, suchen immer mehr Menschen die Notaufnahme auf. Das muss nicht sein. Im Gegenteil: Ein Besuch in der Notaufnahme steigert die potenzielle Übertragungsmöglichkeit sogar, weiß Prof. Dr. Dorothée Nashan, Direktorin der Hautklinik im Klinikum Dortmund.

Denn damit die Borreliose überhaupt übertragen werden kann, muss sich die Zecke mindestens zwölf Stunden am Körper festgebissen haben. "Erst wenn sie ausreichend Blut aufgesaugt und dieses in den Zeckendarm gelangt ist, lösen sich die dort befindlichen, krankheitsverursachenden Bakterien und gelangen über den Stechapparat in die menschliche Blutbahn", so Dorothée Nashan. Geht man also in die Notaufnahme, verzögert sich die Entfernung nur unnötig und das Risiko steigt.

Zecken: Nur ein Prozent der gebissenen Menschen erkranken

Borreliose wird durch Borrelien, Bakterien, die von Zecken übertragen werden können, ausgelöst. Bei der Krankheit wird als Spätfolge das Nervensystem, die Gelenke oder andere Organe angegriffen. Es gibt – im Gegensatz zu FSME – noch immer keine Impfung dagegen. 

Es besteht dennoch kein Grund zu Sorge. Denn auch wenn in diesem Jahr die Zeckensaison aufgrund der Trockenheit besonderes heftig ausfallen soll, trage nur etwa jede Dritte Zecke die Bakterien in sich. Laut dem Robert-Koch-Institut erkrankt außerdem nur ein Prozent der von Zecken gebissenen Menschen.

Zecken nach Zeckenbiss möglichst schnell entfernen

Wer nun aber eine Zecke an sich entdeckt, sollte trotzdem Vorsicht walten lassen und diese so schnell wie möglich wegmachen. "Entfernt man die Zecke noch am gleichen Tag, dann muss man sich keine Sorgen machen", so die Zecken-Expertin aus dem Klinikum Dortmund.

Zecken nach einem Zeckenbiss möglichst schnell entfernen, rät Prof. Dr. Dorothée Nashan vom Klinikum Dortmund.

Und dies gelingt bereits mit einer haushaltsüblichen Pinzette. Spezielle Zeckenzangen, die es in Drogerien und Apotheken zu kaufen gibt, erleichtern die Anwendung allerdings (mehr Service-News auf RUHR24.de).

Expertin aus Dortmund schafft Klarheit um Gerüchte bei einem Zeckenbiss

Was passiert aber, wenn etwas schiefgeht, wenn man die Zecke entfernt? Besteht dennoch die Gefahr einer Ansteckung mit Borreliose, wenn ein Teil der Zecke im Körper stecken bleibt?

Das sei nicht mehr als ein Gerücht, so Dr. Dorothée Nashan, was sich aber hartnäckig halte. Allerdings stimme es nicht, dass alles verloren sei, sobald ein winziges Stück der Zecke nicht mitentfernt wird und in der Haut bleibt. Dennoch sollte man die Stelle eine Weile  beobachten. In der Regel stößt der Körper den Fremdkörper ab. Sollte das nicht der Fall sein, kann dann immer noch ein Arzt aufgesucht werden, um das Überbleibsel der Zecke zu entfernen. 

Vorsicht bei einer Rötung nach einem Zeckenbiss

Einen Arzt sollte man außerdem aufsuchen, wenn etwa zwei Wochen nach dem Zeckenbiss eine sogenannte Wanderrötung auftritt: Ein roter Fleck, der sich ausbreitet und in der Mitte verblasst. Dann kann eine entsprechende Therapie schnelle Hilfe bieten. 

"Aber bitte nicht eine gezogene Zecke mitbringen, damit wir diese im Labor untersuchen. Das macht, wenn man die Übertragungswahrscheinlichkeit berechnet, wenig Sinn", so die Ärztin. 

Ein Zeckenbiss ist eigentlich ein Zeckenstich

Übrigens: Fachlich korrekt handelt es sich genau genommen um einen Zeckenstich und nicht um einen Zeckenbiss. Denn die kleinen Spinnentiere haben nur einen Stechapparat und keinen Beißapparat.

Die Zecken stechen mit zungenähnlichen Instrument in die Haut, um Blut zu saugen. Im alltäglichen Sprachgebrauch verwenden dennoch viele Menschen eher das Wort Zeckenbiss. 

Rubriklistenbild: © Patrick Pleul / dpa, Klinikum Dortmund, Collage: RUHR24

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