Kann das sein?

Dortmund: Raubtier gesichtet? Video soll einen Wolf zeigen

Ein frei lebender Wolf mitten in Dortmund? Klingt unwahrscheinlich. Trotzdem wollen mehrere Bürger am Wochenende so ein Raubtier gesehen haben.

Update, Dienstag (15. März), 17.10 Uhr: Dortmund – Wanderschäfer Christoph May hat knapp 300 Schafe, die aktuell auf dem Biohof Schulte-Uebbing in Dortmund-Kemminghausen weiden. Ganz in der Nähe, im Stadtteil Eving, soll der vermeintliche Wolf gesichtet worden sein.

TierWolf
FamilieHunde (Canidae)
OrdnungRaubtiere

Schäfer May aus Dortmund ist sich sicher: „Das ist zu 99 Prozent ein Wolf“, erklärte er im Interview mit den Ruhr Nachrichten. Er habe nun seine Herdenschutzhunde, drei Pyrenäenberghunde, darauf angesetzt, gut auf seine Schafe aufzupassen.

Auch zwei Schäfer aus den nordöstlichen ländlichen Stadtteilen Grevel und Kurl haben gegenüber den Ruhr Nachrichten bestätigt, dass sie bereits Schutzvorkehrungen wegen des Wolfes getroffen hätten. Neuen Erkenntnissen zufolge, soll sich der vermeintliche Wolf nicht nur in Eving aufhalten, sondern auch im angrenzenden Stadtteil Derne.

Wolf in Dortmund gesichtet: Video zeigt Raubtier in den Straßen der Ruhrgebietsmetropole

Erstmeldung, Montag (14. März), 22.30 Uhr: Frei lebende Wölfe gibt es in Dortmund eigentlich seit Jahren nicht mehr. Dazu kommt, dass die Ruhrgebietsmetropole eigentlich gar kein „Wolfsgebiet“ ist. Das nächste Revier liegt in Schermbeck bei Dorsten, rund 60 Kilometer nordwestlich der Dortmunder Stadtgrenze. Dennoch wollen gleich mehrere Bürger am Wochenende einen Wolf in Dortmund gesichtet haben – und nicht etwa im Wald, sondern mitten auf der Straße!

Im Lichtschein einer Straßenlaterne, vorbei an einer Bushaltestelle, völlig entspannt, mit heraushängender Zunge – so wird der vermeintliche Wolf in einem Video, das den Ruhr Nachrichten vorliegt (Bezahlinhalt), gezeigt. Es könnte sich bei dem Tier auch um einen großen Hund handeln, sicher ist das nicht. Schließlich gab es in den vergangenen Jahren in Dortmund nicht eine einzige Sichtung eines Wolfes mit Video- oder Bildbeweis.

Auch Winfried Hardes, Wolfsberater beim Regionalforstamt im Ruhrgebiet, gibt auf Nachfrage der Ruhr Nachrichten zu, dass es nicht allzu wahrscheinlich ist, dass ein Wolf durch Dortmunds Straßen läuft. Für „unmöglich“ hält er das Vorkommen der Raubtiere, deren Population in Deutschland seit der Jahrtausendwende wieder angestiegen ist, aber auch nicht.

Wolf in Dortmund? Bürger wollen Raubtier in diesem Stadtteil gesehen haben

Ob es sich bei dem Tier in dem Video um einen Wolf handelt, könne Hardes aktuell nicht sicher sagen. Eine wirklich sichere Einschätzung zu der Sichtung könnten nur die Experten der „Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf“ liefern.

Die Polizei Dortmund hat unterdessen gegenüber den Ruhr Nachrichten bestätigt, dass für den Zeitraum, in dem das Video aufgenommen wurde, zwei Anrufe wegen möglicher Wolfssichtungen eingegangen seien. Das Video selbst wurde im Dortmunder Stadtteil Eving aufgenommen (mehr News aus Dortmund bei RUHR24).

Wolf in Dortmund: Gesichtetes Tier könnte zwei Jahre alt sein – doch noch ist alles Spekulation

Laut Winfried Hardes besteht ein Wolfsrudel normalerweise aus den Eltern, dem Wurf des Vorjahres und dem Wurf des aktuellen Jahres. Werden neue Welpen geboren, dann verlässt der Wurf des Vorvorjahres das Rudel und macht sich auf den Weg, um sein Leben an anderer Stelle fortzuführen.

Dazu suchen sich die jungen Wölfe bevorzugt einfache Wege, auch an Straßen entlang, um schnell ans Ziel zu kommen. Es könnte sich bei der Wolfssichtung in Dortmund-Eving also durchaus um ein etwa zwei Jahre altes Tier handeln. Auch die Jahreszeit würde passen, denn Wölfe paaren sich meist im späten Winter und sind wie Haushunde neun Wochen trächtig. Ein neuer Wurf hätte demnach theoretisch vor Kurzem geboren werden können. All dies sei zum jetzigen Standpunkt aber reine Spekulation, so Hardes.

Wölfe leben noramlerweise im Rudel. Das Tier in Dortmund war alleine unterwegs.

Könnte der Wolf auch Menschen angreifen? Wolfsberater gibt Entwarnung

Sorge davor, dass der vermeintliche Wolf gefährlich werden könnte, müssen Dortmunds Bürger und Bürgerinnen laut dem Wolfsberater nicht haben: „So lange Sie sich als Mensch erkennbar bewegen, geht Ihnen der Wolf in der Regel aus dem Weg“, so Winfried Hardes gegenüber den Ruhr Nachrichten.

Der Mensch habe den Wolf in den vergangenen Jahrhunderten in Deutschland beinahe ausgerottet. „Das ist bei den Tieren noch präsent. Außerdem will der Wolf vom Menschen auch gar nichts – sie passen nicht ins Beuteschema.“

Was fressen Wölfe?

Die Nahrung von Wölfen hängt stark von ihrem Verbreitungsgebiet und der Jahreszeit ab. Im Winter ernähren sich die in Nordeuropa ansässigen Tiere von Elchen und Rentieren. In südlicheren Verbreitungsgebieten stehen hingegen Rehe, Hirsche und Wildschweine auf dem Speiseplan, wobei ältere oder kranke Tiere bevorzugt werden, da sie leichtere Beute sind.

Im Sommer werden auch kleinere Säugetiere, Vögel, Fische, Lurche und sogar Obst gefressen. In der Nähe zu Menschen kann es passieren, dass Wölfe Nutztiere wie Schafe, Pferde oder Rinder erbeuten („reißen“).

Wölfin „Gloria“ aus Schermbeck hat mittlerweile drei Welpen – und sorgte bereits für viel Ärger

Wölfe ernähren sich hauptsächlich von Wildtieren wie Rehen, können aber auch gefährlich für Nutztiere wie etwa Pferde, Rinder, Schweine oder Schafe werden. Im Sommer 2019 wurde bekannt, dass sich im Wolfsgebiet Schermbeck zwischen Wesel und Recklinghausen, Wölfin Gloria aufhält.

Zunächst war unklar, ob die Wölfin dort alleine oder in einem Rudel lebt. Mittlerweile ist klar: Wölfin Gloria lebt im Wolfsgebiet Schermbeck mit einem männlichen Wolf und drei heranwachsenden Wolfswelpen zusammen. Die fünf Wölfe waren im Dezember 2021 in eine Fotofalle des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) getappt.

Rubriklistenbild: © Martin Wagner via www.imago-images.de

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