Manche Politiker beschränken sich beim Schreiben von Texten am liebsten auf die 280 Zeichen eines Tweets. Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau verschickt auch gerne mal längere Texte. Sein Grußwort zum neuen Jahr ist ganze sechs DIN A4-Seiten lang. Damit ihr das nicht alles lesen müsst, haben wir das wichtigste zusammengefasst. Spoiler: Aus Sieraus Sicht ist in Dortmund alles töfte.

Das sind die wichtigsten Punkte aus Ullrich Sieraus Grußwort:

Kurz zusammengefasst: Läuft für Dortmund! Zumindest wenn es nach den Worten des Oberbürgermeisters geht. „Das Jahr 2017 war ein erfolgreiches Jahr für die Stadt und für viele Menschen, die hier leben“, schreibt er. Apropos Menschen, die hier leben: Das werden von Jahr zu Jahr mehr. Dortmund wächst. Ende November lebten 601.813 Menschen in der Stadt. Damit ist Dortmund weiterhin die Nummer eins des Ruhrgebiets. Auch die Hochschulen in Dortmund wachsen, so Sierau. Im laufenden Wintersemester haben sie 52.000 Studierende, ein „Rekordhoch“, wie der Oberbürgermeister stolz mitteilt. Unser guter Ruf als „Stadt der Wissenschaft“ habe sich weiter verfestigt.

Dortmund wächst und wächst. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Wohnraum-Mangel und volle Uni

Die Schattenseiten dieses Bevölkerungs- und Studenten-Wachstums finden sich in Sieraus knapp 2000 Wörter langem Text nicht so recht wieder: Es wird immer schwieriger, in Dortmund passenden und bezahlbaren Wohnraum zu finden. Noch überfüllter als manche Wohnungsbesichtigungen ist es oft an der Uni. Auch das gehört zu Dortmunds „Wachstum“ dazu. Das ist natürlich auch der Stadt Dortmund bekannt. Sierau nennt in seinem Grußwort aber lieber die positiven Seiten: „Daher ist es umso erfreulicher, dass wir im sozialen Wohnungsbau beachtliche Fortschritte erzielen konnten“, schreibt er. Im Jahr 2017 seien Wohnungsbau-Förderprojekte mit einem Umfang von 51,1 Millionen Euro bewilligt worden.

Neue Unternehmen

„Erneut konnten wir im Jahr 2017 zahlreiche Unternehmensansiedlungen und Investitionen verzeichnen“, erklärt der Oberbürgermeister. Als wichtigstes Beispiel führt er die Ansiedlung von Amazon auf dem Gelände der ehemaligen Westfalenhütte an. Auch die Entwicklung auf Phoenix West sei sehr positiv. Dort hat nicht nur kürzlich die Phoenix-Halle eröffnet. Mehrere Unternehmen hätten sich auf dem Areal in den letzten Jahren angesiedelt oder seien expandiert.

Amazon Dortmund gewährte am 14. November 2017 einen Einblick in sein Logistikzentrum an der Brackeler Straße / Kaltbandstraße auf der Westfalenhütte. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Ist Dortmund etwa der neue Silicon Valley?

„Dortmunds überwiegend mittelständisch geprägte Wirtschaft ist vielfältig“, schreibt Sierau. „Neben Logistik, Produktionswirtschaft und Neuen Technologien zählen nach wie vor der Handel und das Handwerk zu ihren tragenden Säulen.“ Wichtig seien außerdem die „besonderen Kompetenzen und zum Teil auch Alleinstellungsmerkmale Dortmunds im Bereich Digitalisierung und digitale Gründungskultur sowie Smart City.“

Weniger Arbeitslose (aber immer noch ganz schön viele)

Dortmund habe derzeit die meisten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, seitdem diese Zahl im Jahr 1976 zum ersten Mal erhoben wurde (230.000). Insgesamt, so Sierau, seien in Dortmund 330.000 Menschen beschäftigt. Außerdem seien in Dortmund viele neue Stellen entstanden. Neueste Zahlen würden durchgehend ein Plus von rund 9000 Stellen im Vergleich zu den Vorjahresmonaten zeigen.

Die Arbeitslosenquote war mit 10,4 Prozent im November 2017 0,8 Prozent niedriger als im Vorjahr. Das ist zwar eine positive Entwicklung. Was das im Vergleich zu anderen Städten Nordrhein-Westfalens bedeutet, schreibt Sierau in seinem Grußwort allerdings nicht: Dortmund hat  damit immer noch die achthöchste Arbeitslosenquote NRWs. Der Landesschnitt lag im November bei sieben Prozent. Auch die Arbeitslosenquote des gesamten Ruhrgebiets war mit 9,8 Prozent immer noch leicht besser als in Dortmund. (Hier findet ihr die Statistik im Detail.)

(Hinweis: Wir hatten in einer ersten Version dieses Artikels geschrieben, Dortmund habe im November 2017 die vierthöchste Arbeitslosen-Quote NRWs gehabt. Das ist nicht korrekt. Tatsächlich gilt diese Platzierung nur für die Arbeitsagentur Dortmund, nicht für die Stadt. Teilweise sind Arbeitsagenturen für mehrere Städte und Landkreise zuständig. Die Arbeitslosenquote des Arbeitsagentur-Bezirks stimmt darum nicht immer mit der Arbeitslosenquote der jeweiligen Stadt überein. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen. Detaillierte Informationen zu den Arbeitslosenquoten der einzelnen Städte im Ruhrgebiet findet ihr zum Beispiel hier.)

Sport, Unterhaltung und Kultur

Auch auf Dortmunds sportliche Leistungen und das kulturelle Angebot der Stadt ist der Oberbürgermeister mächtig stolz. Als sportlichen Höhepunkt bezeichnet Sierau den Gewinn des DFB-Pokalfinales durch den BVB. Ansonsten nennt er beispielsweise die Ruhr Games und den Triathlon am Phoenix-See. Als besondere Veranstaltungen zählt er unter anderem das  das Stadtfest „DORTBUNT!“, die Cityring Konzerte und den Weihnachtsmarkt auf. Auch für Besucher von außerhalb sei Dortmund sehr attraktiv: So würden die Übernachtungszahlen stetig steigen. „Wir rechnen für das Jahr 2017 mit rund 1.260.000 Gästen, die in unserer Stadt übernachten“, so Sierau. Das komme „nicht von ungefähr, denn Dortmund ist eine Stadt mit hohem Freizeit-wert.“

Feierten ausgelassen den Sieg des DFB-Pokals: Die Fans des BVB auf dem Hansaplatz (hier noch vor dem Finale). Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Lauter Auszeichnungen

Dortmund habe im vergangenen Jahr zahlreiche Preise gewonnen, so Sierau. „Die Liste der Auszeichnungen ist lang“, schreibt er. Das Dortmunder U sei „Europäische Kulturmarke des Jahres“ und Dortmund habe schon zum fünften Mal eine Platzierung beim Bundeswettbewerb „Hauptstadt Fairer Handel“ erreicht. Die Stadt trage jetzt nicht nur das Prädikat „Total E-Quality“, sondern auch das Zusatzprädikat „Diversity“. Für das städtische „nordwärts“-Projekt habe Dortmund außerdem den ersten Preis des „European Public Sector Award“ erzielt. Dieser Preis gelte auch als „Verwaltungs-Oscar“, so Sierau.

Was fehlt:

Ullrich Sieraus Grußwort zeigt sehr eindrücklich, was Dortmund alles kann und an welchen Stellen es in der Stadt gut läuft. (Selbst-)Kritische Töne fehlen dabei allerdings komplett. Am Ende liest sich der Text wie die Beschreibung einer geradezu perfekten Stadt, ganz ohne Schattenseiten. Herausragenden Projekten wie dem Phoenix-West-Areal widmet der Oberbürgermeister ganze Abschnitte. Die Nordstadt, immerhin der bevölkerungsreichste Stadtteil Dortmunds, erwähnt Sierau abgesehen von der Amazon-Ansiedlung an der Westfalenhütte nicht ein einziges Mal.

Hier könnt ihr das Grußwort des Oberbürgermeisters in voller Länge lesen.