So will Dortmund bis 2030 seinen Verkehr verändern

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Viele Bäume an der B1 könnten demnächst gefällt werden, weil die Haltestellen der U47 umgebaut werden. Sie sollen in Zukunft barrierefrei sein. Foto: Daniele Giustolisi/RUHR24

Dortmund/NRW - Die Hälfte ihrer Wege fahren Dortmunder mit dem Auto. Die Stadt will gegen dieses und andere Probleme etwas tun - und zwar mit dem Masterplan Mobilität.

Fast die Hälfte ihrer Wege legen die Dortmunder mit dem Auto zurück. Angesichts von Klimawandel und Smog-Alarm in Städten wie Stuttgart ist die Zahl ziemlich hoch. Die Stadt will gegen diese und auch andere Probleme etwas tun - und zwar mit dem Masterplan Mobilität 2030.

Dortmund - Um Dinge in einer Stadt zu ändern, braucht man Pläne. Die Stadt Dortmund hat eine Reihe solcher Pläne, sie nennt sie Masterpläne. Für das Thema Mobilität gibt es auch einen - schon seit 2004. Seitdem hat sich aber vieles geändert in Deutschland. Zum Beispiel wurde die Energiewende eingeleitet. Also muss der sogenannte Masterplan Mobilität aufgefrischt werden.

Großes Interesse am Masterplan Mobilität

Das Interesse daran ist in Dortmund groß. Verkehr und Mobilität betrifft die meisten Bürger unserer Stadt. Und so überrascht es auch nicht, dass zur Bürgerversammlung im Rathaus am Montagabend (20. Januar) über 200 Menschen kamen, um zusammen am Masterplan zu arbeiten. Da saßen Senioren neben Schülern, Rollstuhlfahrer neben Wirtschaftsbossen, Liberale neben Konservativen. Sie alle haben Interessen im Straßenverkehr.

Stichwort Radverkehr: Als der Masterplan Mobilität 2004 entworfen wurde, plante die Stadt mit einem Radfahreranteil von 15 Prozent in Dortmund. Die Realität sieht heute anders aus. Nur sechs Prozent aller Dortmunder nutzen regelmäßig ihr Rad. Dabei legen die Dortmunder auf ihren Wegen durch die Stadt im Schnitt nur fünf Kilometer zurück. Zum Vergleich: In Freiburg gibt es einen Radfahrer-Anteil von 35 Prozent.

Emissionsfreie Innenstadt

Das große Ziel soll es 2030 sein, eine emissionsfreie Dortmunder Innenstadt zu haben. Sprich: Keine Abgase mehr innerhalb des Wallrings. Das geht zum Einen mit emissionsfreien Autos mit Elektro-Motor - wobei der Strom am Ende oft aus einem Kohlekraftwerk kommt. Das geht zum Anderen aber auch mit einem höheren Anteil an Radfahrern in der Stadt. Einen ersten Schritt in diese Richtung ist Dortmund mit vielen anderen Ruhrgebietsstädten schon gegangen. Die Ruhrgebiets-Radautobahn RS1 wird ab (frühestens) 2018 auch durch Dortmund führen und für mehr Radpendler sorgen.

Aber es geht nicht immer nur um die Radfahrer. Auch auf den Nahverkehr will die Stadt schauen. Schneller, öfter, zuverlässiger - diese Aspekte könnten für mehr Menschen in Bussen und Bahnen in Dortmund sorgen.

Die Zeichen dafür stehen gut: "82 Prozent aller Deutschen wollen nicht mehr so sehr auf das Auto angewiesen sein", sagt Michael Adler von der Kommunikationsagentur Tippingpoints. Er wird die Stadt auf ihrem Ziel zu einer besseren Mobilität unterstützen - und schielt dabei auf Vorreiter wie die Dänen. 25 Prozent aller Familien mit zwei Kindern haben dort zum Beispiel ein Lastenfahrrad. Damit fahren die Dänen ihre Kinder zur Schule und gehen damit einkaufen. In Deutschland dagegen haben 98 Prozent solcher Familien ein Auto. Das Gute, so Adler: "Inzwischen ist aber auch bei vielen Jugendlichen in Deutschland ein Trendwechsel festzustellen: Das Auto ist nicht mehr so wichtig." Und das könnte der Stadt - und der Umwelt - wiederum beim Thema emissionsfreie Innenstadt in die Karten spielen.

Jetzt geht es also daran, die Vorschläge der Bürger und der Fachleute zu sortieren, auszuarbeiten und in eine neue Form zu gießen: den Masterplan Mobilität 2030. In zwei Jahren, so kündigt es Planungsdezernent Ludger Wilde an, soll der Plan stehen.

Interessante Zahlen

Fast die Hälfte der Wege (47 Prozent) fahren die Dortmunderinnen und Dortmunder mit dem Auto (als Fahrer oder Mitfahrer).

Die Pkw-Dichte ist im Innenstadtbezirk Nord am geringsten (0,5 Pkw je Haushalt). In den Außenbezirken ist sie am höchsten (mehr als ein Pkw je Haushalt).

20 Prozent aller Wege legen die Dortmunder mit dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zurück- dies ist verglichen mit vielen anderen Städten (Essen, Düsseldorf, Münster, Hannover, Bremen) ein überdurchschnittlicher Wert.

Vergleichsweise viele Wege legen die Dortmunder zu Fuß zurück (27 Prozent der Wege).

Viele der Wege, die die Dortmunder täglich zurücklegen, sind kurze Wege: 59 Prozent der Wege sind kürzer als 5 km und 36 Prozent sogar kürzer als 2 km.

Info: Wer sich mit eigenen Ideen einbringen will, kann sich per Mail bei der Stadt melden. Die Adresse dafür lautet: masterplanmobilitaet@dortmund.de. Außerdem gibt es am 29. Juni (Donnerstag) von 17 bis 20 Uhr eine öffentliche Dialogveranstaltung in der Bürgerhalle im Rathaus. Dort werden Zwischenergebnisse präsentiert und diskutiert.