Lockerungen für Partys in Sicht

Dortmund: Bekannter Club öffnet nach anderthalb Jahren Zwangspause – das sind die Details

Der Weinkeller in Dortmund gehört zu den beliebtesten Clubs der Stadt. Mit der sinkenden Inzidenz darf er schon bald öffnen. Wir haben die Details.

Update, Mittwoch (7. Juli), 18.35 Uhr: Dortmund – In Nordrhein-Westfalen gilt ab Freitag (9. Juli) die neue Inzidenz-Stufe 0. Heißt konkret: Viele Dinge, die vor Corona erlaubt waren, werden nach über einem Jahr Zwangspause gelockert. Dazu gehört auch das Feiern und Party machen in Clubs.

Weinkeller in Dortmund öffnet wieder: Neue Inzidenzstufe in NRW macht es möglich

Mit einem genehmigten Konzept, Testnachweis und Rückverfolgung dürfen sie endlich wieder öffnen. Vorausgesetzt, die Inzidenz im jeweiligen Kreis oder der jeweiligen Stadt liegt unter 10. Das ist in Dortmund aber bereits seit Wochen der Fall und so darf Club-Besitzer Yves Gredecki seinen beliebten Weinkeller unweit der City endlich wieder öffnen!

Aber schon direkt am Freitag? Nein, bestätigt der Weinkeller am Abend unserer Redaktion. Aktuell arbeite man noch mit Hochdruck an einem Konzept und besorge derweil die „ersten zwei, drei Getränke“.

In den kommenden Tagen will der Weinkeller einen genauen Termin zur Wiedereröffnung bekannt geben.

Erstmeldung, Sonntag (30. Mai), 15.45 Uhr: Keine andere Branche hat es während der Corona-Pandemie so stark getroffen wie die Clubszene. Während es für den Einzelhandel und die Gastronomie bei sinkenden Inzidenzen stets neue Öffnungspläne gab, guckten die Betreiber von Diskotheken in die Röhre. Seit März 2020 herrscht Stillstand im deutschen Nachtleben. Doch dank neuer Corona-Lockerungen könnte es schon bald wieder erste Partys geben. Auch in Dortmund.

ClubWeinkeller
StandortDortmund, Märkische Straße
BetreiberYves Gredecki

Weinkeller in Dortmund: Betreiber Yves Gredecki darf seinen Club seit 2020 nicht öffnen

„Es war wie eine Schockstarre“, beschreibt der Dortmunder Club-Besitzer Yves Gredecki die Situation, in der er sich vor etwas mehr als einem Jahr befand. Damals im März 2020 mussten sämtliche Clubs aufgrund der Corona-Pandemie bis auf Weiteres schließen. „Es war sehr herausfordernd und ich wusste erst einmal nicht, wie es weiter gehen sollte“, sagt er rückblickend.

Gredecki betreibt den „Weinkeller“ an der Märkischen Straße unweit der Dortmunder Innenstadt. Sein Club ist urig und hat Charakter – zwei Dinge, weshalb er vor allem unter Studenten und jungen Leuten sehr beliebt ist. „Unsere Gäste sind locker drauf und wollen einfach Spaß haben“, sagt Gredecki.

Corona-Schließungen im März 2020: Club-Betreiber stand vor „finanziellem Fragezeichen“

Mit Spaß haben war es im Frühjahr 2020 schlagartig vorbei, als sich das Coronavirus auch in Deutschland immer weiter ausbreitete. Als Ende Januar der erste Corona-Fall in Bayern bekannt wurde, dauerte es nicht lange, bis der Erreger auch in NRW nachgewiesen wurde. Binnen kürzester Zeit entschied man sich, das öffentliche Leben weitestgehend herunterzufahren. Der erste Lockdown begann – einer von vielen, wie sich später noch zeigen sollte (alle Corona-News in Dortmund auf RUHR24).

Für Weinkeller-Besitzer Yves Gredecki und sein Team, das vor Corona noch aus 21 Mitarbeitern bestand, waren die ersten Lockdown-Monate die schlimmsten. „Wir standen vor einem riesigen finanziellen Fragezeichen“, erinnert er sich. „Die staatlichen Corona-Hilfen haben nur 80 Prozent der Fixkosten gedeckt, den Rest musste ich selbst aufbringen.“

Weinkeller in Dortmund: Aushilfen mussten wegen Corona vorübergehend entlassen werden

Den sogenannten „Rest“ finanzierte sich Gredecki aus Rücklagen und eisernen Reserven. Sein Vorteil: ein sicherer Job. Denn den Weinkeller betriebt er nur nebenbei, zusätzlich arbeitet er als Vertriebsleiter. „Dadurch war es mir möglich, den Club trotz fehlender Einnahmen über Wasser zu halten (...) Uns geht es im Weinkeller schon nicht schlecht. Da stehen andere schlimmer da“, so Gredecki.

Trotzdem kam der Club-Besitzer nicht drum herum, seine Aushilfen vorübergehend zu entlassen. „Wir wussten im April 2020 nicht, wie es weiter geht und wann wir wieder öffnen können. Natürlich mussten wir uns da auch überlegen, wo wir Geld einsparen können. Ich habe aber allen Mitarbeitern gesagt, dass sie gerne wieder bei mir anfangen können“, so Gredecki.

Von den ehemaligen Mitarbeitern werden 70 Prozent zum Weinkeller zurückkehren. Die übrigen 30 Prozent seien entweder weggezogen oder hätten mittlerweile andere Jobs. Verübeln kann man ihnen die Jobsuche sicher nicht, schließlich gab es für die Clubs und Diskotheken lange keine Öffnungsperspektive.

Clubs dürfen in NRW bald wieder Gäste empfangen: Öffnungsperspektive kommt zum richtigen Zeitpunkt

Das sieht mit der neuen Coronaschutzverordnung, die am 28. Mai in Kraft getreten ist, anders aus. Darin heißt es, dass Clubs mit Außenbereich bei einer stabilen Inzidenz von unter 35 für eine begrenzte Anzahl von maximal 100 Gästen wieder öffnen dürfen.

Für Gredecki kommt die Öffnungsperspektive zum richtigen Zeitpunkt, schließlich seien auch „Rücklagen irgendwann aufgebraucht“, trotzdem betont der Weinkeller-Besitzer auch: „Geld werden wir mit den ersten Partys nach dem Lockdown nicht verdienen. Dazu sind die Betriebskosten viel zu hoch, wenn wir nur 100 Leute reinlassen dürfen (...) Wenn wir öffnen, dann nur, weil wir öffnen wollen und weil wir endlich wieder Party machen wollen.“

Beschweren will sich Gredecki über die strengen Corona-Lockerungen aber nicht. Im Gegenteil: „Ich freue mich auf den Austausch mit anderen Menschen und darauf, dass der Weinkeller überhaupt wieder besucht wird“.

Yves Gredecki betreibt den Weinkeller an der Märkischen Straße in Dortmund und könnte über die Öffnungsperspektive nicht glücklicher sein.

Corona-Lockerungen für Clubs in NRW: Große Unsicherheiten wegen neuer Regel

Gedämpft wird Gredeckis Vorfreude durch die nicht klar definierten Regeln in der aktuellen Version der Coronaschutzverordnung: Dort steht lediglich, dass „Clubs mit Außenbereich“ öffnen dürfen – was das konkret bedeutet, ist aber unklar. „Ich weiß nicht, ob ich dann nur meinen Außenbereich öffnen oder ob ich meine gesamte Fläche nutzen darf.“

Sollte Gredecki nur den Außenbereich seines Weinkellers öffnen dürfen, dann wird er ihn wohl trotz erlaubter Öffnung weiter geschlossen halten: „Wir werden sicher keine Anlage nach draußen stellen und die Nachbarschaft mit unserem Lärm belästigen“. Dazu kommt, dass der Außenbereich des Dortmunder Clubs gar keinen Platz für 100 Leute hat. „Das sind viele Unklarheiten, aber ich bin mir sicher, dass sich das bald klären wird, wenn die ersten Clubs in NRW öffnen dürfen“, so Gredecki.

Weinkeller in Dortmund: Club-Betreiber Gredecki fehlen aktuell einige Mitarbeiter

Der Club-Betreiber spielt damit auf die niedrigen Inzidenzen im Umland an: In Essen lag der Wert zuletzt bei 32,6 und in Münster sogar nur bei 15,2. Gut möglich, dass das Nachtleben dort schon in Kürze wieder zum Leben erweckt wird. In Dortmund dürfte es mit einer aktuellen Inzidenz von 54,7 (Stand 30. Mai) wohl noch etwas dauern.

Gar nicht schlecht für Yves Gredecki, denn für die Neueröffnung nach dem Lockdown fehlen ihm aktuell noch einige Mitarbeiter. Gesucht werden Service-Kräfte, Leute für die Garderobe und Logistiker. Sollten sich zeitnah nicht genügend Personen melden, würde der Weinkeller aber trotzdem öffnen. „Egal wie es dann aussieht, wir machen auf“, so Gredeckis Devise.

Weinkeller-App soll das Party machen während Corona deutlich vereinfachen

Damit die Eröffnung so coronakonform wie möglich abläuft, gibt es seit zwei Tagen die „Weinkeller-App“ für Android und iOS. Damit können nicht nur Eintrittskarten vorab gekauft werden, sondern auch Kontakte nachverfolgt werden. „Die App hatten wir schon länger geplant, aber jetzt pünktlich zu den Lockerungen ist sie endlich online gegangen“, verrät Yves Gredecki und fügt hinzu: „Corona hat nicht nur Nachteile gebracht, sondern auch Vorteile. So hat die Pandemie unsere Digitalisierung erheblich voran getrieben“.

Bis Herbst wolle der Weinkeller „Deutschlands digitalster Club“ werden und unter anderem eine Bezahlung per Fingerabdruck möglich machen. Konkrete Umsetzungspläne dazu sind während der vergangenen Monate gereift.

In der Weinkeller App können Gäste nicht nur Karten kaufen, sondern auch ihre persönlichen Daten zwecks Kontaktverfolgung angeben.

Eintrittspreise im Dortmunder Weinkeller werden teurer - Getränke aber nicht

„Wir haben uns während des Lockdowns auch gefragt, wie es mit dem Weinkeller generell weiter gehen soll, unabhängig von Corona“, so Gredecki. Deshalb habe man die Zeit auch dazu genutzt, den Dortmunder Club wieder etwas schicker zu machen. „Wir haben den Außenbereich erneuert und den Boden versiegelt, das kann man während des normalen Betriebs ja nicht machen.“

Für die ersten Partys nach dem Lockdown plane Gredecki einen kleinen Corona-Aufschlag von zwei Euro. Damit steigt der Eintrittspreis im Weinkeller von acht auf zehn Euro. Die Getränke sollen hingegen nicht teurer werden: „Das wäre unseren Gästen gegenüber unfair, die können ja auch nichts für die Pandemie“.

Dank Rücklagen, staatlicher Hilfen und Durchhaltevermögen wird es Yves Gredecki, Club-Betreiber aus Dortmund, schaffen, seine Diskothek auch nach dem Lockdown zeitnah wieder eröffnen zu können. Wie es mit dem restlichen Nachtleben in der Ruhrgebietsstadt weiter gehen wird, bleibt abzuwarten. Fakt ist jedoch: Die Clubszene hat gelitten wie noch nie. „Je mehr Schließungen es geben wird, desto schlechter ist es auch für uns als Weinkeller. Denn dann wird Dortmund als Party-Standort immer unattraktiver.“

Rubriklistenbild: © Foto: Florian Forth/RUHR24/Weinkeller Kollege: RUHR24

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