Morddrohungen und Beschimpfungen

Nach Diskussionen um WDR-Lied: Mitarbeiter des Senders erhalten Personenschutz

+
Skandal oder nur heiße Luft? Der WDR-Chorleiter verteidigt das Kinderlied

Mitarbeiter des WDR in Angst und Sorge. Diese sollen nach dem umstrittenen Kinderchor-Lied Morddrohungen erhalten. Jetzt bekommen sie Personenschutz.

  • Der Dortmunder Kinderchor des WDR hat mit einem umgedichteten Kinderlied für Aufregung gesorgt.
  • In dem Lied geht es um "die Oma" als Umweltsünderin.
  • Am Tag nach der Veröffentlichung (29. Dezember) kam es zu Gegendemonstrationen vor dem WDR-Gebäude in Köln.

Update, Samstag (4. Januar), 16.11 Uhr: Nach der Aufregung um das "Umweltsau"-Lied des WDR gehen nun Redakteure des Senders auf die Barrikaden - und attackieren ihren Intendanten Tom Buhrow. Ein interner Brief offenbar die aktuelle Lage bei WDR, wo derzeit der Baum zu brennen scheint.

Update, Mittwoch (1. Januar), 16.30 Uhr: Derzeit müssen sich viele Mitarbeiter des WDR nicht nur Beschimpfen lassen, sondern bekommen es auch mit Morddrohungen zu tun. Daher stellt der Sender nun seinen Mitarbeitern Personenschutz zur Verfügung. 

In einer internen Mail an die Mitarbeiter, die Spiegel vorliegt, kündigt WDR-Intendant Tom Buhrow außerdem weitere rechtliche Schritte an. "WDR-Mitarbeiter*innen erhalten Morddrohungen. Wir bieten diesen Kolleg*innen Personenschutz an und gehen mit allen juristischen Mitteln dagegen vor. Wir werden alles tun, um unsere Mitarbeiter*innen zu schützen", heißt es. 

https://twitter.com/WDR/status/1211673284321918977?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1211673284321918977&ref_url=https%3A%2F%2Fwww.merkur.de%2Fpolitik%2Fwdr-kinderchor-oma-umweltsau-video-lied-klimaschutz-shitstorm-morddrohung-zr-13372644.html

Update, Sonntag (29. Dezember), 20.45 Uhr: Laut Informationen der Bild soll es heute vor dem Gebäude des WDR in Köln zu Demonstrationen gekommen sein. Mit dabei: Rund 20 bis 30 Rechtsextreme und eine linke Gegendemonstration.

Update, Sonntag (29. Dezember), 12.51 Uhr: Einen Tag nach der Aufregung um ein vom WDR umgedichtetes Kinderlied hat sich der Leiter des WDR-Kinderchors zu Wort gemeldet - und die Entscheidung zur Produktion verteidigt.

Gegenüber der Bild gab er an, dass die Kinder des Chores und deren Eltern frei entscheiden durften, ob sie an dem Projekt teilnehmen. "Es gab keinen Zwang und es wurde niemand instrumentalisiert", sagte Chorleiter Zeljo Davutovic gegenüber dem Blatt.

Den Kindern sei das Satire-Projekt erklärt worden, dessen Ziel es gewesen sei, "mit Überspitzung und Humor den Konflikt zwischen den Generationen aufs Korn zu nehmen." 

Gleichzeitig entschuldigt sich Davutovic bei Menschen, die sich durch das satirische Lied persönlich angegriffen fühlen.

WDR: Kinderchor Dortmund löst mit "Meine Oma ist ne alte Umweltsau" heftige Reaktion aus

Update, Samstag (28. Dezember), 20 Uhr: Auch Satiriker Jan Böhmermann (38) schaltet sich nun in die Diskussion rund um den umstrittenen Song des WDR Kinderchors ein - und scheint dabei auf der Seite des WDR zu stehen.

So schrieb der Moderator auf Twitter: "Ihr kleinen Umweltsäue würdet doch ohne mit der Wimper zu zucken einen Kinderchor alle drei Strophen des "Deutschlandliedes" singen lassen. Und zwar nicht zum Spaß."

WDR entschuldigt sich für Song des Dortmunder Kinderchors

Weiter heißt es: "sich einfach mal so auf einee arschbacke in die "debatte" einklinken um auch ein bisschen was vom dusselhass abzubekommen bei twiter zwischen den jahren DAS IST FÜR MICH WIE BÖLLERN" 

Aber auch für den WDR ist die Diskussion um das Lied noch nicht zu Ende. So räumte der Sender bei WDR 2 Platz ein, um den Hörern zu dem Song Rede und Antwort zu stehen. 

WDR räumt nach umstrittenen Song des Dortmunder Kinderchors Fehler ein

In dem Gespräch entschuldigte sich Jochen Rausch, stellvertretender Hochfunkdirektor des WDR, für die Wortwahl im Song. Der Chor, so Rausch, hätte bei der Wortfindung nicht lang genug recherchiert. "Ich halte es für einen Fehler, dafür haben wir uns entschuldigt. Wir haben mit einem dicken Hammer auf einen kleinen Nagel gehauen.“

Auch WDR-Indendant Tom Buhrow (61) räumt nun Fehler ein. So sagte er in der Sondersendung: „Ich will einen Fehler eingestehen und mich entschuldigen, ohne Wenn und Aber. Das Video mit dem Oma-Lied war ein Fehler. Mein Vater ist keine Umweltsau. Er hat sein Leben lang hart gearbeitet und versucht, anständig zu leben. Ich habe mein Leben darum gekämpft, Menschen zu vereinen und nicht zu spalten.“ 

Mitarbeiter des WDR sorgt für Shitstorm auf Twitter

Derweil macht auch ein Mitarbeiter des WDR von sich reden. Dieser befürwortete auf Twitter den Kinderchor und bezeichnete die Oma als "#Nazisau". Laut Rausch, wird es für ihn Konsequenzen geben. „Das war unter aller Kanone. Wir werden den Vorgang prüfen und sehen, was sich daraus ergibt.“

Erstmeldung, Samstag (28. Dezember), 17 Uhr: Dortmund - Aufregung um den Kinderchor vom WDR. Dieser veröffentlichte nun ein Lied über die Oma - in Anlehnung an das bekannte Kinderlied "Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad". Doch der Text sorgt für Ärger in den sozialen Medien. Denn: Die Oma fährt in dem Song nicht nur Motorrad im Hühnerstall, sondern überfährt dort mit ihrem "SUV den Opa".

Dortmunder Kinderchor des WDR dichtet bekanntes Kinderlied um

Die Kinder des Kinderchors aus Dortmund singen dabei eine umgeschriebene Version des Kinderliedes "Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad". In der neuen Version jedoch das Thema: Oma als Klimasünderin. 

So heißt es nun: "Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad. Das sind tausend Liter Super jeden Monat. Meine Oma ist 'ne alte Umweltsau." Weiter heißt es: "Meine Oma fährt mit 'nem SUV beim Arzt vor, überfährt dabei zwei Opis mit Rollator." 

Satire des Dortmunder Kinderchors vom WDR: SUV, Discounter-Fleisch und Reiseverhalten der Oma werden bemängelt

Aber nicht nur auf das Thema SUV wird in dem Song des WDR Kinderchors, der gerade erst beim BVB-Weihnachtssingen auftrat, aufgegriffen, sondern auch Discounter-Fleisch aus schlechten Aufzuchtbetrieben. So singen die Kinder: "Meine Oma brät sich jeden Tag ein Kotelett, ein Kotelett, ein Kotelett. Weil Discounter-Fleisch so gut wie gar nichts kostet. Meine Oma ist 'ne alte Umweltsau." 

Auch das Reiseverhalten ist ein Thema bei den Kindern: "Meine Oma fliegt nicht mehr, sie ist geläutert, geläutert, geläutert. Stadtessen macht sie jetzt zehnmal im Jahr 'ne Kreuzfahrt." Mit einem Zitat von Greta Thunberg (16) endet das Lied.

Negative Reaktionen auf Lied des Dortmunder WDR-Kinderchors häufen sich

Die Reaktion auf das Lied vom WDR Kinderchor sind bescheiden. Besonders auf Twitter häufen sich die negativen Kommentare. 

  • Linnéa Findeklee schreibt: "Ich bin sprachlos. Das hat mit Comedy nichts mehr zu tun. Als hätte ich als Student (der in finanziellen Mitteln eh begrenzt ist) Freude so etwas durch Rundfunkgebühren zu finanzieren."
  • Andy schreibt: "Was ist los bei euch @WDR? Hetzt ihr jetzt schon die Generationen gegeneinander auf? Kommt mir jetzt nicht damit, dass es #Satire war!"
  • Der Dutschi schreibt: "Meine Oma ist immer mit dem Fahrrad zum Einkaufen gefahren, hatte keine Zentralheizung, kein McDonalds besucht, sich viel aus dem Garten selbst versorgt, kein iPhone und Internet verwendet, ihre Marmelade nicht aus 50 Sorten vegan ausgesucht, sondern selbst gemacht!#Umweltsau"

Fridays For Future Thüringen distanziert sich vom WDR-Kinderchor aus Dortmund

Auch Fridays For Future Thüringen distanziert sich mit einem Post auf Twitter von dem Lied des Kinderchors. "SUVs sind ein Problem. Fliegen ist ein Problem. Kreuzfahrten sind ein Problem. Täglicher Fleischkonsum ist ein Problem. Meine Oma ist KEIN Problem und schon gar keine #Umweltsau", heißt es. 

Die Bewegung Fridays for Future hatte vor Weihnachten selbst gegen ältere Menschen auf Twitter geschossen.

„Warum reden uns die Großeltern eigentlich immer noch jedes Jahr rein? Die sind doch eh bald nicht mehr dabei.“ Kurz darauf räumten die Verfasser ein, dass es sich dabei um Satire handeln würde.

WDR löscht umstrittenen Song ihres Kinderchors aus Dortmund

Und was sagt der WDR zu den drastischen Vorwürfen? Der Sender löschte das Lied letztendlich wieder von seiner Seite und den Kanälen und gab anschließend eine Erklärung zu der Debatte rund um das für viele fragwürdige Lied ab.

Der Sender bezeichnetet das Lied als Satire. Diese habe bei den Zuschauern unterschiedlichste Reaktionen ausgelöst und das sei auch der Sinn hinter Satire. Zu der Löschung des Liedes sagt der WDR: „Betroffen macht uns allerdings der Vorwurf, die beteiligten Kinder seien möglicherweise ’instrumentalisiert’ worden. 

"Dies ist absolut nicht der Fall, trotzdem haben wir uns entschlossen, das Video zu löschen, da schon die Mutmaßung, WDR 2 hätte die Kinder des Chores instrumentalisiert, für die Redaktion unerträglich ist.“

Mehr zum Thema