Immer mehr Videotheken machen dicht: Dortmund hat noch drei Filmverleiher

Videotheken schließen reihenweise. Foto: Wolf von Dewitz/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit
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Videotheken schließen reihenweise. Foto: Wolf von Dewitz/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit

Dortmund/NRW - Immer weniger Menschen leihen sich einen Film aus. Die Folge: Deutschlands Videotheken sterben nach und nach aus - so auch in Dortmund.

An einem Samstagabend macht man es sich mit einem ausgeliehenen Film auf dem Sofa gemütlich. Ein Szenario, das nach und nach zu verschwinden droht. Denn die Videotheken sterben aus - auch in Dortmund.

In den 80er Jahren boten sie die gute alte VHS-Kassette an, seit den 90ern die DVD, später kam noch die Blu-ray dazu. Damit machten Videotheken gute Geschäfte in Deutschland. Das ist lange her - die Gegenwart sieht für die Branche düster aus.

Schließende Videotheken in Deutschlands Städten sind keine Einzelfälle. In den letzten Jahren hat das Ausleihen von Filmen zunehmend abgenommen.

In konkreten Zahlen bedeutet das: Die Kundenzahl ist von 2015 bis 2017 von 4,8 auf 2,6 Millionen, die Vermietvorgänge für Spielfilme um mehr als die Hälfte von 68 auf 31 Millionen jährlich eingebrochen. Das teilte jetzt der Interessenverband des Video- und Medienfachhandels in Deutschland (IVD) gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa) mit.

Videotheken-Umsatz hat sich halbiert

Die Preise stiegen zwar leicht, der Einbruch der Erlöse konnte damit aber nicht gestoppt werden: Fuhren die Videotheken 2015 mit dem Spielfilm-Verleih noch einen Umsatz von 165 Millionen Euro ein, lag er 2017 nur noch bei 84 Millionen Euro.

Die Zahl der Videotheken wiederum sank von 2016 bis 2017 von rund 900 auf 600. Heißt: In einem Jahr hat jede dritte Verleihstation dicht gemacht. Vor zehn Jahren waren es noch rund 3.000.

Und auch an den Videotheken in Dortmund geht der Abwärtstrend nicht vorbei. Wer sich in Dortmund aktuell einen Film auf Blu-ray ausleihen will, hat nicht sonderlich viele Möglichkeiten.

In Dortmund haben nur noch drei Videotheken geöffnet

Die Videotheken haben sich rar gemacht. Lediglich der "Videotaxi Megastore" an der Rheinischen Straße und der "Videoplanet" in Bodelschwingh bieten noch Filme, TV-Serien oder Spiele zum Verleih an.

Währenddessen sind die letzten Tage der Videothek "Videoplanet" in Aplerbeck gezählt: Dort läuft derzeit ein Räumungsverkauf. Auf der Facebook-Seite gibt man bekannt, dass die Filiale zum 15. Dezember schließt - nach vielen, vielen Jahren Filmverleih.

Wie ein Mitarbeiter der Filiale in Bodelschwingh gegenüber Dortmund24 erklärt, läge das in erster Linie an der bevorstehenden Baustelle an der Schüruferstraße. Im Rahmen umfangreicher Baumaßnahmen wird die Straße für ein Jahr gesperrt. Die Videothek sei dadurch sehr schlecht für Kunden zu erreichen.

Doch auch andere Videotheken schließen und haben geschlossen. Der Branchenverband IVD sieht vor allem die illegalen Downloads und Abrufe im Internet als Auslöser des geschäftlichen Übels. Dagegen werde zu wenig getan: "Ohne eine stärkere Bekämpfung der Piraterie wird es nicht wieder aufwärts gehen", sagt Jörg Weinrich, Geschäftsführender Vorstand vom IVD.

Größte Konkurrenz: Netflix, Amazon Prime & Co.

Andere Experten halten hingegen die Internet-Konkurrenz von Online-Diensten wie Amazon Prime, Netflix oder iTunes für den Hauptgrund des Niedergangs der Videotheken in Deutschland.

Florian Kerkau von der Strategieberatung Goldmedia sagt, durch die Online-Anbieter hätten stationäre Verleiher ihre Existenzberechtigung am Markt verloren. "Das Geschäftsmodell der Videotheken wurde eins zu eins ins Internet übertragen – anstatt in ein Geschäft zu gehen, eine DVD auszuleihen und später zurückbringen zu müssen, reichen heute ein paar Klicks."

Fachmann Hermann-Dieter Schröder vom Hans-Bredow-Institut an der Hamburger Universität sieht das ähnlich. Er prophezeiht sogar, dass die Zahl der Videotheken in Deutschland in zehn Jahren gegen Null tendieren wird.