Videobeobachtung in Dortmund: Auswertung zeigt kaum Erfolge

Videoüberwachung, Videokamera, Videobeobachtung. Foto: Daniele Giustolisi/RUHR24
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Videoüberwachung, Videokamera, Videobeobachtung. Foto: Daniele Giustolisi/RUHR24

Dortmund/NRW - Mehr Überwachung und trotzdem mehr Straftaten: Ein Forschungsbericht ist erneut Anlass für die Grünen im Rat, die Videobeobachtung in der Brückstraße zu kritisieren. Forscher kommen jetzt zu dem Ergebnis, dass Videoüberwachung nicht immer etwas bringt.

Mehr Überwachung und trotzdem mehr Straftaten: Ein Forschungsbericht ist erneut Anlass für die Grünen im Rat, die Videobeobachtung in der Brückstraße zu kritisieren. Forscher kommen jetzt zu dem Ergebnis, dass Videoüberwachung nämlich nicht immer etwas bringt.

Seit Mitte Dezember 2016 wird am Wochenende nachts jeder gefilmt, der die Brückstraße in Dortmund betritt. Ein Forschungsbericht zieht nun eine Bilanz des ersten Jahres nach Beginn der Videobeobachtung in Dortmund. Und der fällt nicht rosig aus: Denn die Kriminalität in den Gassen des Viertels ist weiterhin hoch.

Für die Polizei dürfte das auf den ersten Blick kaum erfreulich sein. Den Grünen im Rat dient der Bericht als Anlass zu erneuter Kritik an der Überwachung. Sie fordern, dass die Ergebnisse des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen im Ausschuss für Bürgerdienste diskutiert werden.

Videobeobachtung sei "kein Allerheilmittel"

Woran die Grünen sich stoßen: Die Straßenkriminalität im Stadtgebiet ist nach Einführung der Videobeobachtung um mehr als 10 Prozent gesunken. Dort, wo die Kameras für mehr Sicherheit sorgen sollten, stieg sie jedoch um 1,4 Prozent leicht an. Zum Vergleich: In Duisburg (minus 41 Prozent) und Essen (minus 25 Prozent) ist ein anderer Trend sichtbar.



Die Videobeobachtung sei daher "kein Allerheilmittel", sagt Svenja Noltemeyer, Ratsmitglied der Grünen. "Gleichzeitig führt die Beobachtung aber zu einem mehr an Überwachung auch unbeteiligter Personen." Es stelle sich die Frage, ob Polizeistreifen nicht besser geeignet wären, Straftaten zu verhindern und Sicherheit zu erhöhen.

Polizei sieht Erfolg

Demgegenüber steht das ehemals positive Fazit der Polizei im Zusammenhang mit der Videobeobachtung. Polizeipräsident Gregor Lange kündigte an, die Überwachung unter Umständen sogar ausweiten zu wollen - etwa auf die Nordstadt.

Als Ziel der Überwachung würden Sicherheitsbehörden gerne Prävention von sowie Aufklärung nach Körperverletzungen, Diebstahl und Betäubungsmitteldelikten nennen. Hinzu komme die abschreckende Wirkung der Videoüberwachung, die auch der subjektiven Sicherheit der Bevölkerung und Entlastung der Polizisten diene.

Die Forscher sagen zusammenfassend jedoch, dass "die Wirksamkeit von Videobeobachtung und Videoüberwachung nicht uneingeschränkt bejaht werden kann." Sprich: Manchmal bringt sie etwas, manchmal eben nicht.

Wissenschaftler sehen kaum Besserung

Ausgewertet haben die Forscher zahlreiche Straftaten, die im überwachten Bereich der Brückstraße von der Polizei erfasst wurden. Verglichen mit den Jahren vor der Videoüberwachung zeigen sich – knapp zusammengefasst – folgende Ergebnisse:

Kommentar des Autors: Die Einschätzung der Grünen, dass die Videobeobachtung öffentlicher Plätze "kein Allerheilmittel" ist, trifft sicher zu. Zu diesem Ergebnis kommen auch die Autoren des Forschungsberichts zu Videokameras (PDF). Deshalb ist eine weitere Debatte darüber generell zu begrüßen. Das Problem: Es fällt auch den Grünen schwer, schlüssig gegen die Videobeobachtung in der Brückstraße zu argumentieren. Zum einen ist die leicht gestiegene Zahl der Straftaten kaum signifikant. Zum anderen dürften Verfechter sie auch als Argument für Videoüberwachung sehen: Wenn dort weiter so viele Straftaten passieren, können wir doch jetzt die Kameras nicht abstellen, oder? Doch auch das hinkt: Mit Kamera sieht die Polizei eben mehr Straftaten, als ohne. Weil die Kameras erst seit Ende 2016 in Betrieb sind, kann ein Trend aber unmöglich sichtbar sein.

Höchstens an Schwerpunkten

Dass bei der Videobeobachtung abgewägt werden muss zwischen Persönlichkeitsrechten der Bürger auf der einen Seite, und Sicherheit auf der anderen, ist verständlich. Eine Ausweitung der Videoüberwachung, wie sie die NRW-Landesregierung fordert, ist deshalb unnötig. Die Alternative wäre mehr Polizei auf der Straße. Das dürfte in Kürze kaum etwas werden. Die Untersuchung zeigt aber auch: Laufen die Kameras, werden Straftaten in Dortmund häufiger aufgeklärt (59 Prozent) als zuvor (43 Prozent). Die Forscher sehen das immerhin als "kleinen Effekt". Ob die Kameras daran schuld sind, sei nicht klar belegt. Solange die Brückstraße ein Schwerpunkt ist, gibt es mit Kamerüberwachung immerhin etwas größere Chancen darauf, Straftäter zu fassen. Immerhin. Ohne triftigen Grund darf es eine Videobeobachtung aber auch weiterhin nicht geben. Wo sie nachweislich nichts bringt, müssen die Kameras wieder abmontiert werden.