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Es sollte das Abenteuer seines Lebens werden: Nach seinem Abitur wollte Benedikt Schäfer aus Bövinghausen für drei Monate in die USA. Doch am Flughafen lief alles anders als geplant: Weil er keinen Rückflug gebucht hatte, bezichtigte ihn die Grenzkontrolle als illegalen Arbeitsmigranten und steckte den 18-Jährigen ins Gefängnis.

Für ein paar Monate ins Ausland, rumreisen und etwas vom Land sehen: Viele Abiturienten zieht es nach der Schule für einige Zeit weg von zuhause. Auch Benedikt Schäfer aus Bövinghausen hatte ein großes Abenteuer geplant: Für drei Monate will der 18-Jährige Abiturient in die USA. Die elektronische Reisegenehmigung ESTA hatte Benedikt bereits ordnungsgemäß beantragt.

Doch soweit sollte es gar nicht erst kommen: Denn weiter als bis auf das Flughafengelände hat Benedikt es nie geschafft. Als der Abiturient am 17. August am Flughafen in Boston bei der Grenzkontrollbehörde US Customs and Border Protection (CBP) seine Fingerabdrücke abgeben muss, ziehen ihn die Beamten plötzlich raus. Seine Fingerabdrücke „seien zu gut“: Er habe schwitzige Hände, die Beamten fragen Benedikt, ob er nervös sei.

Der 18-Jährige aus Dortmund wurde in den USA als illegaler Arbeitsmigrant verdächtigt. Foto: Privat

Stundenlange Verhöre: „Es grenzte an psychische Folter“

Dann geht plötzlich alles ganz schnell: Benedikt wird verdächtigt, illegal in den USA arbeiten zu wollen. Für Benedikt der Anfang eines Alptraums: „Sie verhörten mich stundenlang, immer wieder haben sie mir vorgeworfen, dass ich lügen würde“, erzählt der Abiturient. „Natürlich war das nicht Guantanamo. Aber es grenzte an psychische Folter.“

Benedikt Schäfer versucht, seine Pläne zu erklären: Dass er einem befreundeten Professor beim Umzug helfen wolle und dann auf einer Farm ehrenamtlich aushelfen. Einen Rückflug hat er zu diesem Zeitpunkt noch nicht: „Meine letzten zwei Wochen in den USA wollte ich offen halten, eventuell noch reisen oder so.“

Beamten haben Bankkonten und Mailverkehr durchsucht

Für die Beamten der Sicherheitsbehörde ist das ein Dorn im Auge: Er sei verdächtig, weil er keinen Rückflug habe.

Was dann folgt, ist für Benedikt ein schwerer Eingriff in seine Privatsphäre: „Ich musste meine Bankdaten offen legen, um zu zeigen, dass ich mir einen Rückflug leisten könnte. Außerdem haben sie meinen Mailverkehr mit meinen Bekannten in den USA kontrolliert.“ Telefonieren darf Benedikt in dieser ganzen Zeit nicht.

Abiturient muss die Nacht im Gefängnis verbringen

Erst am späten Abend kann der ehemalige Schüler seine Eltern in Deutschland kontaktieren. „Weil es schon 11 Uhr war, meinten die Beamten, dass es keinen Sinn mache, die Deutsche Botschaft in Washington zu kontaktieren“, so Benedikt. Der Schüler ließ es daraufhin sein.

Die Nacht verbringt Benedikt im Suffolk County House for Corrections in Boston, USA, ein Gefängnis mit einem Trakt für illegale Einwanderer. „Auf einmal hat man mir Handschellen angelegt und ich wurde aus dem Flughafen geführt. In einem dunklen Gefängnistransporter fuhren wir mitten in der Nacht weg. Niemand sagte mir, wohin es geht“, erzählt der 18-Jährige.

Unter US-Präsident Donald Trump wurde die Einwanderungspolitik verschärft. Foto: Shawn Thew

Wärterin reißt geschmacklosen Nazi-Witz

Nach einer medizinischen Untersuchung kommt Benedikt in eine Zelle mit zwei anderen „Verdächtigen“. Er muss einen orangenen Overall anziehen, seine persönlichen Sachen abgeben. „Zu diesem Zeitpunkt hieß es, dass Thomas Cook erst wieder Montag fliegt. Ich dachte, ich müsse 3 bis 4 Tage im Gefängnis bleiben.“ Denn nur die Fluggesellschaft, mit der er eingeflogen ist, dürfe ihn zurück nach Deutschland fliegen.

Die Bemerkung einer Wärterin stößt dem 18-Jährigen in der folgenden Nacht besonders sauer auf. „Auf ihre Frage, woher ich käme, erzählte ich ihr, dass ich Deutscher bin und momentan lieber dort wäre, als in einem US-Gefängnis.“ Die Antwort der Wärterin: „Wenigstens werfen wir euch nicht in Gaskammern.“

Erst am nächsten Tag kommen nachmittags die erlösenden Worte für Benedikt: Der 18-Jährige solle seine Sachen holen. Seine Eltern haben mit dem Notdienst der Deutschen Botschaft in Washington gesprochen – auf eigene Kosten darf er am Abend nach Hause reisen.

Pilot von TAP Portugal als letzte Entscheidungsinstanz

Bevor Benedikt allerdings den Heimflug antreten darf, wird der Abiturient erneut zum Verhör gebeten. Als letzte Instanz soll der Pilot von TAP Air Portugal Benedikt befragen. Er soll entscheiden, ob Benedikt eine Gefahr für den Flug darstelle. Dann die große Erleichterung: „Der Pilot hat mich mit offenen Armen empfangen.“

An der Rechtmäßigkeit der Verhöre zweifelt Familie Schäfer. Rechtlich dagegen vorzugehen sei aber keine Alternative: „Internationale Klagen verlaufen sich häufig im Sand“, so Benedikt. Er wolle sich deshalb jetzt an die Öffentlichkeit wenden, um so auf seinen Fall aufmerksam zu machen.

Weitere Informationen dazu findet ihr bei den Ruhr Nachrichten.

Einfach mal über die Grenze fahren wie wir das in Europa kennen – das gibt es in den USA nicht. Stattdessen muss jeder, der in die Staaten einreisen möchte, genau angeben, für welchen Zeitraum, aus welchem Grund und mit welcher Erlaubnis er das tut. Am Flughafen entscheiden schließlich die Beamten der Customs and Border Protection, ob man letztendlich einreisen darf.

Während illegale Einwanderung in den USA schon immer ein großes Thema war, hat sich die Einwanderungspolitik unter Donald Trump noch verschärft. Seit der Trump’schen „Null-Toleranz-Politik“ werden viele illegale Einwanderer von vorneherein als Kriminelle definiert und strafrechtlich verfolgt.