Bild: Sandra Schaftner/Dortmund24

Das Saarlandstraßenviertel liegt um die Saarlandstraße herum, eine Straße mit viele Geschäften und Imbissen. Unternehmer und Bewohner finden ihr Viertel lebenswert. Aber warum? Und ist das Viertel noch das, was es früher war?

Das Saarlandstraßenviertel ist nach seinem Herzstück benannt: der Saarlandstraße. Aber das Quartier ist eigentlich viel größer. Wo genau es beginnt und aufhört, darüber gibt es verschiedene Informationen. Manchmal wird der Westfalenpark noch mitgezählt, manchmal wird die B1 als südliche Grenze genannt. Das Problem bei der Definition ist vermutlich, dass der offizielle Stadtteil gar nicht Saarlandstraßenviertel heißt, sondern Ruhrallee Ost beziehungsweise Ruhrallee West.

Die beiden Ruhrallee-Stadtteile befinden sich östlich und westlich von der Ruhrallee und erstrecken sich von der Innenstadt im Norden bis zum Westfalenpark im Süden und von der Hohen Straße im Westen bis zur Märkischen Straße im Osten.

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Hier kreuzt die Ruhrallee die Saarlandstraße. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24

Saarlandstraßenviertel ist der kleine Bruder

Das Saarlandstraßenviertel gehört zu den Dortmunder Szeneviertel, aber es steht im Schatten seiner größeren Brüder Kreuzviertel und Kaiserviertel. Es hat nicht so viele Quartiers-eigene Veranstaltungen wie das Kreuzviertel. Auch kündigt kein Schriftzug über der Straße wie beim Kaiserviertel das Quartier an.

Das Saarlandstraßenviertel hat aber das Zeug dazu, aus dem Schatten der beiden anderen Quartiere hinauszutreten. Es hat viele moderne Imbisse und Restaurants, familiäre und besondere Einzelhandelsgeschäfte und vor allem eines: Bewohner, die stolz auf ihr Viertel sind.

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In den vergangenen Jahren sind viele moderne Restaurants und Cafés an die Saarlandstraße gezogen. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24

Stolze Bewohner

In den Geschäften und Cafés an der Saarlandstraße trifft man viele Menschen, die ihre Zeit gerne im Quartier verbringen und nicht ins Zentrum fahren, um dort etwas zu erleben – obwohl Hansaplatz und Westenhellweg von der Saarlandstraße nicht weit weg sind, etwa eine Viertelstunde zu Fuß oder eine Station mit der U-Bahn.

Aber warum ins Zentrum fahren, wenn alles vor der Haustür liegt? „Es gibt hier jede Menge Cafés und Einkaufsmöglichkeiten“, meint eine 22-jährige Mitarbeiterin im Café Lotte, die an der Chemnitzer Straße wohnt. „Man kann hier auch super spazieren gehen.“ Nur für eine Sache verlässt sie ihr Viertel regelmäßig: fürs Ausgehen. Im Saarlandstraßenviertel machen laut der Mitarbeiterin die meisten Restaurants nach dem Abendessen dicht. Das Café Lotte schließt zum Beispiel um 19 Uhr. Im Kaiserviertel hat es dagegen bis 23 Uhr offen.

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Die 22-jährige Mitarbeiterin verkauft im Café Lotte Kaffee und Kuchen. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24

Neueinzieher und Rückkehrer geeint

Dabei würde es eigentlich genug junge Leute rund um die Saarlandstraße geben. Es ist eine beliebte Wohngegend für Studenten und junge Familien. Im Café Lotte sitzen an diesem Winternachmittag hauptsächlich unter 30-Jährige an den Tischen, arbeiten an ihren Laptops oder lesen.

Aber nicht nur junge Menschen zieht es an die Saarlandstraße. Der Uhrmacher Roland Bodacker ist vor 25 Jahren mit seinem Geschäft vom Kreuzviertel hierher gegangen. An dem Schaufenster des Ladens kann man fast nicht vorbeigehen, ohne stehen zu bleiben. Es ist stilvoll und weihnachtlich dekoriert. Vor kleinen Standuhren sind Ketten und Ringe ausgestellt. Im Geschäft sieht es aus wie in einem Museum. Standuhren und Wanduhren füllen den Raum, „Tik Tok“ macht es von allen Seiten.

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Der Verkaufsraum des Uhrmachers Bodacker sieht aus wie ein kleines Museum. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24

Hinter der Theke steht Roland Bonacker mit seiner Lebensgefährtin Gudrun. Gudrun erzählt, dass sie im Saarlandstraßenviertel gewohnt hat, bis sie mit etwa 20 Jahren in einen anderen Dortmunder Stadtteil zog. Später kehrte sie wieder hierher zurück – wie viele andere, die Gudrun kennt. Sie findet das Viertel sehr familiär. „Man kennt sich, grüßt sich und trifft sich im Rewe.“

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Gudrun und Roland Bodacker kennen das Saarlandstraßenviertel seit Jahrzehnten. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24

Restaurants ersetzen Metzgereien

Sie findet es aber gut, dass viele junge Bewohner und junge Restaurants ins Viertel kommen. „Das bereichert die Saarlandstraße“, meint Gudrun. Früher, zu ihren Jugendzeiten, habe es hier nicht so viele Studenten gegeben. Auch nicht so viele Restaurants und kleine Geschäfte wie heute. Dafür lagen an der Straße vor etwa 45 Jahren noch mehrere Metzgereien und mehr Bäckereien. Vor wenigen Jahren erst hat die Post an der Saarlandstraße geschlossen. Das bezeichnet Gudrun als den größten Verlust für das Viertel, „weil sie einfach schon immer da war“.

Roland erzählt, dass er die Schließung der Post selbst in seinem Uhrengeschäft gemerkt hat. Seitdem komme weniger Laufkundschaft vorbei, weil die Post immer viele Menschen aus dem Viertel angelockt habe.

Hohe Mieten, wenig Parkplätze

Noch länger als Roland und Gudrun kennt ein Stammgast der Kneipe „Abseits“, die am Anfang der Saarlandstraße liegt, das Viertel. Der Rentner ist nie weggezogen. Er erzählt, dass das Quartier im Zweiten Weltkrieg zu großen Teilen zerbombt wurde. Danach wurden die hohen Wohnhäuser aufgebaut, die heute den Straßenzug prägen. Auch ein Bus mit Oberleitung fuhr laut dem Stammgast mal durch die Saarlandstraße.

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So sieht die typische Architektur an der Saarlandstraße aus. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24

Der Bewohner beobachtet das Viertel schon lange. Die aktuelle Entwicklung macht ihm aber Angst. „Es ziehen immer mehr Leute hierher“, sagt er. Das mache die Mieten bald unbezahlbar, zumindest für Familien. Er erklärt das an einem Beispiel: Studenten wohnen oft in Wohngemeinschaften und zahlen jeder 300 bis 400 Euro. So bekommt der Vermieter für eine WG mit fünf Studenten 1500 bis 2000 Euro. „Eine Familie kann damit nicht konkurrieren“, sagt der Rentner.

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Der Stammgast hat schon sehr viele Abende in der Kneipe „Abseits“ verbracht. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24

Außerdem beschwert er sich, dass für die Bewohner des Viertels bei Weitem nicht genug Parkplätze zur Verfügung stünden. Über die Parkausweise für Bewohner macht er sich mit einem anderen Kneipengast lustig. Die beiden sagen, dass mehr Parkausweise ausgegeben werden, als es Parkplätze gibt. Eine Garantie für einen Parkplatz gäbe es für die Ausweisbesitzer also nicht. So würden sie oft ohne Stellplatz dastehen. Wenn man diese Probleme in den Griff bekommen würde, würde der Rentner den starken Zuzug jedoch gutheißen.

Der Markt boomt

Dadurch läuft der Markt im Saarlandstraßenviertel, sowohl bei Wohnungen als auch im Handel. Entlang der Saarlandstraße steht kein Geschäft leer. Die gute Situation haben Immobilien- und Geschäftsleute längst erkannt. Und vielleicht begreifen auch bald die Menschen aus dem Kreuzviertel, Kaiserviertel und der Innenstadt das Potenzial des (noch) unterschätzten Saarlandstraßenviertels.