Der Trend geht zum Fahrrad - auch in Dortmund

Von Daniele Giustolisi

Dortmund/NRW - Egal ob E-Bike, Mountainbike, Rennrad oder normales Fahrrad: Radeln ist in. Auch in Dortmund sind immer mehr Menschen auf zwei Rädern unterwegs.

Egal ob E-Bike, Mountainbike, Rennrad oder normales Fahrrad: Radeln ist in. Auch in Dortmund sind immer mehr Menschen auf zwei Rädern unterwegs.

Friedrichshafen / Dortmund (mit dpa) - Fahrradfahren ist Trend, sagen Experten. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stehen in deutschen Haushalten rund 68 Millionen Fahrräder - und etwa 80 Prozent der Menschen in Deutschland besitzen ein Rad, wie es beim Bundesverkehrsministerium heißt. Auch für Dortmund gibt es Zahlen: Im Schnitt gibt es pro Haushalt 1,3 Fahrräder, 59 Prozent aller Dortmunder nutzen ein Fahrrad - am häufigsten junge Dortmunder zwischen 6 und 17 Jahren.

Ein paar Fragen muss man sich als Radler in Deutschland noch stellen:

Wie gut ist es eigentlich um die Radwege in Deutschland bestellt?

Es geht, heißt es beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). «Einige vorbildliche Fahrradstädte gibt es schon in Deutschland», sagt die Sprecherin des Vereins, Stephanie Krone. Dazu zählten etwa Karlsruhe und Potsdam. «In diesen Städten hat man verstanden, dass Fahrradfreundlichkeit ein Standortfaktor und mit hoher Lebensqualität verbunden ist.» Durchgängige Radwegenetze, breite und gepflegte Radspuren, sichere Abstellplätze und ein fahrradfreundliches Verkehrsklima seien in Deutschland aber bislang eher die Ausnahme.

Allein in Dortmund gibt es weit über 600 Kilometer Radwege - wozu allerdings gemeinsame Geh- und Radwege und als „Radfahrer frei“-ausgeschilderten Gehwege zählen. Die Stadt wurde bereits 2007 als 42. Mitglied in die Arbeitsgemeinschaft "Fahrradfreundliche Städte, Gemeinden und Kreise in NRW" (AGFS) aufgenommen. Damit gehört Dortmund zu den Städten und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen, die das Qualitätssiegel "fahrradfreundliche Stadt" offiziell tragen dürfen. Doch die Dortmunder geben ihrer Stadt in Sachen Fahrradfreundlichkeit nur die Note "befriedigend". Das zumindest kam bei einer Befragung zum Mobilitätsverhalten im Jahr 2014 heraus.

Es geht also immer noch besser. Zumal bei einer Befragung der Stadt zum Thema Mobilität im Jahr 2014 herauskam, dass nur 6 Prozent der Wege in Dortmund mit dem Rad zurückgelegt wurden. Übrigens: Den höchsten Radverkehrsanteil gibt es in Dortmund mit 11% in der Innenstadt-West und 10% in der Innenstadt-Ost. Der Radverkehrsanteil von 12 Prozent - wie ihn sich die Stadt wünscht - ist aber noch nicht erreicht, soll aber mit Hilfe des Masterplans Mobilität in den nächsten Jahren realisiert werden.

Dass noch mehr für den Radverkehr getan werden muss, hat auch das Bundesverkehrsministerium erkannt: Nach Angaben der Behörde wurden die Mittel für die Radverkehrsförderung 2016 auf mehr als 100 Millionen Euro aufgestockt. «98 Millionen Euro stehen allein für den Radwegebau und die Erhaltung an Bundesstraßen zur Verfügung», schreibt der Parlamentarische Staatssekretär Norbert Barthle im Fahrradmonitor 2015.

Wie sicher ist das Fahrradfahren?

Auch hier gibt es Verbesserungspotenzial: 2015 starben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 383 Radfahrer - nach 396 im Vorjahr zwar ein leichter Rückgang. Doch im Mehrjahrestrend sinken die Zahlen deutschlandweit nicht. Dafür treten jetzt neue Verkehrsregeln in Kraft, die Radfahrer besser schützen sollen.

Erfreulich: In Dortmund gab es 2015 keinen einzigen tödlichen Verkehrsunfall eines Radfahrers. Ein Jahr davor, 2014, erlagen zwei Männer nach einem Fahrradunfall ihren Verletzungen. Beide stürzten bei Alleinunfällen ohne äußerliche Beeinträchtigungen vom Fahrrad / E-Bike und verletzten sich hierbei so schwer am Kopf, dass sie ihren Verletzungen erlagen.

Deutschlandweit ist Radfahrer-Anteil an den Verkehrstoten seit 1991 von 8 auf 11 Prozent gestiegen. «Die schlimmsten Ärgernisse für Radfahrer sind zugeparkte, mit Pollern, Werbetafeln oder Baustellen versperrte Radwege», sagt Krone. «Genauso gruselig: Die täglich erlebte, lebensgefährliche Zumutung, von Autos nur mit Haaresbreite überholt und womöglich auch noch angehupt zu werden.»

Reisen mit dem Rad - ist das noch zeitgemäß?

Es sei sogar Trend, sagen Tourismusverbände. Allein Baden-Württemberg - dort wurde vor 200 Jahren der Vorläufer des Rades entwickelt - zählt jährlich 14 Millionen Tagesausflügler auf dem Rad und 3,2 Millionen Übernachtungen durch Radreisende. Das geht aus einer Radstrategie hervor, die das Stuttgarter Verkehrsministerium im Februar 2016 veröffentlicht hat. Die Radtouristen generierten demnach rund 860 Millionen Euro Nettowertschöpfung pro Jahr. Damit sichere der Radtourismus rund 25.000 Arbeitsplätze in Baden-Württemberg.

Dortmund und das Ruhrgebiet locken seit einigen Jahren mit dem Emscherradweg und dem Ruhrtalradweg viele Touristen in unsere Region. Wer beispielsweise den Emscherradweg von der Quelle in Holzwickede bis nach Dinslaken folgt, kann in Dortmund den Phoenixsee, die Hörder Burg, den Westfalenpark oder die Kokerei Hansa besuchen. Und auch vom Ruhrtalradweg haben es Tagestouristen nicht weit für einen Abstecher nach Dortmund: Was wiederum den örtlichen Handel freut.

Auch die Unternehmen stellten sich auf Radler ein, sagt ein Sprecher des Tourismusverbandes in Stuttgart. So gebe es etwa 731 Betriebe mit dem Siegel «Bett+Bike», die sich auf die Bedürfnisse von Radfahrern spezialisiert hätten. Das Qualitätssiegel des ADFC garantiere unter anderem, dass das Fahrrad sicher untergestellt werden kann.

Deutschlandweit wurden 2006 laut Deutschem Tourismusverband 153 Millionen Tagesreisen mit Fahrrad gezählt - und rund 22 Millionen Übernachtungen. Neuere Daten gibt es noch nicht.

Unterstützen Radler die lokale Wirtschaft?

Ja. Vor allem den ländlichen Raum, sagt DTV-Sprecherin Iris Hegemann. Die Radfahrer bewegten sich zudem langsamer in der Region - und blieben länger dort. «Außerdem sind sie sehr ausgebefreundlich», sagt Hegemann. Wenn es entsprechende Angebote etwa von Gasthäusern, dem örtlichen Einzelhandel oder touristischen Attraktionen vor Ort gebe, werde das gerne angenommen. «Viele Radtouristen haben auch ein höheres Einkommen - und es sind keine Sparfüchse unterwegs.»