Sierau schreibt Brief an den WDR: "Dortmund-Tatort ist Mobbing"

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WDR-Chef Buhrow nimmt Stellung zu der Kritik von OB Sierau am Dortmund Tatort. Foto: WDR/Martin Valentin Menke

Dortmund/NRW - Einen Tag nach Ausstrahlung des Dortmund-Tatort "Zorn" meldet sich Dortmunds OB Sierau zu Wort, und zeigt sich bitter enttäuscht.

Paukenschlag aus dem Dortmunder Rathaus: Einen Tag nach Ausstrahlung des Dortmund-Tatort "Zorn" meldet sich Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau zu Wort, und zeigt sich bitter enttäuscht - nicht nur von der aktuellen Folge.

In einem Brief an den Intendanten des WDR, Tom Buhrow, hat OB Sierau seine Verärgerung über den „Dortmund“-Tatort“ von Sonntag (20. Januar) zum Ausdruck gebracht.

In der Folge "Zorn" ging es um eine geschlossene Zeche und Kumpel, die um eine angemessene Abfindung kämpfen. Wie RUHR24 bereits berichtete, wurden nur wenige Szenen des Dortmunder Tatorts in Dortmund gedreht. Weite Teile zeichnete die Produktionsfirma in Duisburg am Landschaftspark Duisburg-Nord auf.

Vorfreude über Dortmund-Tatort verflogen

Sierau schreibt in dem Brief an den WDR von "Mobbing gegenüber einer Stadt, einer Region sowie den dort lebenden Menschen". Mit Beginn der „Tatort“-Folgen aus Dortmund habe in der Stadt, so Sierau, eine gewisse Vorfreude geherrscht über die Aufnahme in jenen Kreis der Kommunen, in denen die unterschiedlichen Kripo-Teams einer TV-Institution wie dem „Tatort“ ihrer Arbeit nachgehen. Das habe sich allerdings geändert, so OB Sierau.

Nicht zuletzt nach der Ausstrahlung der Dortmunder Folge von Sonntag müsse Sierau seine früher getätigte Aussage, dass ein „Tatort“ die Stadt adelt, revidieren.

Besonders scheint sich Sierau über die Darstellung Dortmunds und des Ruhrgebiets zu ärgern, die er nicht mehr für zeitgemäß hält. Ein Krimi sei keine Dokumentation, so Sierau. Aber auch ein Krimi-Drehbuch sollte ein Mindestmaß an Bezug zur Realität vorweisen.

"Maximal lächerlich"

„Das Bild, das am Sonntag über die Orte der Handlung in Dortmund und Marl sowie über die gesamte Region zu bester Sendezeit bundesweit vermittelt wurde, ist an Klischeehaftigkeit nicht mehr zu überbieten. Es ist maximal lächerlich.“

Sierau weiter: „Stecken Sie die Münchener Kommissare in Lederhosen und lassen Sie diese minutenlang Schuhplatteln - es wäre derselbe Effekt, es wäre genauso daneben."

Die Macher dieser Folge würden laut Dortmunds Oberbürgermeister die Menschen einer Region der Lächerlichkeit preisgeben, in dem sie diese Bier trinkend in Trainingsanzügen vor heruntergekommenen Häusern herumstehen ließen. "Mehr Klischee geht nicht.“

Durch die Verbreitung dieser „Ruhrpott-Klischees“ aus den 80ern disqualifiziere der WDR die Menschen und sich selbst als produzierender Sender.

"Plumpe Darstellung"

Sierau: „Es ist eine plumpe Darstellung ohne jedwede regionalen Kenntnisse. Gesellschaftliche und wirtschaftliche Zusammenhänge sollten ansatzweise passen, wenn die Bilder schon nicht aus Dortmund, sondern aus Duisburg stammen."

+++ Sierau über seine Zukunft: „Werde auf jeden Fall nicht im Tatort mitspielen“+++

Die letzte Zeche in Dortmund wurde 1987 geschlossen. Die prägende Zeit der Montanindustrie, so Sierau, sei Geschichte. "Im Ruhrgebiet gibt es so etwas wie einen Strukturwandel – aber die Vorurteile und Klischees der Drehbuchschreiber und verantwortlichen Redakteure des WDR sitzen fest und lassen diese Sichtweise offenbar nicht zu.“

Aktuelle Top-Themen:

Sierau schließt seinen Brief an Tom Buhrow: „Ich persönlich hätte nichts dagegen, wenn Sie den Dortmund-Tatort einstellen und Kommissar Faber und sein Team in den vorzeitigen Ruhestand schicken würden.“

Seiner Kritik verlieh Ullrich Sierau zusätzlich beim Neujahrsempfang der Stadt Dortmund am Montagabend Nachdruck. Glücklicherweise, so Dortmunds Oberbürgermeister, habe der Dortmunder Tatort aber noch keine Auswirkungen auf die Attraktivität der Stadt Dortmund auf Neubürger - die Bevölkerungszahl steige weiterhin.

Update, 14. November 2019: Inzwischen hat sich Sierau auf ein Bier mit Tatort-Komissar Jörg Hartmann getroffen - und dabei neue Ideen entwickelt.