Thyssenkrupp fusioniert mit dem indischen Stahlkonzern Tata. Dadurch könnten auch in Dortmund viele Jobs wegfallen. 

Der Essener Industriekonzern Thyssenkrupp will mit seinem indischen Konkurrenten Tata gegen massive Proteste einen neuen europäischen Stahlgiganten schaffen. Nach mehr als einjährigen Verhandlungen einigten sich beide Unternehmen grundsätzlich auf die Fusion ihrer europäischen Stahlsparten.

Bei beiden Konzernen sollen je 2.000 Stellen wegfallen und insgesamt 400 bis 600 Millionen Euro Synergien entstehen. Ihren Sitz soll die neue Gesellschaft in den Niederlanden haben. Der endgültige Vertrag soll Anfang 2018 unterzeichnet werden, wie Thyssenkrupp am Mittwoch (20. September) in Essen mitteilte. Die Kontrollgremien der beiden Unternehmen müssen den Plänen noch zustimmen.

Der Betriebsrat der Thyssenkrupp-Stahlsparte sprach von einer falschen Entscheidung. „Der Vorstand hat gegen alle Warnungen alles auf eine Karte gesetzt. Das bedeutet nicht, dass wir das gutheißen“, sagte der Betriebsratschef der Stahlsparte, Günter Back, der Deutschen Presse-Agentur. Ziel müsse es nun sein, „das Schlimmste“ zu vermeiden. Back zeigte sich überzeugt, dass es bei einer Fusion nicht bei dem angekündigten Abbau von rund 2.000 Stellen bei Thyssenkrupp in Deutschland bleiben werde. Am Ende würden einem Zusammenschluss „wesentlich mehr“ Arbeitsplätze zum Opfer fallen, meinte er.

Unklar wie viele Mitarbeiter in Dortmund betroffen sind

Wie viele Mitarbeiter in Dortmund betroffen sind, ist momentan noch nicht klar. „Dazu können wir leider noch gar nichts sagen, da wir noch keine Fakten vom Unternehmen bekommen haben“, sagt Mike Schürg, Pressesprecher der IG Metall.

Auch Nicole Röttger, Pressesprecherin von Thyssenkruppt stellt klar: „Das ist noch zu früh, um etwas dazu zu sagen.“ Bis gestern waren die beiden Firmen schließlich noch Konkurrenten. Jetzt werde gegenseitig in die Bücher geguckt und ein Datenaustausch werde stattfinden. Der soll voraussichtlich bis Anfang 2018 abgeschlossen werden. Es sei ein „langer Prozess“. Erst nach diesem könne gesagt werden, an welchem Standort wie viele Mitarbeiter vom Stellenabbau betroffen sein werden.

Poschmann fordert Standortgarantie für Dortmund

„Das Joint-Venture zwischen Thyssenkrupp und Tata Steel darf nicht zu einer Gefahr für die einzelnen Stahlstandorte in NRW werden“, kommentiert die Dortmunder Bundestagsabgeordnete Sabine Poschmann (SPD) die Pläne beider Stahlkonzerne. Desweiteren warnt sie davor, im weiteren Verlauf der Verhandlungen einzelne Werke in NRW gegeneinander auszuspielen. Der Standort auf der Dortmunder Westfalenhütte mit 1.350 Beschäftigten sei voll ausgelastet und hocheffizient. „Eine Standortgarantie von Thyssenkrupp würde den Arbeitnehmern einen großen Teil ihrer Sorgen nehmen“, sagt Poschmann mit Blick auf die Ankündigung von Thyssenkrupp, ab 2020 das „gesamte Produktionsnetzwerk“ überprüfen zu wollen.

ARCHIV - Ein Stahlarbeiter steht am Hochofen Schwelgern 1 bei ThyssenKrupp am 21.05.2015 in Duisburg (Nordrhein-Westfalen). Lange haben Thyssenkrupp und Tata verhandelt, nun gibt es eine Absichtserklärung: die Konzerne wollen ihre europäischen Stahlsparten zusammenlegen. Hintergrund sind Überkapazitäten in der Branche. Die Arbeitnehmervertreter kündigen Proteste an. Foto: Roland Weihrauch/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
Ein Stahlarbeiter steht am Hochofen Schwelgern 1 bei ThyssenKrupp am 21.05.2015 in Duisburg. Lange haben Thyssenkrupp und Tata verhandelt, nun gibt es eine Absichtserklärung: die Konzerne wollen ihre europäischen Stahlsparten zusammenlegen. Foto: Roland Weihrauch/dpa

Die Krupp-Stiftung als wichtige Großaktionärin begrüßte das Vorhaben. Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger stellte durch die Fusion eine „nachhaltige Zukunftsperspektive“ in Aussicht. Mit dem Zusammenschluss seien beide Unternehmen „weitaus besser aufgestellt, um den strukturellen Herausforderungen von Europas Stahlindustrie zu begegnen“.

Protestkundgebung am Freitag in Bochum

Thyssenkrupp und Tata beabsichtigen je 50 Prozent der Anteile an dem neuen Gemeinschaftsunternehmen zu halten. Nach dem Zusammenschluss kommt das Unternehmen auf rund 48.000 Mitarbeiter – wovon 27.000 von Thyssenkrupp kommen.

Die Arbeitnehmervertreter haben für diesen Freitag (22. September) zu einer Protestkundgebung in Bochum aufgerufen, zu der mindestens 5.000 Stahlkocher erwartet werden. Die Arbeitnehmervertreter hatten zudem angekündigt, bei einer möglichen Abstimmung im Aufsichtsrat geschlossen gegen eine Fusion stimmen zu wollen. Ein solches Votum wäre ein Novum in der Konzerngeschichte.

Mit Material von dpa