Armut

500 Menschen stehen auf Warteliste der Dortmunder Tafel – Essen wird knapper

Die Dortmunder Tafel ist Ankerpunkt für viele Arme der Stadt. Die gemeinnützige Einrichtung ist überlastet. Doch es gibt Hoffnung.

Dortmund – Mitten in der Nordstadt befindet sich Dortmunds größte Tafel. Es ist einer von acht Standorten, die über die Stadt verteilt sind. Rund 4000 Menschen kommen jede Woche hier her, um für einen symbolischen Euro etwas zu essen zu kaufen.

EinrichtungTafel Dortmund
Adresse ZentraleOsterlandwehr 31-35, 44145 Dortmund
Telefonnummer0231 477 324 0

Lange Schlange bildet sich bereits um 11 Uhr an der Tafel Dortmund

Es ist 11 Uhr und es hat sich bereits eine lange Schlange vor den Toren der Tafel an der Osterlandwehr 31 - 35 gebildet. Die Menschen sind angewiesen auf die Hilfe der gemeinnützigen Organisation.

Doch genau das sieht Tafel-Vorstandsmitglied Dr. Wilhelm Grote als Problem. Im Gespräch mit RUHR24 sagt er, er halte die Notwendigkeit der Tafel für Staatsversagen. Grote und die zweite Vorsitzende Regina Grabe meinen, der Staat müsse Altersarmut sowie Hunger verhindern (mehr News aus NRW bei RUHR24).

Die Tafel Dortmund kämpft für soziale Gerechtigkeit und Unabhängigkeit

Um nicht abhängig vom Staat zu sein, wolle die Tafel möglichst alles aus eigener Kraft stemmen. Es bestehe zwar Kontakt zur Politik auf Kommunal- und Landesebene, an ihren Prinzipien halte die Tafel aber trotzdem fest: Ihr Ziel sei es, irgendwann nicht mehr notwendig zu sein.

Regina Grabe und Dr. Wilhelm Grote gehören zum Vorstand der Dortmunder Tafel.

Doch um das zu erreichen, muss sich die Organisation gegen allerlei Widrigkeiten zur Wehr setzen. So hat die Corona-Pandemie seit 2020 der Gemeinschaft so richtig zugesetzt. Von den über 400 Ehrenamtlichen – darunter 2 Euro-Jobber oder Bufdis – sind nur noch etwa 270 übrig geblieben, erzählen Grote und Grabe.

Viele Mitarbeiter der Dortmunder Tafel haben ein hohes Alter

Das hänge unter anderem damit zusammen, dass viele Mitarbeiter bereits ein hohes Alter erreicht hätten. Die Tafel sei daher immer auf der Suche nach neuen Arbeitskräften – erst Recht nach der Corona-Erfahrung.

Was die Finanzen betrifft, scheint es bei der Dortmunder Tafel noch zu stimmen. Die Solidarität vieler Spender sei noch vorhanden. Ohne diese Spenden wäre die Dortmunder Tafel nicht denkbar.

Die Tafel Dortmund ist maßlos überfordert

Doch nicht nur die Mitarbeiter der Dortmunder Tafel haben im Schnitt ein fortgeschrittenes Alter. Auch ein Viertel der Kunden sind Senioren, meist Frauen, die ihren Lebensabend nicht mehr ohne Hilfe der Tafel bestreiten können.

Der Ukraine-Krieg hat den Run auf die Tafel in Dortmund jüngst sogar noch verstärkt. Zudem habe die Inflation ihr Übriges getan, weshalb es für immer mehr Gäste bei der Tafel nicht unbedingt mehr Essen gäbe.

Auf der Warteliste der Dortmunder Tafel stehen 500 Menschen

Inzwischen gibt es eine Warteliste von circa 500 Menschen, die darauf warten, Leistungen der Dortmunder Tafel in Anspruch nehmen zu können. Doch wie einige Lagerarbeiter gegenüber RUHR24 erzählen, werde die Menge an zugestelltem Essen bei der Tafel weniger.

Ursprünglich habe es immer wieder spontane Aktionen gegeben, um Ukrainern abseits der Tafel zu helfen. Inzwischen müssen viele Ukrainer den bitteren Weg zur Tafel antreten – und sorgen dadurch für noch mehr Andrang.

Die Tafel Dortmund entwickelt sich auch in Krisenzeiten weiter

Doch es gibt auch positive Nachrichten von der Dortmunder Tafel. Um dem Andrang Herr zu werden, hat die Tafel ein neues, 416 Quadratmeter großes Grundstück gekauft – direkt neben der Zentrale in der Nordstadt.

Noch ist dort nicht viel mehr als Erde, ein paar Baumaterialien und ein Bagger zu sehen. Aber schon bald soll dort eine neue Einfahrt, für den großen LKW entstehen.

Das neue Grundstück der Tafel in der Dortmunder Nordstadt.

Damit die Kinder der Tafel-Kunden nicht das Gefühl bekommen, die Tafel wäre Normalität, sollen sie während der Essens-Abholung der Eltern in der benachbarten „Panorama Villa“ am Borsigplatz spielen.

Dort werden die Kinder in einer friedlichen Umgebung betreut. Meistens von Abiturienten oder Studenten, aber auch von drei pensionierten Lehrerinnen. Drinnen fühlt es sich fast so an, wie in einem normalen Kindergarten.

In der „Panorama Villa“ dürfen Kinder der Kunden der Dortmunder Tafel spielen.

Zudem bietet die Dortmunder Tafel mit dem „Panorama Haus“ in der Haydnstraße viele Kinderprojekte. Neben der ständigen Hausaufgabenhilfe wird aktuell vor allem an digitalen Projekten gearbeitet. Von Oleg Goldshteyn

Rubriklistenbild: © Oleg Goldshteyn/Ruhr24

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