Streitpunkt Faßstraße: Hörde geht auf die Barrikaden

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Die Faßstraße in Hörde. Foto: Pia Lisa Kienel/RUHR24

Dortmund/NRW - Die Faßstraße in Hörde soll umgebaut werden. Die Stadt hat über mehrere Monate einen Verkehrsversuch simuliert, um vorab die Wirkung zu ermitteln.

Die Faßstraße in Hörde soll umgebaut werden. Das würde vier Millionen Euro kosten und zwei Jahre lang dauern. Deshalb hat die Stadt über mehrere Monate einen Verkehrsversuch simuliert, um vorab die Wirkung der Maßnahmen zu ermitteln. Die Ergebnisse sorgen nun für Ärger.

Dortmund - Zur besseren städtebaulichen Integration und Verknüpfung des Hörder Zentrums mit dem Phoenix See soll die Faßstraße in Hörde verkehrlich umgestaltet und aufgewertet werden - so lautet zumindest der Plan.

Die Faßstraße ist eine der Hauptverkehrsstraßen in Dortmund und weist bislang einige Mängel auf. So gibt es zu wenig Parkplätze, die Straße wird zu schnell befahren, es gibt keine eigenständigen Radwege und wirklich schön ist sie auch nicht. All das soll sich nun ändern.

Winfried Sagolla vom Stadtplanungs- und Bauordnungsamt erklärte am Donnerstagabend in Hörde: "Es sollen 34 neue Bäume gepflanzt werden. Zudem soll es zwei überbreite Fahrstreifen geben, sodass quasi eine Vierstreifigkeit gegeben ist."

Versuch läuft seit Ende Mai

Das Ingenieurbüro Stolz aus Neuss wurde damit beauftragt, sowohl im Vorfeld als auch während des Verkehrsversuchs umfangreiche Zählungen, Messungen und Beobachtungen des Verkehrsgeschehens durchzuführen. Seit Ende Mai 2016 läuft der Versuch nun.

Dazu wurden unter anderem Videokameras installiert, um den Verkehrsfluss zu beobachten. Das Ergebnis: Knapp 33.000 Autos nutzen die Faßstraße pro Tag. Zudem hätten Teams die Straße über mehrere Stunden lang immer wieder befahren, um zu gucken, ob sich durch die Maßnahmen an der Reisezeit etwas verändert.

Vor dem Versuch hätten die Autos im Schnitt 90 Sekunden gebraucht, seit Mai nicht ganz zwei Minuten. Heißt: Seit der Versuch gestartet ist, hat sich die Zeit verlängert, um die Straße zu befahren - und zwar um knapp 30 Sekunden.

Lage hat sich "zugespitzt"

Der Grund für die Veränderung: Auf einem Mittelabschnitt, einer Strecke von ca. 300 Metern, werden die jeweiligen Richtungsfahrbahnen auf 4,75 Meter Breite reduziert. Zwei PKW können noch nebeneinander fahren - allerdings bei reduzierter Geschwindigkeit.

Was die Verantwortlichen als halbwegs gelungene Probe vor dem Umbau sehen, kommt bei den Anwohnern jedoch gar nicht so gut an. "Ich wohne seit einem Jahr hier", sagt Doktor Uwe Striegler. Seit ein paar Monaten habe sich die Lage vor seiner Haustür allerdings "extrem zugespitzt".

Besonders zur Rush-Hour sei die Verkehrssituation eine "Katastrophe" und die Straßen nahezu verstopft. "Wenn sie aus der Stadt kommen, ist die Straße zunächst vierspurig. Dann wird sie auf einmal zweispurig - das merkt man natürlich".

"Das ist lebensgefährlich"

Dass die Fahrzeuge auf dem übergroßen Fahrstreifen versetzt fahren, um die Zweispurigkeit zu erhalten, klappt nur bedingt. "Es muss nur mal ein LKW kommen, der nimmt die gesamte Straße ein." Zudem würden viele Autofahrer auf den Radweg neben der Fahrbahn ausweichen. "Das ist lebensgefährlich", mahnt Striegler.

Der Meinung sind auch viele andere Anwohner aus Hörde, die sich den Plänen der Stadt gegenüber bei der Bürgerinformation am Donnerstagabend äußerst kritisch äußerten. Viele haben Angst um die eigene Sicherheit - und natürlich die ihrer Kinder.

Dass die Straße sicherer wird, dafür sollte unter anderem die Reduzierung des Tempolimits von 50 auf 30 Kilometer pro Stunde sorgen. "Kaum jemand hält sich daran", sagt der Anwohner. Die Polizei führe zwar manchmal Tempokontrollen durch, doch das seien viel zu wenig. "Dabei befindet sich direkt an der Faßstraße eine Polizeistation."

Sollte sich die Stadt für den Umbau entscheiden, würde das nicht nur vier Millionen Euro kosten, sondern auch zwei Jahre dauern. "Man mag sich kaum ausmalen, was dann hier los ist, wenn es durch die Baustelle wirklich nur noch einen Fahrstreifen geben könnte", sagt der 67-Jährige.

Der Umbau der Faßstraße war ursprünglich für Oktober 2017 vorgesehen, bis es so weit ist, soll auch der Versuch weiter geführt werden. Ob sich bis zum Baubeginn an den Plänen der Stadt noch etwas ändert, bleibt abzuwarten.