Streik bei "Tedi" in Wickede: Lagerarbeiter fordern Tarifvertrag

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Dortmund/NRW - Lagermitarbeiter der DLG, einer Tochterfirma von "Tedi", haben am Montag für bessere Arbeitsbedingungen gekämpft. Der Streik führte zu Beeinträchtigungen.

Einen Tarifvertrag mit mehr Lohn sowie Zuschüsse für Mehr- und Nachtarbeit: Die Lagermitarbeiter der Dortmunder Logistik GmbH, einer Tochterfirma von "Tedi" mit Hauptsitz in Dortmund, kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen. Laut dem Unternehmen habe es bereits erste Gespräche gegeben.

Seit 4 Uhr in der Früh hat die Gewerkschaft Verdi am Montag zum Streik aufgerufen. Rund 50 Mitarbeiter folgten bis zum späten Mittag diesem Aufruf. Sie fordern die Aufnahme in den Tarifvertrag des Groß- und Außenhandels. "Die Kollegen wollen Tarifbindung und mehr Sicherheit haben", sagt Gewerkschaftssekretär Ortwin Auner. "Da der Arbeitgeber nicht mit uns reden möchte, bleibt nur der Arbeitskampf." Nach Angaben von Verdi fordern zahlreiche der insgesamt rund 250 Mitarbeiter die Aufnahme in den Tarifvertrag sowie Anerkennung für ihre Arbeit.

Die Mitarbeiter kümmern sich um die Waren, die unter anderem auch in rund einem Dutzend Filialen in Dortmund angeboten werden. Dazu gehören Dekoartikel sowie Spielzeug und Haushaltswaren im unteren Preissegment. Zuletzt war das Unternehmen mit einer Umstrukturierung im vergangenen Jahr in die Schlagzeilen geraten.

Zuletzt hatte die Gewerkschaft im Sommer zur Arbeitsniederlegung aufgerufen. Wie damals konnte auch jetzt nur eingeschränkt auf oder vor dem Firmengelände gestreikt werden. Gegen Protest auf dem Firmengelände hat der Sicherheitsdienst der Firma etwas, Mitarbeiter auf der viel befahrenen Straße oder den Schienen sieht die Polizei nicht gerne. So bleibt nur eine Streikwache mit wenigen Personen und einigen Fahnen vor dem Haupteingang.

Was bringt ein Tarifvertrag?

Im Vergleich zu einem Einzelarbeitsvertrag regelt ein Tarifvertrag die Bedingungen der Anstellung für eine Gruppe an Arbeitnehmern. Dazu zählen etwa die vereinbarte Arbeitszeit, Gehälter und Löhne sowie Zuschläge für Mehr- oder Nachtarbeit. Im aktuellen Tarifvertrag des Groß- und Außenhandels stiegen laut der Gewerkschaft Verdi etwa die Löhne und Gehälter für insgesamt mehr als 400.000 Arbeitnehmer in NRW um 2,5 Prozent. Eine weitere Erhöhung soll zum 1. Mai 2018 erfolgen. Zudem verhandeln die Tarifpartner, also die Unternehmen und die Gewerkschaften, auf Augenhöhe, ohne dass sich der Staat einmischen muss (sogenannte Tarifautonomie).

Der Rest der streikenden Mitarbeiter wartet bei Schnittchen und Getränken im Vereinsheim eines nahen Kleingartenvereins auf eine Reaktion der Geschäftsführung. Dass es zeitnah eine Einigung zwischen Gewerkschaft, Mitarbeitern und dem Unternehmen gibt, glaubt Auner hingegen nicht. "Die Angst dabei ist, dass es nicht um ein finanzielles Volumen, sondern um eine Prinzipienentscheidung geht", sagt er.

"Leichte Beeinträchtigungen" bei der DLG

Die DLG teilt auf Anfrage mit, dass Streiks aus ihrer Sicht nicht hilfreich seien, um die Parteien an den Verhandlungstisch zu bekommen. Die Mitarbeiter profitieren nicht von Arbeitsniederlegungen, sondern von konstruktiven Gesprächen zwischen unserer Geschäftsführung und dem Betriebsrat", schreibt ein Unternehmenssprecher.

Mit dem Betriebsrat, der seit rund eineinhalb Jahren besteht, stehe man aber "in regem und vertrauensvollem Austausch". Erste konstruktive Gespräche habe es in den vergangenen Monaten bereits gegeben, um "innerbetriebliche Lösungen zu verschiedenen betrieblichen Aspekten zu finden". Der Streik bei der DLG führt nach Angaben des Unternehmens zu leichten Beeinträchtigungen. Die Versorgung der Filialen sei aber gewährleistet.

"Die Mitarbeiter sind tough"

Sollte es einen Tarifvertrag geben, würde sich das nicht bei jedem Angestellten auch im Portemonnaie bemerkbar machen, sagt Auner: "Es gibt Menschen, bei denen sich nichts ändern würde. Andere würden aber stark profitieren." Dabei habe es bereits kurz vor dem jüngsten Streik im Sommer eine Lohnerhöhung gegeben. Zwischen 200 und 300 Euro mehr habe die DLG den Lagerarbeitern gezahlt.

Damit würden laut Auner aber nur die Inflation und die steigenden Lebenshaltungskosten ausgeglichen. "Die Mitarbeiter hier sind tough. Die sagen: Das reicht uns nicht!" Gespräche seien bisher nur vereinzelt geführt worden. "Jetzt müssen sie in die Verhandlung gehen", fordert Auner von den Verantwortlichen. Er kündigte an, dass der Arbeitskampf weitergehen werde, bis eine Tarifeinigung erzielt sei. Ob das auch am folgenden Tag der Fall sein wird, ließ er offen.

Tedi und die DLG

Die Discounterkette Tedi hat nach eigenen Angaben rund 1500 Filialen in sechs europäischen Ländern und beschäftigt 11.500 Mitarbeiter. Gegründet wurde das Unternehmen 2004. Tedi und die DLG teilen sich zwar nicht den Namen, haben jedoch beide ihren Hauptsitz am Brackeler Hellweg in Wickede. 2016 wurde die Lagersparte in Dortmunder Logistik GmbH umbenannt.