Siegfried Borchardt

Dortmund: Neonazis setzen nach Beerdigung von „SS-Siggi“ kurioses Kopfgeld aus

Der Neonazi Siegfried Borchardt ist am Freitag in Dortmund beerdigt worden. Teilnehmer aus ganz Deutschland reisten an.

Update, Freitag (21. Januar), 15.15 Uhr: Dortmund – Nach der Beerdigung von Siegfried Borchardt auf dem Hauptfriedhof in Dortmund befürchten die Rechten offenbar, dass das Grab des bekannten Neonazis geschändet werden könnte. Daher haben die Rechtsextremen in der Telegram-Gruppe der Kleinstpartei „Die Rechte“ nun ein Kopfgeld ausgesetzt.

Dortmund: Neonazis setzen nach Beerdigung von „SS-Siggi“ Kopfgeld aus

Demnach befürchten die Rechten, dass Linksextreme das Grab von Siegfried Borchardt beschädigen könnten. Direkt nach der Beerdigung soll daher gewissermaßen Wache gehalten werden. Für „ergriffene Täter“ versprechen die Neonazis gar ein Kopfgeld von 1.000 Euro. Hinweise auf solche Pläne gibt es aktuell nicht, wenn die Linken auch unmissverständliche Plakate an der Zufahrt zum Parkplatz aufgehängt hatten.

Unter anderem die Stadt Dortmund befürchtet nun, dass das Grab des über die Stadtgrenze hinweg bekannten Neonazis zu einer Pilgerstätte für Rechtsextreme aus ganz Deutschland werden könnte. Sie hatte die Beisetzung von „SS-Siggi“ in einem Wahlgrab auf dem Hauptfriedhof daher zunächst abgelehnt, musste sich vor Gericht jedoch dem Wunsch beugen.

Dortmund: Beerdigung des Neonazis Siegfried Borchardt mit 265 Trauergästen

Update, Freitag (21. Januar), 12.30 Uhr: Der in ganz Deutschland bekannte Neonazi Siegfried Borchardt, genannt „SS Siggi“, ist auf dem Hauptfriedhof von Dortmund begraben worden. Begleitet wurde die Beisetzung des ehemaligen Ratsmitglieds der Partei „Die Rechte“ von einem größeren Polizeiaufgebot. Die Bestattung sei überwiegend ruhig verlaufen, berichtet ein Reporter der Ruhr Nachrichten (RN).

Demnach seien laut Polizei 265 Trauergäste zur Trauerfeier auf den Dortmunder Hauptfriedhof gekommen. Auf dem Parkplatz seien laut RN viele auswärtige Kennzeichen aus ganz Deutschland zu sehen gewesen. Die Polizei indes sicherte nicht nur den Hauptfriedhof, sondern auch den Eingang zum jüdischen Friedhof.

Siegfried Borchardt in Dortmund beerdigt – Polizei spricht von „keinen besonderen Vorkommnissen“

Die Beerdigung des ehemaligen Straftäters blieb ohne Störung politischer Gegner. Von der Polizei Dortmund hieß es kurz nach Ende der Veranstaltung: „Bislang kam es im Umfeld dieser Beisetzung aus polizeilicher Sicht zu keinen besonderen Vorkommnissen.“

Allerdings berichten Reporter vor Ort, sie seien von abreisenden Gästen der Trauerfeier mit Scheibenwischerwasser bespritzt und mit dem Mittelfinger beleidigt worden. Zudem seien Reporter aus einem Auto heraus mit dem Spruch „nur Juden“ bedacht worden.

„SS Siggi“: Beerdigung in Dortmund wird von der Polizei begleitet

Erstmeldung, Donnerstag (20. Januar), 20 Uhr: Dortmund – Bevor der stadtbekannte Neonazi Siegfried Borchardt in Dortmund seine letzte Ruhe findet, könnte er ein letztes Mal für Unruhe sorgen. Denn zur Beisetzung von „SS-Siggi“ am Freitag erwartet die Polizei viele Teilnehmer aus der rechtsextremen Szene. Einen Bereich wollen die Beamten jedoch besonders schützen.

Dortmund: Neonazi Siegfried „SS-Siggi“ Borchardt wird am Freitag beerdigt

Siegfried Borchardt soll am Freitagvormittag (21. Januar) auf dem Hauptfriedhof in Dortmund beigesetzt werden. Die parkähnliche Anlage in Brackel ist einer der größten Friedhöfe in Deutschland. Das macht die Lage für die Polizei nicht besser, die bereits einen „unübersichtlichen Tag“ erwartet. Bereits zu einem Trauermarsch Ende Oktober waren hunderte Neonazis nach Dortmund gekommen.

Besonders pikant jedoch: Auf dem Gelände des Hauptfriedhofs befindet sich seit 1921 auch der jüdische Friedhof. Darauf weist die Beratungsstelle für Opfer von Antisemitismus (ADIRA) in Dortmund auf Twitter hin. Die Stadt Dortmund schreibt zur historischen Bedeutung in einem Flyer: „Einige Steine mit hebräischer Inschrift sind besonders alt und stammen vom ehemaligen jüdischen Friedhof in Dorstfeld."

Beerdigung von Neonazi Siegfried Borchardt in Dortmund: Polizei will jüdischen Friedhof schützen

Von der Polizei fordert die Beratungsstelle, diesen Bereich „konsequent zu schützen“. Die Polizei bereitet sich bereits länger auf die Beisetzung von Siegfried Borchardt vor und antwortet knapp, dass ihnen die Veranstaltung bekannt sei. Und weiter: „Wir sind mit unseren Einsatzkräften vor Ort und werden gerade auch diesen sensiblen Teil des Friedhofs schützen.“

Gegenüber RUHR24 sagte ein Sprecher der Polizei am Donnerstag (20. Januar): „Wir werden alles dafür tun, dass es nicht zu Provokationen kommt.“ Auch das Ordnungsamt der Stadt ist vor Ort. Bei der Beisetzung am Freitag gelten die 3G-Regeln der Coronaschutzverordnung.

Vor der Beerdigung des mehrfach vorbestraften Neonazis aus Dortmund gab es Streit darüber, wo seine Überreste nach der Einäscherung überhaupt beigesetzt werden sollen. Jetzt wird befürchtet, dass seine letzte Ruhestätte in Dortmund zu einem Wallfahrtsort der Rechtsextremen werden könnte. Siegfried Borchardt war Anfang Oktober 2021 mit 67 Jahren in Dortmund gestorben.

Rubriklistenbild: © Roland Weihrauch/dpa, Patrik Stollarz/AFP; Collage: RUHR24

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