Coffee-to-go-Bechern aus Pappe und Plastik wird in Dortmund der Kampf angesagt. Neben der eigenen Tasse aus Porzellan konkurriert nun auch ein Pfandsystem mit Plastikbechern um die Gunst der Kaffeetrinker.

In Dortmund landen am Tag Hunderte Kaffeebecher im Müll. Das ließe sich vermeiden, finden die Grünen in Dortmund. Sie haben nun die Stadtverwaltung aufgefordert, ein einheitliches Pfandsystem für Coffee-to-go-Becher einzuführen. Freiburg gilt als Vorreiter für dieses umweltfreundliche System, in Berlin und Hamburg hat es sich ebenfalls durchgesetzt.

Wer sich auf dem Weg zur Arbeit oder zwischendurch einen Schuss Koffein gönnen möchte, der hat bisher nur zwei Möglichkeiten: Er bringt sich selbst eine Tasse oder einen Becher aus Plastik, Porzellan oder Bambus mit. Oder er nimmt den mit Plastik beschichteten Pappbecher vor Ort. Der hält im Schnitt 15 Minuten und landet dann – im besten Fall – im Müll, heißt es von der Deutschen Umwelthilfe.

Wie hoch die Belastung in Dortmund ist, können die Entsorgungsbetriebe der Stadt (EDG) zwar nicht beziffern. “Ein flächendeckendes Pfandsystem begrüßen wir grundsätzlich natürlich”, teilt eine Sprecherin der EDG auf Anfrage aber mit.

Größtes Problem: die Hygiene

Die Wegwerfbecher seien für die Cafés und Bäckereien aber hygienischer, heißt es oft. Das sieht auch Thomas Vorwerk so. Er verkauft an vier Standorten in Dortmund Backwaren und Kaffee. Mitgebrachte Becher sind für ihn ein zweischneidiges Schwert: „Das Problem ist der hygienische Hintergrund“, sagt der Geschäftsführer. Andere Kunden könnten sich daran stören, dass jemand seinen Becher über die Theke reicht. Außerdem seien besonders die Deckel nur schwer zu reinigen.

Der Pfandbecher: Zusammen mit den Dortmunder Grünen stellte Andrea Keßler das System auf dem Hansamarkt vor. Foto: Florian Forth/Dortmund24

Eine feste Regelung dazu, ob die Mitarbeiter den mitgebrachten Becher der Kunden hinter der Theke auffüllen dürfen, gibt es nicht. Jeder Inhaber muss die Hygienegefahren, die dabei entstehen könnten, selbst einschätzen – je nach dem ob er leicht verderbliche Waren verkauft oder nur Brötchen. Eine Grauzone. Doch was müsste passieren, damit auch Vorwerk von den Pappbechern umsteigt? „Es müsste schon ein Pfandsystem sein“, sagt Vorwerk – am besten inklusive Deckel. Das passende gefunden habe er aber noch nicht.

Möglichst viele Mitstreiter gesucht

Vielleicht passt ja das von Andrea Keßler, Geschäftsführerin von Pour Coffee. Sie bietet seit wenigen Wochen Becher in drei Größen von 0,2 bis 0,4 Liter. Stände, Cafés und Bäckereien bekommen gegen eine geringe Mitgliedsgebühr saubere Becher geliefert. Der Käufer zahlt seinen Kaffee und ein Pfand: „Das kostet den Kunden einen Euro, den er zurückbekommt“, sagt Keßler. Zurückgeben könnte man den Becher dann an jedem Stand, der die Becher ebenfalls anbietet. Sie können rund 400 Mal gespült werden. Dann werden sie recycelt.

Pfandbecher Kaffee Dortmund
Pfandsystem statt Wegwerfbecher: So sieht der Pfandbecher aus. Foto: Florian Forth/Dortmund24

Die Becher sind stabil und anders als bei den meisten Pappbechern verbrennt man sich an dem heißen Getränk nicht die Finger. Zu Werbezwecken könne auch eine Pappmanschette mit aufgedrucktem Firmenlogo bestellt werden. Die Nachfrage sei bislang gut, einige Cafés in Dortmund nutzen die Becher bereits, sagt Keßler.

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Die Grünen in Dortmund unterstützen die Idee: „Es steht und fällt aber damit, dass in Dortmund viele mitmachen“, sagt Ulrich Langhorst, Sprecher der Stadtratsfraktion Dortmund. Und auch Thomas Vorwerk ist von dem neuen System nicht abgeneigt. Er will sich das System mal anschauen. „Wir gehen ja mit der Zeit“, sagt er.

Info: Wegwerfbecher
In Deutschland werden rund 320.000 Pappbecher weggeworfen – pro Stunde. Das macht im Jahr rund 2,8 Milliarden Kaffeebecher, die nicht recycelt werden können. Das liegt an der Plastikbeschichtung, die in den Bechern angebracht ist. Sie lässt sich nicht von der Pappe trennen.