Krankschreiben lassen und die zusätzliche Freizeit genießen? Das solltet ihr euch lieber zweimal überlegen! Denn immer mehr Chefs kontrollieren, ob krankgemeldete Mitarbeiter während ihrer Abwesenheit in den sozialen Netzwerken aktiv sind.

Dortmund – Somit lassen sich Schwänzer leichter erwischen, das berichtet das Karrierenetzwerk „Careerbuilder“ unter Berufung auf eine neue Umfrage unter Chefs und Beschäftigten in den Vereinigten Staaten. Mehr als ein Drittel der befragten 2.500 Personalchefs gab an, dass sie mit ihren Analysen in den sozialen Netzwerken bereits Mitarbeiter überführt hätten.

Und das blieb für einige nicht ohne Folgen: 27 Prozent der Erwischten wurden sogar entlassen. 55 Prozent wurden immerhin zu einer Unterredung vom Chef einbestellt und mussten ihr Verhalten erklären.

Chef überprüfte Facebook

Wie sieht es in Deutschland aus? Dürfen Chefs die sozialen Netzwerke der Mitarbeiter überprüfen, wenn sie den Verdacht haben, dass die Person gar nicht krank ist? Ja!

Für Schlagzeilen sorgte vor Jahren der Fall seiner Auszubildenden: Auf Facebook postete sie den Beitrag „Ab zum Arzt und dann Koffer packen!“. Ihrem Chef legte sie eine Krankschreibung vor, flog anschließend nach Mallorca und veröffentlichte auf der Plattform Bilder von sich aus dem Urlaub.

Fristlose Kündigung

Zudem ließ ihr Profil darauf schließen, dass sie während der angeblichen Arbeitsunfähigkeit nicht nur im Urlaub war, sondern zudem eine Disco besuchte und sich tätowieren ließ.

Die Geschichte landete vor dem Düsseldorfer Arbeitsgericht (Az. 7 Ca 2591/11) und endete mit einer fristlosen Kündigung für die Auszubildende.

Einen ähnlichen Fall gab es auch in Krefeld. Dort ließ sich ein Lagerist wegen eines Bandscheibenvorfalls krankschreiben. Ausgerechnet seine Hochzeit fiel jedoch in diesen Zeitraum. Auf Facebook veröffentlichte der Mann Bilder – auf denen er seine Frau durch die Gegend trug.

Sind die Bilder als Beweis zulässig?

Seine Chefin kündigte ihm daraufhin fristlos, da er während seiner Krankschreibung den geschädigten Rücken belastete und das nicht zur Besserung der Beschwerden beitrug. Ob der Arbeitgeber zum Nachweis der vorgetäuschten Arbeitsunfähigkeit überhaupt auf Facebook-Einträge zurückgreifen darf, kann aus Datenschutzgründen infrage gestellt werden.

Party- oder Urlaubsbilder sind jedoch als Beweismittel zulässig, wenn der Mitarbeiter diese von sich aus öffentlich auf seine Pinnwand postet. Also sollte man sich besser zweimal überlegen, ob man nicht doch lieber arbeiten gehen sollte, statt sich beim Krankfeiern erwischen zu lassen.

Grundsätzlich gilt in Deutschland: Ist ein Mitarbeiter krank und arbeitsunfähig, muss er den Arbeitgeber unverzüglich darüber informieren. Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Tage, muss zudem ein ärztliches Attest vorgelegt werden.

„Hoher Beweiswert“

Für den Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Dortmund und Lünen, Joachim Susewind, ist klar: „Wenn ein Attest ausgestellt wird, hat das erst einmal einen hohen Beweiswert.“

Er glaubt, dass eine Kontrolle der privaten Facebook-Profile in seinem Bereich bisher keine große Rolle spielt. Dennoch gibt er zu bedenken, dass „man nicht so viel persönliches postet, da Facebook als Bereich öffentlich ist und sich das sonst durchaus mal rächen“ könne. Er verlasse sich außerdem auf die Zeugnisse und nicht auf Facebook.