Weg von der „Ultima Ratio“

NRW: Corona-Studie aus Dortmund drängt auf ein Umdenken an Schulen

Schüler einer Grundschule in Dortmund
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Eine Studie der TU Dortmund zeigt, wie wichtig die schnelle Rückkehr in den Präsenzunterricht ist.

Die Schulen in NRW befinden sich nach den Osterferien zunächst eine weitere Woche im Distanzunterricht. Das ist nicht unproblematisch, wie eine neue Corona-Studie aus Dortmund zeigt.

Dortmund – Für Schüler in Nordrhein-Westfalen, die in diesem Jahr nicht ihren Abschluss machen, hieß es am Montagmorgen (12. April) einmal mehr: Laptop aufklappen statt Rucksack aufsetzen. Die Schulen in NRW sollen erst am 19. April wieder öffnen, bis dahin findet weiterhin Distanzunterricht statt.

UniverstitätTechnische Universität Dortmund (kurz: TU Dortmund)
Gründung16. Dezember 1968
Trägerschaftstaatlich
OrtDortmund

Schulen in NRW bleiben eine Woche länger zu – Studie aus Dortmund stützt Appell der Schüler

Das Schulministerium sah sich angesichts der jüngsten Entwicklung der Corona-Pandemie und zu großer Unwägbarkeiten aufgrund unzureichender Daten nach dem Osterfest zu diesem Schritt gezwungen. Zufriedenstellend ist die momentane Situation für niemanden. In einem offenen Brief an NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) machten Schüler ihrem Ärger bereits Luft.

Darin kritisierten mehrere Schülervertreter unter anderem das Festhalten an den Zentralen Abschlussprüfungen. Die unzureichende Digitalisierung der Schulen und die unterschiedliche Ausstattung der Schüler hätte dazu geführt, dass der Unterricht nicht wie in den Jahren zuvor stattfinden konnte. Der Spalt zwischen sozial starken und sozial schwachen Schülern sei immer größer geworden. Das sei unfair.

Corona-Studie der TU Dortmund: Leistungsunterschiede an den Schulen nehmen weiter zu

Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch eine neue Corona-Studie der TU Dortmund in Zusammenarbeit mit der Universität Marburg, die sich mit der Qualität von Homeschooling auseinandergesetzt hat. In einer Vorabpressemitteilung heißt es, dass sich die Situation des Distanzunterrichts im Vergleich zum ersten Lockdown zwar verbessert habe, es aber nach wie vor große Unterschiede zwischen den Schulen gebe.

Die Ergebnisse der Studie basieren auf der Befragung von über 3400 Müttern und Vätern. Der sich stark unterscheidende Distanzunterricht an Schulen in NRW und dem Rest von Deutschland führt bei den Forschern zu der Befürchtung, „dass die Leistungsunterschiede zwischen den Schülerinnen und Schülern weiter zunehmen“. Im europäischen Ausland beobachte man bereits ähnliche Entwicklungen.

Prof. Ricarda Steinmayr hat mit ihrem Team für die TU Dortmund die Studie durchgeführt.

Besonders groß seien die Unterschiede beim Distanzunterricht zwischen und Grund- und weiterführenden Schulen. Aber auch zwischen Schulen der gleichen Schulform sei die Kluft zum Teil enorm, erklärt Studienleiterin Prof. Ricarda Steinmayr von der TU Dortmund.

Schulen in NRW dicht machen? Distanzunterricht sollte laut Studie aus Dortmund „Ultima Ratio“ bleiben

„Während einige Schulen beispielsweise immer noch keinen Unterricht per Videokonferenz durchführen, findet an anderen Schulen, die über dieselben Lernplattformen verfügen, der Distanzunterricht bereits dem Stundenplan entsprechend statt.“

Ein Problem sei aber nicht nur der Unterricht selbst, sondern auch der Wegfall sozialer Kontakte. Gleiches gelte für fehlende Freizeitaktivitäten. Die Schulschließungen und die häusliche Beschulung würden für Belastung und Stress sorgen. Guter Distanzunterricht könne zwar für Entlastung sorgen, weil er sich auf positiv auf die Motivation und den Lernfortschritt auswirke und auch Druck von den Eltern nehme.

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Nichtsdestotrotz solle der Distanzunterricht als „Ultima Ratio“ betrachtet werden. Denn auch im zweiten Lockdown sei es grundsätzlich nicht gelungen, Homeschooling für alle Schüler zumindest bezogen auf die Quantität vergleichbar zu gestalten (mehr News zu Corona in Dortmund auf RUHR24).

Es sei laut Prof. Ricarda Steinmayr deshalb dringend nötig, „alle Möglichkeiten für den Präsenzunterricht während der Pandemie auszuschöpfen“. Außerdem sei es dringend erforderlich, weitere Maßnahmen zu ergreifen, um im Falle des Distanzunterrichts vergleichbare Bedingungen für alle Schüler zu schaffen.

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