Schulbetrieb geht wieder los

Coronavirus: So funktioniert der Unterricht in Dortmund - erste Schüler zurück in den Klassen

Mit Schutzmasken geht es für die Abiturienten während der Corona-Pandemie zurück in die Schule.
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Mit Schutzmasken geht es für die Abiturienten während der Corona-Pandemie zurück in die Schulen.

Nach der Zwangspause zur Eindämmung des Coronavirus, sind heute in Dortmund zunächst einige Schüler der Abschlussklassen zurück in den Klassenräumen.

  • Nach der Zwangspause durch das Coronavirus erfolgt derzeit nach und nach eine schrittweise Öffnung der Schulen in NRW.
  • In Dortmund sind einige Schüler der Abschlussjahrgänge in die Klassenräume ihrer Schulen zurückgekehrt.
  • Der Unterricht findet unter Beachtung der geltenden Hygiene- und Abstandsregeln statt.

Dortmund - Seit heute (Donnerstag, 23. April) dürfen einige Schüler wieder an ihre Schulen zurückkehren. Fast sechs Wochen nach der Schließung der Schulen in NRW wegen des Coronavirus gilt das zunächst aber nur für jene Schüler, die gerade vor einem Abschluss stehen. Doch gerade für sie ist das Angebot des nicht-digitalen Unterrichts in kleinen Gruppen wichtig.

Coronavirus: Viele Lehrer gehören zur Risikogruppe

In NRW können an manchen Schulen laut Landesregierung bis zu einem Drittel aller Lehrer derzeit nicht vor Ort unterrichten, berichtet der WDR. Sie sind zu alt oder vorerkrankt - und gehören damit zur Risikogruppe des Coronavirus. Kann trotzdem genug Lehrpersonal gefunden werden, um alle Schüler zu unterrichten? 

Noch sind erst wenige Schüler zurück. An den Gymnasien in Dortmund sind es vor allem die Abiturienten, die wieder in den Schulklassen sitzen. Doch in ganz Dortmund betrifft die Schulöffnung laut Schuldezernat rund 15.000 Schülerinnen und Schüler. Und schon am 4. Mai werden es wieder mehr Schüler, die wieder zurück in die Schule müssen. Dann gehen - solange die Infektionszahlen es zulassen - auch die vierten Klassen wieder zur Grundschule.

Video: Wegen Corona: Werden die Sommerferien verkürzt?

Coronavirus: Schulschließung für Abschlussklassen emotional belastend

"Vor allem emotional ist die Schließung der Schulen, besonders für die Abiturienten, ein Problem", erklärt Lena Müller, Lehrerin am Heisenberg-Gymnasium in Dortmund. Stofflich hätten die Schüler durch die Coronavirus-Schließung gar nicht so viel verpasst - "gerade einmal zwei Wochen Unterricht fehlen", so die Lehrerin. 

Denn vor den Abiturprüfungen starten in jedem Jahr alle Abiturienten nach den Osterferien in eine unterrichtsfreie "Lernzeit", um sich auf die Prüfungen vorzubereiten. Doch das Gefühl, nicht ausreichend auf die Abiturprüfungen vorbereitet zu sein, überwiege.

Coronavirus: Unterricht für Abiturienten freiwillig

Deshalb ist auch so wichtig, dass die Abschlussklassen ab heute wieder Unterricht in der Schule von ihren Lehrern bekommen können. Können! Denn für Abiturienten ist die Teilnahme am "echten" Unterricht freiwillig. Die digitalen Lernangebote, mit denen der Unterrichtsausfall durch das Coronavirus abgemildert werden sollte, bestehen weiterhin, so Ute Tometten, Schulleiterin an Max-Planck-Gymnasium in Dortmund.

Vorab hat die Schulleiterin abgefragt, wer von den 100 Abiturienten ihrer Schule wieder zurück in den Klassenraum kommen will. Viele, insgesamt 50 Schüler, hätten ihr "Angebot angenommen". Am Heisenberg-Gymnasium sind es sogar 100 Schüler, die nun in den Klassen sitzen. Präsenzpflicht mitten in der Coronavirus-Pandemie gilt nur für Schüler der 10er-Abschlussklassen und den Abschlussklassen an Hauptschulen, Realschulen, Förderschulen und an Berufsschulen. Abiturienten bleibt die Teilnahme am Unterricht an den Schulen freigestellt.

Ein Schüler aus Dortmund droht, seinen Abschluss zu verpassen. Der Grund: Er hat nach einer Prüfung seiner Schutzmaske während der Coronavirus-Pandemie abgenommen. 

Coronavirus: Unterricht mit Schutzmaske

In dieser Woche, erklärt die Schulleiterin, starteten zunächst Leistungskurse wieder mit dem Unterricht. Maximal 10 Schüler und eine Lehrperson dürfen sich bei dem Unterricht in einem Raum aufhalten. Allen wurde empfohlen, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Hygiene-Regeln, wie das Händewaschen, müssen außerdem konsequent eingehalten werden. Alle Schulen in Dortmund wurden dazu mit Seife und Papierhandtüchern ausgerüstet, so die Stadt Dortmund.

In Zeiten des Coronavirus findet der Unterricht in Kleingruppen statt.

Angenehmer Kleingruppenunterricht also, der jedoch vor allem von den Lehrern Flexibilität verlangt. "Ein Leistungskurs, der jetzt wieder stattfindet, umfasst zum Beispiel 14 Schüler", so Tometten. Zu viele für einen Raum, wenn man bedenkt, dass immer mindestens 1,5 Meter Abstand zwischen den Tischen bestehen muss. Der Kurs findet also in zwei Räumen statt, die Lehrerin wechselt während des Unterrichts zwischen den beiden Gruppen hin und her.

Kreative Lösungen mussten so oder so her. Am Heisenberg-Gymnasium in Dortmund wurden deshalb Schulflure zu Einbahnstraßen erklärt, berichtet Schulleiterin Ulrike Eisenberg. Lehrer regeln wie Türsteher an den Eingängen des Schulgebäudes den Einlass der Schüler. Für alle eine besondere Situation, in der die Schulleiterin aber besonders das "äußerst disziplinierte Verhalten der Schüler" hervorheben möchte.

Coronavirus verlangt Abstand zu halten: Viel Platz an Gymnasien, Enge an Berufskollegs

Am Max-Planck-Gymnasium ist genug Platz vorhanden um die Abstandsregeln einzuhalten. Gegenüber Radio 91.2 betonte Daniela Schneckenburger, Schuldezernentin in Dortmund, an den Berufskollegs sei die Abstandsregelung aber beispielsweise kaum einzuhalten: Zwei Drittel aller Schüler in Abschlussjahrgängen besuchen ein Berufskolleg in Dortmund

Trotzdem bleibt die Schuldezernentin optimistisch. "Wir sind startklar. In Dortmund sind die Voraussetzungen für die Aufnahme des Schulbetriebes am Donnerstag unter den aktuellen Bedingungen der Corona-Pandemie erfüllt. Das Land war dabei leider in den vergangenen Tagen durch unklare Kommunikation und sich widersprechende Anweisungen nicht hilfreich. Wichtig ist für uns jedoch, dass nun wieder zumindest ein Teil der Schülerinnen und Schüler - wenn auch unter erschwerten Bedingungen - am Unterricht teilnehmen kann."

Coronavirus: Ältere Lehrer unterrichten weiter digital

Am Max-Planck-Gymnasium seien jetzt sechs Lehrer vor Ort um zu unterrichten, so die Schulleiterin. Bei einem Kollegium von normalerweise 100 Personen kein Problem, auch wenn ältere oder vorerkrankte Lehrer nur für den digitalen Unterricht eingeplant werden können.

Sorgen um die Kontrolle des oft chaotischen Pausengeschehens muss sich an dem Gymnasium vorerst auch keiner machen. Denn gemeinsame Pausen finden vorerst überhaupt nicht statt. Denn, die Schüler werden in sich überlappenden Blöcken unterrichtet. Eine Begegnung auf dem Pausenhof: Kaum möglich.

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