Daniela Schneckenburger vor Schulstart

Schule und Corona: Dortmunds Schul-Dezernentin verrät wie der Unterricht nach den Ferien startet

Das neue Schuljahr in Nordrhein-Westfalen steht bevor. Auch an den 154 Schulen in Dortmund kehren die Schüler in die Klassenräume zurück.

Dortmund – Obwohl die Sieben-Tage-Inzidenz landesweit seit Tagen steigt, soll der Schulbetrieb in NRW nach den Sommerferien mit Präsenzunterricht in vollem Umfang beginnen. Kann das gut gehen? RUHR24 hat knapp zwei Wochen vor dem Schulstart mit Daniela Schneckenburger (Grüne), Schuldezernentin der Stadt Dortmund, gesprochen.

PolitikerinDaniela Schneckenburger
Geboren9. Oktober 1960 (Alter 60 Jahre), Bruchsal
ParteiBündnis 90/Die Grünen
AmtSchuldezernentin der Stadt Dortmund

Schule in NRW beginnt: Dortmund hat Luftfilter bereits „im April 2021“ abgearbeitet

Die Vorbereitungen auf die Rückkehr der Schüler in die Klassenräume haben in der größten Stadt im Ruhrgebiet nicht erst in den Ferien begonnen. Die Sorge um sichere Rahmenbedingungen treibe die Stadt schon die ganze Zeit um, erklärt Schneckenburger. Früh habe man etwa mit Blick auf den Einsatz der viel diskutierten Luftfilter an den Schulen in Dortmund gehandelt.

Bereits im April 2021 habe man Luftreinigungsgeräte in 202 Klassenräumen in Dortmund aufgestellt. Das ist die exakte Anzahl an Räumen, die den Kriterien des Robert Koch-Instituts (RKI) entsprechen und für die es deshalb auch Fördergelder gibt. „Das Thema Luftreinigungsgeräte ist in Dortmund seit April damit abgearbeitet“, sagt Schneckenburger.

Schule in Dortmund: Schneckenburger hält sich bei Luftfiltern strikt an die RKI-Vorgaben

Gefördert werden Luftreinigungsgeräte für Klassenräume der Kategorie 2. Das sind Räume, die nur schlecht zu lüften sind. Das ist etwa dann der Fall, wenn Fenster nur gekippt werden können. Für Räume der Kategorie 1, also solche, in denen eine gute Lüftung möglich ist und Fenster weit geöffnet werden können, sind Luftfilter nicht vorgesehen.

Die Stadt Dortmund will hier mit Blick auf den bevorstehenden Schulstart in NRW auch keinen eigenen Weg einschlagen – auch nicht nach dem Motto: „Doppelt hält besser“. Man richte sich dabei nach Stellungnahmen des RKI, des Umweltbundesamtes und des deutschen Städtetages. Zusätzlich habe auch die Stadt Stuttgart ein entsprechendes Gutachten anfertigen lassen.

„Sie gehen alle in dieselbe Richtung: Räume der Kategorie 2 sollen mit mobilen Luftreinigungsgeräten ausgestattet werden, Räume der Kategorie 1 nicht. Es kann keinen Grund geben, von diesen Fachempfehlungen abzuweichen, solange sie sich nicht ändern“, positioniert sich Schneckenburger gegenüber dieser Redaktion (mehr News zum Coronavirus in NRW bei RUHR24).

Schulstart in Dortmund und NRW: „Am Stoßlüften im Winter führt kein Weg vorbei“

Und was ist im Winter? Da kann das Lüften über die Fenster bei eisigen Temperaturen unangenehm werden. Wären zusätzliche Luftfilter für die Wintermonate keine Alternative? „An einer Stoßlüftung im Winter führt kein Weg vorbei. Es gibt dahingehend vonseiten des RKI keine Abweichung und das ist für uns und übrigens auch für das Gesundheitsamt der Stadt Dortmund maßgeblich.“

Offene Fenster im Winter – wie hier an der Petri-Grundschule in Dortmund – wird es auch im neuen Schuljahr geben.

Es handle sich dabei laut Schneckenburger um epidemiologische und infektiologische Einschätzungen. „Die können wir doch nicht unterschreiten“, warnt sie. Sicherheit gehe vor. Auch die Installation hochwertiger raumlufttechnischer Anlagen spiele in den Planungen der Stadt Dortmund keine Rolle. Aus einem einfachen Grund: Es würde laut Bauverwaltung fünf Jahre dauern, sie in allen 154 Schulen im Stadtgebiet einzubauen. Die Gebäude müssten dazu grundlegend umgebaut werden.

Sicherer Schulbeginn in Dortmund: Impfbereitschaft der Eltern laut Schneckenburger entscheidend

Neben Corona-Tests, Hygiene-Regeln, häufiger Reinigung und einem entzerrten Busverkehr sieht die Schuldezernentin noch zwei weitere wichtige Rahmenbedingungen: „Ich glaube, dass die Impfbereitschaft der Eltern ein ganz entscheidender Faktor für einen sicheren Schulbetrieb ist. Die Sicherheit der Grundschulen, Kitas und weiterführenden Schulen hängt wesentlich davon ab, ob es ein durch Impfungen gesichertes Umfeld der Schülerinnen und Schüler gibt.“

Wenn es gelingt, dass die Eltern sicher geimpft sind, dann haben die Schulen ein sichereres Umfeld, als das bislang der Fall war.

Daniela Schneckenburger, Schuldezernentin

Der andere wichtige Faktor sei die strikte Testung und die strikte Quarantäne bei Reiserückkehrern aus Hochrisikogebieten. Beides sei laut Schneckenburger entscheidend für die Frage, wie das neue Schuljahr in Dortmund gelingt. „Die ersten zwei Wochen im Schulbetrieb sind aus diesem Grund kritisch.“ Die Corona-Verordnung für die Einreise nach Deutschland wurde zuletzt angepasst und verlängert.

Impfungen an den Schulen: Stadt Dortmund will bei Schülern ab 16 Jahren werben

Helfen könnten auch die Impfungen der Schüler selbst. In NRW können sich Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren bereits seit Wochen nach ärztlicher Aufklärung und individueller Risikoakzeptanz impfen lassen. Auch das NRW-Gesundheitsministerium unter der Leitung von Karl-Josef Laumann (CDU) scheint Schüler zunehmend in den Blick zu nehmen.

An Berufskollegs soll es gemäß dem jüngsten Impferlass gezielte Impfangebote geben. In Dortmund arbeite man derzeit daran, den Schülern an den Berufskollegs die Impfungen zugänglich zu machen. Das müsse im Einzelnen mit den Schulleitungen verabredet werden, so Schneckenburger.

Das NRW-Gesundheitsministerium will gezielte Impfangebote an Berufskollegs machen.

Auch an anderen Schulen, die Klassen ab der 10 aufwärts führen, will die Stadt Dortmund für die Impfung bei Schülern ab 16 Jahren werben. Das Angebot richte sich aber auch an die Eltern aller anderen Schüler.

Corona in Dortmund: Kein spezielles Impf-Angebot für Schüler unter 16 Jahren – „Debatte noch offen“

Anders sieht es bei Schülern im Alter von 12 bis 16 Jahren aus. „Im Moment ist das noch eine offene Debatte zwischen Kinderärzten, Gesundheitsministern und der Stiko. Sie vertreten keine einheitliche Linie. Es steht Eltern natürlich immer frei, die Entscheidung in Rücksprache mit ihrem Kind persönlich zu treffen“, erklärt Schneckenburger das geplante Vorgehen der Stadt.

Bedenken, dass der unterschiedliche Impf-Status von Schülern zu Corona-Konflikten im Klassenraum führen kann, teilt Schneckenburger nicht. Schulleiter-, Eltern- und Lehrerverbände befürchten diese etwa, weil geimpfte Schüler von der Testpflicht befreit sind. Auch auf die Quarantäne-Regelungen könnte der Impf-Status Einfluss nehmen.

Impfung von Schülern ab 12 Jahren: Dortmunds Schuldezernentin Daniela Schneckenburger sieht kein Konfliktpotenzial.

„Ich weiß nicht, warum da Konfliktpotenzial entstehen sollte. Solange es keine Empfehlung des RKI zur Impfung von Kindern ab 12 Jahren gibt, wird es geimpfte und ungeimpfte Kinder in den Klassenzimmern geben – das ist dann eben so.“ Laut der Grünen-Politikerin dürfe es auf jeden Fall kein Downsizing der Maßnahmen geben, nur weil es bereits geimpfte Kinder in den Klassenzimmern gibt. „Wir dürfen also nicht auf das Testen verzichten.“

Schulstart: Dortmund-Schuldezernentin Schneckenburger hat klare Erwartungen an das Land NRW

Für die Steuerung der Maßnahmen erwartet Schneckenburger vom Schulministerium des Landes Nordrhein-Westfalen jetzt Daten, aus denen erkennbar wird, welchen Beitrag die Schulen tatsächlich als Orte von Corona-Infektionen leisten. „Niemand bestreitet, dass es infizierte Kinder gibt. Aber ist die Schule in der Form, in der sie jetzt arbeitet, tatsächlich der Übertragungsort?“

Gesicherte Erkenntnisse aus dem Ministerium seien hier „extrem wichtig“. Lautet die Antwortet: „Ja, Schulen sind der Ort vorrangiger Infektionen“, müssten die Maßnahmen anders aussehen, als wenn man zum gegenteiligen Ergebnis komme. Laut Schneckenburger lege die Datenlage jedoch nahe, dass Schulen nicht der Treiber der Infektionen sind. Das Freizeitverhalten in der zuletzt stark betroffenen Altersgruppe der 16- bis 20-Jährigen könne da schon eher ein Beitrag sein.

Allgemein sei die Zusammenarbeit mit der NRW-Landesregierung in Düsseldorf während der Corona-Pandemie laut Schneckenburger ausbaufähig: „Die Bewegung des Landes war langsam. Da hätte vieles schneller laufen müssen. Man hat den Eindruck, dass das Handeln zwischen den einzelnen Häusern – also MKFFI, MSB, aber auch MAGS (Familienministerium, Schulministerium und Gesundheitsministerium, Anm. d. Red) – nicht koordiniert war.“

Corona-Abstimmung: Schneckenburger vermisst Dialog zwischen Schulträgern und Ministerium

Die Dortmunder Schuldezernentin glaubt, dass ein Krisenstab auf Landesebene die Abstimmung vereinfacht hätte. So sei jedenfalls der Eindruck entstanden, dass jedes Haus für sich agiert. Zudem vermisst Schneckenburger einen direkten Dialog zwischen Schulträgern und Schulministerium. Den hätte es nur über den Städtetag vermittelt gegeben. Gerade zu Beginn des Lockdowns hätte man mit dem Einholen kommunaler Expertise viele Fehler vermeiden können.

Besonders unerfreut war Schneckenburger über eine „Spezialität des Kommunalministeriums“. Es habe diverse Situationen gegeben, in denen völlig unsinnigerweise mit dem Finger auf Schulen gezeigt wurde. Als Beispiel nennt Schneckenburger die Luftfilterdebatte zu Beginn des Jahres. Dort sei etwa unterstellt worden, die Kommunen würden die Fördergelder nicht abrufen.

Hat das Kommunalministerium zu oft mit dem Finger auf Schulen gezeigt? Das behauptet Dortmunds Schuldezernentin Daniela Schneckenburger.

Stadt Dortmund kritisiert NRW-Ministerium: „So geht man in einer Pandemie nicht miteinander um“

Dabei hätte man in Dortmund alles sofort abgerufen. „Das ist einfach nicht sachgerecht und so geht man nicht miteinander um, wenn man auf Augenhöhe miteinander eine Pandemie im Dienste der Menschen zu bewältigen hat“, so Schneckenburger.

Das ist einfach nicht sachgerecht und so geht man nicht miteinander um, wenn man auf Augenhöhe miteinander eine Pandemie im Dienste der Menschen zu bewältigen hat.

Daniela Schneckenburger, Schuldezernentin

Das neue Schuljahr begreift die Schuldezernentin als Gemeinschaftsaufgabe von Landesschulpolitik, Kommunen, aber auch von Eltern. „Auch Frau Gebauer wäre gut beraten, wenn sie nicht wieder mit dem Vorwurfsfinger auf die Kommunen zeigen würde. Die Kommunen haben ihre Hausaufgaben gemacht.“

Schule in Dortmund: Aufholen von Corona-Rückständen ist ein zweijähriges Projekt

Zur Gemeinschaftsaufgabe wird in Dortmund auch das Aufholen entstandener Lernlücken werden. Das wolle man nicht allein den Dortmunder Schulen überlassen, man verstehe sich als Stadt als Partner im Bildungsbereich. Um die Corona-Folgen gemeinsam zu bewältigen, hat das NRW-Schulministerium unter der Leitung von Yvonne Gebauer (FDP) zunächst ein zweiwöchiges „Ankommen nach den Ferien“ ausgerufen.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) will den Fokus nach Ferien nicht auf die Leistungsüberprüfung legen.

Während dieser Zeit soll nicht die Leistungsüberprüfung, sondern das Aufarbeiten der Pandemie im Vordergrund stehen. Die Stadt Dortmund will noch weitergehen. „Wir werden uns in den nächsten zwei Jahren und nicht nur in den nächsten zwei Wochen daran beteiligen, kompensatorische Angebote für Schülerinnen und Schüler aufzubauen. Das kann zum Beispiel individuelle Nachhilfe oder Gruppennachhilfe sein. Daran arbeiten wir“, kündigt Schneckenburger an.

Rubriklistenbild: © Ina Fassbender/AFP, Rolf Vennenbernd, Bernd Thissen/dpa; Collage: RUHR24

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