Rundgang über den Hauptfriedhof: Der Tod gehört zum Leben dazu

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Dortmund/NRW - Das Leben hat einen Anfang und ein Ende. Und der Tod gehört zum Leben dazu. Auf dem Dortmunder Hauptfriedhof trifft beides aufeinander.

Das Leben hat einen Anfang und ein Ende. Und der Tod gehört zum Leben dazu. Auf dem Dortmunder Hauptfriedhof trifft beides aufeinander. Wir waren bei einem Rundgang dabei.

Gut 120 Hektar ist der Hauptfriedhof groß und ist die größte Grünanlage Dortmunds. Der Westfalenpark mit seinen 65 Hektar passt also fast zweimal in den Hauptfriedhof hinein. Diese 120 Hektar teilen sich auf. Ein Drittel ist Friedhofsfläche, ein Drittel ist öffentliches Grün, da der Hauptfriedhof auch als Park genutzt wird, und ein Drittel gehört der Infrastruktur wie zum Beispiel den Wegen.

Hier, wo früher Ackerfläche war, gibt es für die Besucher heute sieben Ein- und Ausgänge. Insgesamt gab es bisher auf dem Dortmunder Hauptfriedhof gut 230.000 Bestattungen. Das kann man allerdings nicht mehr genau nachverfolgen, da einige Aufzeichnungen im Krieg verloren gegangen sind, erklärt Detlef Hartwig, Leiter des Hauptfriedhofs Dortmund.

Dortmund hat insgesamt gut 400 Hektar Friedhofsfläche und 65 konfessionelle Friedhöfe. 32 Friedhöfe sind städtisch. Der Dortmunder Hauptfriedhof gehört zu den größten Friedhöfen Deutschlands.

"Lebensgemeinschaft Friedhof" Morgens kommen die Jogger, ab neun Uhr dann die Walker, die Radfahrer fahren hier her, nachmittags ab halb vier teilen sich Hundebesitzer, Familien und Sportler das öffentliche Grün. "Der Friedhof ist eine Lebensgemeinschaft, hier gibt es ein Leben wie auf einem Dorf", meint Martin Struck, Geschäftsführer der Friedhofsgärtnergenossenschaft Dortmund. Der Friedhof diene auch als "zweiter Heiratsmarkt" für verwitwete Dortmunder.

"Man kann hier sehr gut spazieren gehen. Man hat gar nicht das Gefühl, dass man über einen Friedhof läuft. Meine Frau und ich gehen hier zweimal die Woche spazieren", gibt ein älterer Mann zu. "Promis" auf Dortmunder Hauptfriedhof Auf dem Dortmunder Hauptfriedhof gibt es auch die eine oder andere "besondere Grabstätte". Wir nennen euch beispielhaft einige davon. Natürlich gibt es aber auch darüber hinaus viele weitere sehenswerte Grabstätten und Grabmale zu entdecken.

Die Familie Mohn (Firma Mohndruck, Bertelsmann, Gütersloh) hat die Gruft mit der einzig aktiven Kellergruft, in der noch heute Beisetzungen stattfinden. Sechs Gräber befinden sich unter der Grabplatte, die nur von sechs bis acht Personen angehoben werden kann. Die Platte sollte auch verhindern, dass Leichenteile geklaut werden. Anfang der 60er-Jahre wurde wohl durch das Aufbrechen der Gruften versucht, an Leichenteile für die Forschung zu kommen.

Auch der Dortmunder Unternehmer Willi Daume hat seine Grabstätte auf dem Hauptfriedhof. "Daume war dem Sport sehr angetan und war 1972 Mitorganisator der Olympischen Spiele in München", erklärt Hertwig. "Am Ende seiner Schaffenszeit war der Gute aber arm wie eine Kirchenmaus und wurde deswegen auf der elterlichen Grabstätte bestattet. Das ist ein Stück Zeitgeschichte."

"Familie Dreier hat die meisten Immobilien in Dortmund - und die größte Grabstätte", so Hertwig. 16 Gräber gibt es hier.

Ein Stück weiter auf einem eingezäunten Stück Wiese unter Kiefern findet die Ascheverstreuung statt. "Die Asche wird hier durch die Kiefernadeln gebunden, damit sie nicht weiter verstreut wird", sagt Hertwig. Zwischen zwei und fünf Litern Asche werden aus einem Menschen. Seit 2006 gab es auf dem Dortmunder Hauptfriedhof etwa 100 Ascheverstreuungen.

Beim Thema Asche stellt sich schnell die Frage, was denn mit künstlichen Hüft- und Kniegelenken, Prothesen, Goldzähnen und Co passiert. "Die Ascheaufbereitungsanlage zieht diese Dinge raus", erklärt Hertwig. Die Metalle werden aussortiert und recycelt. Ostfriedhof erster Dortmunder Friedhof Die Planungen des Hauptfriedhofs gehen auf das Jahr 1912 zurück. Zu dieser Zeit gehörte das Gelände auf dem sich der Hauptfriedhof befindet, nicht zum Dortmunder Stadtgebiet. Und da die Friedhöfe in Dortmund erschöpft waren, sollte eine neue Friedhofsfläche erworben werden. In Dortmund wurde 1872 der Ostfriedhof als erster Friedhof eröffnet. Der Hauptfriedhof sollte als Zentralfriedhof dazukommen. Der Erste Weltkrieg kam der Planung allerdings dazwischen. 1919 begann der Bau des Hauptfriedhofs. 1920 wurden dann die ersten Gebäude wie die Trauerhalle gebaut.

Ein Jahr später, am 22. Juli 1921, erfolgte dort die erste Beisetzung. Das Grab von Wilhelmine Baecker steht bis heute unter Denkmalschutz. 16 Personen als Erdbestattung sind in dem großen Grab beerdigt worden. Als 1924 die Gebäude fertiggestellt waren, sind bereits 8.000 Menschen bestattet worden.

"Nur ein Hauch von Leben" steht ein paar Meter weiter. Hier wurden Früh- und Totgeburten bis zu 500 Gramm bestattet, die Familie finden hier einen Ort, um der toten Babys zu gedenken.

Außerdem gibt es auf dem Hauptfriedhof eine Kriegsgräberanlage. Diese Kriegsstätten haben ein ewiges Ruherecht.

Glockenturm galt früher als Landmarke Auch der ehemalige Glockenturm auf dem Hauptfriedhof steht unter Denkmalschutz. Das Geläut war bis in die 60er-Jahre in Funktion. Wenn ein Verstorbener aus der Trauerhalle betragen wurde, ging das Geläut los. Da es an manchen Tagen allerdings 12 bis 15 Trauerfeiern gab, läuteten die Glocken teilweise durchgängig von 8 bis 15 Uhr. Mit der Zeit wurden sie deswegen abgestellt.

Der Glockenturm galt früher als Dortmunder Landmarke. Heute müsste er dafür gut 60 Meter hoch sein, da die Bäume drumherum mittlerweile so hoch gewachsen sind.

Auf dem Hauptfriedhof gibt es auch einen Seniorenspielplatz mit verschiedenen Sportgeräten. "Die sind sehr beliebt", so Hertwig.

Der Tod gehört zum Leben dazu

Über dem ehemaligen Krematorium, dessen Öfen bis Anfang der 2000er aktiv waren, befindet sich jetzt die Urnenhalle, das sogenannte Kolumbarium. Hier steht Schmuckurne an Schmuckurne. Der Raum mit den Urnennischen wird auch für Urnenbeisetzungen genutzt.

Der Witz, den Friedhofsgärtner wohl täglich ihrer Frau erzählen, lautet: "Ich fahre zum Friedhof, ich komme wieder." Der Tod gehört zum Leben dazu.

Anmerkung: Wir von Dortmund24 waren mit dem Wilhelm-Hansmann-Haus am Mittwoch (16. August) bei einer Führung von Detlef Hertwig, Leiter des Hauptfriedhofs Dortmund, dabei. Hertwig arbeitet 1989 auf dem Hauptfriedhof und ist seit 2007 Betriebsleiter. Mit seinen 35 Mitarbeitern betreut Hertwig vier Friedhöfe.