RRX im Test: So fühlt sich der neue Hightech-Zug an

Probefahrt mit dem RRX, der aktuelle auf der Linie des RE11 eingesetzt wird. Foto: Daniele Giustolisi/RUHR24
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Probefahrt mit dem RRX, der aktuelle auf der Linie des RE11 eingesetzt wird. Foto: Daniele Giustolisi/RUHR24

Dortmund/NRW - Seit Sonntag fährt der neue RRX durchs Ruhrgebiet. Redakteur und Pendler Daniele Giustolisi hat den Zug getestet - und ist positiv überrascht.

Dortmund24-Redakteur Daniele Giustolisi ist Pendler und ständig mit der Bahn unterwegs. Als Dauerkritiker der Bahn zeigt er sich nach seiner ersten Fahrt mit dem RRX aber äußerst angetan - und teilt hier seine Erfahrungen mit euch.

Seit Sonntag hat NRW einen neuen Zug: den RRX. Er fährt aktuell auf der Linie des RE11 und wird von der Abellio-Bahn betrieben. Was für ein Zufall, dass das genau meine Strecke ist. Denn ich pendle täglich zwischen Bochum und Dortmund zur Arbeit.

Die Fahrt mit dem RE11 habe ich sonst immer tunlichst vermieden. Ich finde ihn ungemütlich, unbequem und häufig zu voll. Da fuhr es sich mit dem RE1 oder dem RE6 deutlich bequemer.

Seit der RRX aber auf der RE11-Linie fährt, ist er eine echte Konkurrenz zu den anderen Regionalexpressen. Mehr noch - er ist deutlich bequemer, wie ich jetzt festgestellt habe.

RXX öffnet Türen mit lautem Bimmeln

Die Fahrt startet am Dortmunder Hauptbahnhof ab Gleis 11 mit einem lauten Bimmeln. Ja, es gibt jetzt akustische Signale, wenn die Türen sich öffnen. Ein echtes Plus für hörgeschädigte Menschen - oder Eingeschlafene. Super ist auch, dass es jetzt zwischen Bahnsteigkante und Zug kein fieses Loch mehr gibt. Darüber dürften sich Kofferträger, Rollatorführer oder Kinderwagen-Schieber freuen.

Innen riecht es nach "neu". Hat was, wenn man sonst den muffig-süßlichen Geruch der alten Regionalexpresse in der Nase hat.

Irritiert bin ich über die Computerstimme, die schon in Dortmund die nächste Haltestelle ansagt. Hört sich noch ein bisschen hölzern an, aber hey, Orientierungslose wissen jetzt, welcher Halt als nächstes kommt.

Ich nehme im oberen Teil des Zuges Platz und bin erstmal begeistert. Es ist angenehm hell, nicht zu grell, es ist still. Störende Geräusche vernehme ich nicht. Der Zug gleitet ruhig durch das abendliche Ruhrgebiet.

Dann werde ich sanft in den Sitz gepresst. Der RRX scheint schnell beschleunigen zu können. Ich sitze am Fenster, neben mir sitzt niemand. Sollte mir ein potenzieller Nachbar zu nahe kommen, könnte ich theoretisch eine Armlehne zwischen uns herunterklappen.

Ach ja! Es gibt ja gratis Wlan im RRX. Ich teste das mit meinem Smartphone und bin in Sekunden online. Die Begeisterung wächst. Denn Pendler wissen: Selbst im Ruhrgebiet gibt es auf den Hauptzugstrecken Funklöcher.

Klapptische und Lampen

Mit der Zeit fühle ich mich ein bisschen an eine Reise im Flugzeug erinnert. Es gibt Klapptische und Leuchten an jedem Sitzplatz, die Luft im Zug ist fein temperiert. Über die Beinfreiheit lässt sich sicherlich streiten, aber für die Pendlerstrecken im Ruhrgebiet braucht man nicht zwingend Business-Class-Komfort.

Auch gut: Monitore zeigen in gut erkennbarer Buchstabengrößen (ja, auch Kurzsichtige können alles erkennen) die nächsten Haltestellen und die erwartete Ankunftszeit. Die Computerstimme kündigt zudem das Ganze über die Lautsprecher an - sogar die Verspätung wird genannt. Davon gibt es ja im deutschen Schienennetz genug.

Für das schnelle Geschäft schaue ich kurz auf dem WC vorbei. Sieht ein bisschen aus wie in einem Flugzeug. Und es ist - noch - sauber.

Ich muss sagen: Als Profipendler und Bahndauerkritiker bin ich äußerst angetan vom RRX. Kann man von Begeisterung sprechen? So weit will ich noch nicht gehen. Dazu muss sich der RRX erstmal etablieren und dauerhaft gute Leistung bringen. Zum Beispiel im Hochsommer, wenn die Klimaanlage laufen muss oder wenn der Zug voll ist und alle im Wlan sind. Immerhin: In Sachen kühle Luft setzen die Entwickler des RRX auf Technik aus dem Fernen Osten, wo es oft deutlich wärmer ist als bei uns.

Mehr Infos zum RRX:

Eines muss ich aber sagen: Die zehn Minuten im Zug waren mir in meiner ersten RRX-Fahrt zu kurz. Ich wäre gerne sitzen geblieben, so positiv überrascht war ich.

In der zweiten Jahreshälfte 2020 werden Pendler und Reisende in NRW nicht so angenehme Erfahrungen machen wie unser Redakteur: Die Deutsche Bahn, die aufgrund von Bauarbeiten gerade wochenlange Zugausfälle im Sauerland angekündigt hat, macht Bahnfahrern das Leben derzeit schwer.