Er will seine Macht ausbauen und die Gewaltenteilung aufheben: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat sich mit seinem Referendum ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Entscheidend für den Ausgang könnten die im Ausland lebenden Türken sein.

Dortmund – Die Stimmung ist geladen, die Sicherheitsleute wirken angespannt. Ein Erdoğan-Anhänger bepöbelt einen Kameramann, um ihn herum bildet sich eine Menschentraube. Busse fahren vor und laden ihre menschliche Fracht ab. Alle sind auf dem Weg zum ehemaligen Gebäude des Türkischen Bildungszentrums in Dortmund, um ihre Stimme abzugeben. Mit einem „Evet“ (Ja) oder „Hayir“ (Nein) stimmen sie für oder gegen das vom türkischen Präsidenten geplante Präsidialsystem.

An insgesamt 13 Standorten in Deutschland wurden Wahllokale eingerichtet. Neun von ihnen befinden sich in verschiedenen Generalkonsulaten, weitere vier mussten aus Platzgründen an Ausweichorten errichtet werden. So auch im Fall des türkischen Generalkonsulats Essen: Das Gebäude war zu klein, die rund 117.000 dort registrierten Wahlberechtigten wählen deswegen in Dortmund.

Während die Abstimmung über das Referendum in der Türkei erst am 16. April stattfindet, sind die Wahllokale in Deutschland bereits ab Montag, 27. März, für zwei Wochen geöffnet. Die Wähler können bis Sonntag, 9. April, von 9 bis 21 Uhr ihre Stimme abgeben. Die Wahlurnen werden dann in die Türkei gebracht und dort geöffnet. Dementsprechend werden die Stimmen auch erst in der Türkei ausgezählt.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum türkischen Referendum findet ihr hier.

Was sagen die Wähler?

In den bisherigen Umfragen führt das Nein-Lager leicht. Im Durchschnitt erreichte das Ja-Lager in den letzten neun Umfragen 48,4 Prozent der Stimmen, während 51,5 Prozent für Nein stimmen würden. Nach Angaben der Stiftung Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung beträgt die Zahl der wahlberechtigten Auslandstürken rund fünf Prozent der Wähler. Mehr als die Hälfte von ihnen lebt in Deutschland.

Dementsprechend könnte ihre Wahl ausschlaggebend für das Endergebnis werden. Wir haben die Menschen vor dem Wahllokal in der Nordstadt gefragt: Habt ihr mit „Ja“ oder mit „Nein“ gestimmt? Und warum?