Tag 1 nach der Aktion der rechten Aktivisten auf der Reinoldikirche. In den Sozialen Medien und bei Kirchenvertretern hat die Kirchturm-Besetzung für Entsetzen gesorgt. Wir zeigen den Abend in Bildern und sagen euch, welche Reaktionen es gab.

Dortmund – Viele können es noch immer nicht glauben, wie die Aktion der Rechten am Freitag (16. Dezember) geschehen konnte. Auf ihren Nachrichtenportalen rühmen sich die Rechten mit ihrer Aktion, freuen sich, dass sie deutschlandweit für Aufsehen gesorgt haben. Denn zumindest das ist ihnen mit der Aktion vor großer Weihnachtsmarkt-Kulisse gelungen. Die Nachricht über die Kirchturm-Besetzung machte in Windeseile die Runde auf vielen Nachrichtenseiten der Republik (auch auf Dortmund24) – was wiederum den Rechten dabei half, ihre Aktion zu verbreiten.

Aktion der Kirche kam gut an

Dass sich die Kirche spontan dazu entschied, die vom Kirchturm skandierten Parolen mit Dauer-Glockengeläut zu übertönen, gehört für viele Beobachter im Netz zu den positiven Nachrichten vom gestrigen Abend. „Das war eine dreiste Aktion. Ich hoffe, es gibt eine saftige Strafe. Aber der Dauerbetrieb der Glocken war eine Super-Aktion. Das freut mich unglaublich“, kommentiert Dortmund24-Userin Jutta Geißler-Hehlke. „Es scheint ihnen auch rein gar nichts heilig zu sein, wenn sie noch nicht einmal vor der Kirche halt machen! Die Ohren hätten ihnen abfallen müssen durch den Klang der Glocken“, schreibt dagegen Heidi Sczech.

Der Abend in Bildern:

Auch der Evangelische Kirchenkreis Dortmund meldete sich einen Tag nach der Aktion der Rechten zu Wort. „Wir empfinden es als Respektlosigkeit, unsere Kirche für rechte Propagandazwecke zu missbrauchen“, wird der Superintendent Ulf Schlüter in einer Pressemitteilung zitiert. Der Dortmunder Pfarrer Friedrich Stiller sagte dagegen, die Kirche verurteile die Provokation „auf Schärfste“. „Wir stehen ein für ein friedliches Miteinander in Dortmund“, sagte er am Samstag dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Pfarrerin war hautnah dabei

Pfarrerin Susanne Karmeier war bei der Aktion am Freitag hautnah dabei, hatte zu dem Zeitpunkt eine eigene Veranstaltung in der Kirche. „Nachdem sich diese Personen hinter der Tür verbarrikadiert hatten, war kein Gespräch mehr möglich“, erzählt sie im Interview mit Dortmund24. Logischer Schritt sei gewesen, den Ordnungsdienst der Stadt zu rufen, der dann wiederum die Polizei verständigte.

Susanne Karmeier. Foto: Evangelische Kirche Dortmund
Susanne Karmeier. Foto: Evangelische Kirche Dortmund

Dass die verrammelte Tür am Ende durch die Feuerwehr aufgesägt werden musste, ist zwar ärgerlich, aber nicht so tragisch, wie in vielen Nachrichtenberichten dargestellt. „Das war keine historische Tür, wie oft geschrieben wurde, sondern eine ganz normale Holztür“, sagt Pfarrerin Karmeier.

Aktion geplant

Unterdessen bestätigt sich, dass die Rechten die Aktion genau geplant haben müssen. Kurz nach Öffnung des Turms um 18:30 Uhr gingen sie gemeinsam hinauf, wohl wissend, dass sie zu dieser Zeit noch alleine sein könnten. Der Plan ging am Ende auf. „Und dann wurde unsere Kirche mit den Parolen der Rechten missbraucht“, ärgert sich Karmeier rückblickend. Kein Wunder also, dass das Kirchenpersonal ob ihrer Machtlosigkeit zur kreativen Lösung „Glockenbeschallung“ griff. Karmeier: „Unsere Kirche ist gegen jegliche Form von Diskriminierung – das wollten wir mit dem Glockenläuten zeigen.“

Die Rechten unterdessen spielen die Aktion herunter, betonen, im legalen Rahmen gehandelt zu haben. Ob das so ist, werden die Ermittlungen des Staatsschutzes zeigen. Unter anderem wird wegen des Verdachts des Hausfriedensbruchs, wegen der Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole und des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz ermittelt.

UPDATE, Samstag, 17. Dezember, 16:40 Uhr: In der Nacht zu Samstag wurden die Rechtsextermisten (sieben Männer im Alter zwischen 24 und 38, aus Dortmund, Chemnitz, Wuppertal und Düsseldorf, sowie eine 26-jährige Dortmunderin) nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen entlassen.

Nach Rücksprache mit der Dortmunder Staatsanwaltschaft lagen keine Haftgründe vor, berichtet die Polizei. Ein Haftbefehl diente der Polizei der Sicherstellung eines geordneten Strafverfahrens. Zu den Haftgründen zählen Flucht-, Wiederholungs- und Verdunklungsgefahr.

Die Ermittlungen der Soko Rechts werden jetzt mit aller Konsequenz fortgeführt, teilt die Polizei mit. Die Ermittlungen werden ausgedehnt auf die Deliktsbereiche Sachbeschädigung und Störung der Religionsausübung.