Polizist während Groß-Razzia gegen Clans festgenommen

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Polizisten sichern während einer Razzia von Zoll und Polizei eine Shisha-Bar. Foto: Bernd Thissen/dpa

Dortmund/NRW - Im Ruhrgebiet gab es am Samstag (12. Januar) eine große Razzia gegen kriminelle Clans. Laut NRW-Innenministerium waren in der Nacht rund 1.300 Polizisten im Einsatz.

Im Ruhrgebiet hat es am Samstag (12. Januar) gegen 21 Uhr eine große Razzia gegen kriminelle Clans gegeben. Laut NRW-Innenministerium waren in der Nacht rund 1.300 Polizisten im Einsatz. In Dortmund wurde eine Shisha-Bar geschlossen, eine Person wurde festgenommen.

Update, Montag (14. Januar) 13.20 Uhr: Die Polizei nahm bei der Groß-Razzia gegen Clans am Wochenende auch einen Kollegen fest. Das bestätigte die Polizei in Essen gegenüber der WAZ.

Polizist leistete Widerstand gegen Untersuchung

Es handelt sich dabei um einen 19-jährigen Kommissar-Anwärter, der noch in der Ausbildung ist. Er saß laut der Rheinischen Post mit vier Verdächtigen in einem Auto, als Polizisten ihn im Rahmen der Razzia untersuchten.

+++ Razzia im Bochumer Bermudadreieck: Polizei durchsucht Shisha-Bars +++

"Dabei verhielt er sich nicht angemessen", so eine Sprecherin der Polizei. Er soll versucht haben, sich loszureißen und habe die Rechtmäßigkeit des Polizeieinsatzes in Frage gestellt.

Er leistete Widerstand gegen die Beamten, also kam er erstmal in Gewahrsam und erhielt eine Strafanzeige. Das könnte disziplinarrechtliche Konsequenzen für den jungen Polizisten haben. Die Polizei prüft jetzt den Vorgang.

Update, Montag (14. Januar), 8.05: Die Clans waren nicht die einzigen, die im Rahmen der Aktion Besuch von der Polizei bekamen. Die Kontrollen richteten sich auch gegen Organisierte und die Bandenkriminalität, hieß es im Vorfeld.

So wurde eine Feier der Rockergruppe Bandidos in Essen von einem Großeinsatz der Polizei begleitet. Die Polizei kontrollierte 600 Personen und stellte Waffen sicher.

Update, Montag (14. Januar), 7.49 Uhr: Das Innenministerium spricht vom der größten Razzia gegen kriminelle Clans in der Geschichte von NRW. Im Ruhrgebiet wurden 1500 Menschen kontrolliert und 14 verhaftet. Die Beamten gingen dem Verdacht der Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit nach.

In NRW gilt "das Gesetz des Staates"

"Der Einsatz zeigt, dass manche Clanmitglieder sich offenbar systematisch über Recht und Gesetz hinwegsetzen", erklärte Innenminister Herbert Reul (CDU) laut der dpa. In NRW gelte "nicht das Gesetz der Familie, sondern das Gesetz des Staates."

Der Innenminister war bei den Aktionen in Bochum, Duisburg und Essen vor Ort. Bereits im Dezember bezeichnete Reul das Treiben der 50 Clans in NRW als "extrem" und "einen frontalen Angriff auf unseren Rechtsstaat".

Reul warnte auch am Sonntag davor, alle Mitglieder von Großfamilien unter Generalverdacht zu stellen: "Selbstverständlich gibt es an diesen Familien auch viele rechtsschaffende Leute. Und es gibt Leute, die vom kriminellen Tun genug haben. Diesen sollten wir in Zukunft auch Aussteigsangebote unterbreiten."

Lebensgefährlich hohe Kohlenmonoxid-Werte

Update, Sonntag (13. Januar), 15.57 Uhr: Die Polizei Dortmund hat nun Details zur Razzia am Samstagabend bekanntgegeben. Demnach habe eine Shisha-Bar in der Nordstadt wegen lebensgefährlich hoher Kohlenmonoxid-Werte geräumt werden müssen.

Die Feuerwehr belüftete die Bar, die anschließend geschlossen wurde. Denn auch die Lüftung funktionierte nicht richtig, berichtet die Polizei Dortmund.

Hunderte Verdächtige kontrolliert

Bei Kontrollen von 421 Personen in zwölf Bars und Clubs in Dortmund und Lünen wurde eine Person festgenommen. Zwei weitere kamen in Gewahrsam. Sieben Strafverfahren, unter anderem wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz, wurden eingeleitet.

Unter anderem überprüften die Beamten an der Katharinentreppe am Bahnhof, im Keuning-Park, dem Hörder Bahnhof und der oberen Münsterstraße verdächtige Personen.

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Zudem wurden 278 Personen und 257 Autos angehalten. Die Beamten stellten zwei Strafanzeigen, weil die Fahrer ohne Führerschein unterwegs waren. Auch eine Stretch-Limo wurde beschlagnahmt.

Zoll und Steuerfahnder finden kiloweise Tabak

Auch der Zoll und die Steuerfahndung wurden bei der Razzia fündig: In Dortmund beschlagnahmten sie allein fünf Kilogramm unversteuerten Tabak. Es gab drei Strafanzeigen, 14 Mal wurden Ordnungswidrigkeiten geahndet.

Polizeipräsident Gregor Lange sagte nach der Razzia, man werde die Strategie der kleinen aber wirksamen Nadelstiche weiter verfolgen: "Wir lassen in unseren Städten keine rechtsfreien Räume zu", sagte er mit Blick auf den Schwerpunkt der Landesregierung.

Shisha-Bar in der Nordstadt geschlossen

Ursprungsmeldung: Es war eine der größten Razzien gegen Clan-Kriminalität im Ruhrgebiet. Unter anderem in Essen, Duisburg, Bochum und Herne kontrollierten Polizisten Shisha-Bars und Diskotheken.

Die Polizei Dortmund zieht bereits eine vorläufige Bilanz des nächtlichen Einsatzes. Eine Shisha-Bar wurde geschlossen. Die Beamten stellten sieben Strafanzeigen und verhängten Dutzende Verwarngelder:

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Einsätze in weiteren Städten

Auch in anderen Ruhrgebietsstädten waren Polizei, Zoll und Ordnungsämter unterwegs:

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Wie die Polizei mitteilt, wurde in Essen eine Person festgenommen. Bei ihr fanden die Ermittler 9.000 Euro in bar. Eine Gesamtbilanz wird gegen Mittag erwartet.

Aktuelle Top-Themen:

Reul bei Razzia dabei

Die Razzia soll sich nach Informationen der dpa gegen Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit richten.

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Sie liege auf der Null-Toleranz-Linie, sagte Innenminsiter Herbert Reul (CDU) am Abend: "Die kriminellen Clanmitglieder sollen merken, wir lassen sie nicht in Ruhe - zu keiner Zeit und an keinem Ort."