Pilotprojekt im Streifendienst

Dortmund: Polizei testet Taser – so heftig ist ein Treffer mit der neuen Waffe

Streifendienst NRW Taser Test
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Bis März 2022 testen vier Polizeibehörden in NRW Taser im Streifendienst.

Die Polizei Dortmund ist Teil eines Pilotprojekts des NRW-Innenministeriums. Ab Januar sind Beamte im Streifendienst mit einem Taser ausgerüstet.

Dortmund – Während das Distanzelektroimpulsgerät (DEIG), umgangssprachlich auch Taser genannt, in anderen Bundesländern bereits im Polizeidienst eingesetzt wird, startet in Nordrhein-Westfalen im Januar ein rund einjähriges Pilotprojekt. In den kommenden Monaten soll die Einsatztauglichkeit der Waffe erprobt werden. Beteiligt sind neben den Polizeibehörden in Düsseldorf, Gelsenkirchen und dem Rhein-Erft-Kreis auch die Polizei Dortmund.

BehördePolizei Nordrhein-Westfalen
AufsichtsbehördeNRW-Innenministerium
HauptsitzDüsseldorf
Bediensteteca. 50.000, davon ca. 42.000 Polizeibeamte

NRW testet Taser im Streifendienst: Polizei Dortmund Teil des Pilotprojekts

Wie das NRW-Innenministerium mitteilt, sollen die rund 60 für den Test zur Verfügung stehenden Geräte bis März 2022 wechselweise von etwa 400 Beamten im Streifendienst genutzt werden. Erst danach werde man entscheiden, ob der Taser künftig flächendeckend eingesetzt wird oder weiterhin nur den Spezialeinheiten zur Verfügung steht.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) ist vom Erfolg der Erprobung der Taser im Streifendienst überzeugt. Das Land Rheinland-Pfalz hatte die Taser Ende 2018 als erstes Bundesland eingeführt und zuvor bereits ein Jahr lang getestet. In 21 von 30 Fällen sei bereits die Androhung des Tasers ausreichend gewesen, um die Situation zu beruhigen, heißt es von der Gewerkschaft.

Polizei Dortmund testet Taser im Streifendienst: Kurze Stromimpulse bei hoher Spannung

Der flächendeckende Einsatz der Waffe könne neben der Bodycam die Gewalt gegenüber Polizeibeamten zusätzlich verringern. Bislang müssten Polizeibeamte in kritischen Einsatzsituationen meistens zum Reizstoffsprühgerät oder zum Schlagstock greifen. Hierbei bestehe laut GdP ein hohes Verletzungsrisiko in der Auseinandersetzung für beide Seiten.

Mit dem von NRW bestellten „Taser 7“ der Firma Axon kann man das Gegenüber mit einem grünen Laser anvisieren. Der Taser verschießt Metallpfeile an Drähten, über die der Beschossene mit kurzen Stromimpulsen bei sehr hoher Spannung außer Gefecht gesetzt werden kann. Der Hersteller wirbt zudem mit einer guten Durchdringung von Kleidung.

Taser-Test der Polizei in NRW: Bedenken mit Blick auf die Folgen für Risikogruppen

Hinsichtlich der Wirkweise der Taser gibt es allerdings Bedenken. Grünen-Politikerin Verena Schäffer hält das Gesundheitsrisiko bei Personen mit Vorerkrankungen oder unter Drogeneinfluss für nicht hinreichend untersucht. Ähnlich äußerte sich zu einem früheren Zeitpunkt der hessische Politiker Ulrich Wilken (Die Linke). Taser könnten bei Risikogruppen, beispielsweise Personen mit kardialen Vorerkrankungen oder Schwangere, lebensbedrohliche Verletzungen verursachen.

Ein Polizeibeamter führt einen Taser vor.

Kritisch sieht die GdP den Zeitraum des Pilotprojekts, an dem unter anderem die Polizei Dortmund teilnimmt. Denn nur wenige Wochen nach dem Ende des Testzeitraums wird in Nordrhein-Westfalen ein neuer Landtag gewählt. Michael Mertens, der stellvertretende Bundesvorsitzende der GdP, befürchtet, dass die Debatte über den Taser mit einer möglichen neuen Regierungskoalition wieder von vorn beginnt.

Video: Bayerns Polizei setzt nach erfolgreichem Pilotversuch ab 2021 auf Elektroschocker

Allerdings scheint das NRW-Innenministerium auch gegenwärtig nicht vollends von der Waffe überzeugt zu sein. In früheren Berichten an den Landtag hätte es laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) eine kritische Haltung ausgedrückt. Kritik hatte es in der Vergangenheit bereits von Amnesty International gegeben – unter anderem, weil das Missbrauchsrisiko steige. „Wir befürchten, dass es durch die Verbreitung im Streifendienst zu einem häufigeren Einsatz kommt.“ Mit dpa-Material