Bild: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Seit Jahren sinkt die Zahl der Straftaten in Dortmund – und der Trend setzt sich auch in 2018 fort. Die Polizei in Dortmund hat jetzt die genauen Zahlen veröffentlicht.

Wenn man sich vor Augen führen möchte, wie sich die Zahl der Straftaten in Dortmund verbessert hat, reicht ein Blick ins Jahr 2014. Damals zählte die Polizei in Dortmund rund 86.500 Straftaten. In 2018 waren es gut 20.000 weniger. 61 Prozent aller Straftaten wurden von Deutschen verübt, 35 Prozent von Ausländern. Der Rest, also vier Prozent, geht auf das Konto von hier illegal lebenden Menschen.

Zwar ist die Zahl der Straftaten weiter rückläufig, aber weit weniger drastisch, als in den Jahren zuvor. „Die Luft wird immer dünner. Es wird immer schwieriger, die Zahlen weiter zudrücken“, sagte Polizeipräsident Gregor Lange am Mittwoch bei der Vorstellung der Statistik.

Polizei will neue Instrumente zur Prävention einsetzen

Die Polizei wolle künftig verstärkt auf neue Instrumente setzen, etwa die Videoüberwachung. Nach der Einführung in der Brückstraße im Herzen von Dortmund plant die Dortmunder Polizei die Installation von Kameras auch in der Münsterstraße.

Auch auf Personenkontrollen ohne konkreten Verdacht setzt die Polizei viel Hoffnung. Das Stichwort lautet hier „Strategische Fahndung“.
Sie gibt der Polizei die Befugnis, Personen auch ohne einen konkreten Verdacht zu kontrollieren. Sie kann Menschen anhalten, nach ihrem Ausweis fragen und bitten, ihre Tasche oder den Kofferraum ihres Autos zu öffnen.

Die Polizei überwacht mit einer Videokamera das Brückstraßenviertel. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24.de
Die Polizei überwacht mit Videokameras das Brückstraßenviertel – bald soll das Ganze auch in der Münsterstraße stattfinden. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Aber auch ohne diese Maßnahmen dürfte die Polizei in Dortmund mit Genugtuung auf die aktuelle Kriminalstatistik schauen. Seit 15 Jahren gab es nicht mehr solche verhältnismäßig niedrigen Zahlen. Vor allem im Bereich der Straßenraube sind die Zahlen drastisch gesunken. Waren es 2014 insgesamt 701, zählte die Polizei in 2018 insgesamt 379 Straßenraube. Gleichzeitig hat sich die Aufklärungsquote der Polizei mit 57 Prozent auf dem 20-Jahres-Hoch des Vorjahres gehalten.

Mehr Sexualstraftaten

Einen Anstieg der Fallzahlen gab es dagegen im Bereich der Sexualstraftaten. Gleich 159 Fälle mehr als in 2017 gab es im Jahr 2018 in Dortmund. Doch bei der Interpretation der Zahlen ist Vorsicht gefragt. Denn die Änderung des Paragrafen 184 des Strafgesetzbuches erfasst Delikte, die früher als Beleidigung galten – etwa das Antatschen – jetzt als sexuelle Belästigung. Gregor Lange mahnt deshalb, die Vielzahl der Fälle, die unter dem Begriff der Sexualstraftat summiert werden, zu differenzieren.

Dennoch befürwortet es Dortmunds Polizeipräsident, „wenn sich die Opfer von sexueller Belästigung insbesondere nach der Köln Silvesternacht oder der #MeToo-Debatte immer stärker und abwehrbereiter zeigen und diese Fälle zur Anzeige bringen.“

Große Sorgenfalten bereitet Lange unterdessen der respektlose Umgang mit Mitarbeitern der Polizei. 408 Fällen im Jahr 2014 stehen 2018 insgesamt 740 Fälle von Widerstand gegen die Staatsgewalt gegenüber.

Polizisten zeigen öfter an

Die Polizei begründet den Anstieg dieser Zahlen unter anderem mit „Veränderung sozialer Strukturen in der Gesellschaft“. Gregor Lange sieht außerdem eine gestiegene Anzeigenbereitschaft seiner Beamten. „Früher sagte man noch, das solche Widerstandshandlungen zum Job dazu gehören, jetzt hat eine notwendige Bewusstseinsänderung eingesetzt“, sagt Gregor Lange. Walter Kemper, Leiter Direktion Kriminalität, ergänzt: „Zweidrittel Widerstandshandlungen gegen die Staatsgewalt werden unter Drogen- oder Alkoholeinfluss ausgeführt.“

Einen gesonderten Blick hat die Polizei in Dortmund auf die Nordstadt gerichtet. Seit 2016 wirkt hier die Ermittlungskommission „EK Nordstadt“ vor allem der Straßenkriminalität entgegen. Die Gesamtzahl der Straftaten ist im Bereich des Wachbereichs Nord in den letzten fünf Jahren um sieben Prozent gesunken.

Gesunken ist in ganz Dortmund auch die Zahl der Wohnungseinbrüche. 2018 gab es 432 Fälle weniger als im Jahr 2017. Mit 1584 Wohnungseinbrüchen verzeichnet Dortmund die niedrigste Zahl seit 15 Jahren. Die Polizei sieht unter anderem die Arbeit von zwei Ermittlungskommissionen als Grund. Die führte zu Festnahmen und Verunsicherung der Bandenstrukturen.

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Zudem haben sich in Dortmund viele Bewohner inzwischen mit besserer Sicherung ihrer Wohnungen ausgestattet.

Die sinkende Zahl der Straftaten scheint inzwischen auch bei vielen Bürgern anzukommen, wie eine Befragung der Stadt zeigt. Allerdings bewerten sie lediglich das Sicherheitsgefühl am Tag in ihrem Wohnviertel als gut.

Das Fazit von Gregor Lange: „Es gibt sehr viele positive Entwicklungen.“

Als direkte Reaktion auf eine Massenschlägerei in der Dortmunder Nordstadt hat Polizeipräsident Gregor Lange jetzt eine sogenannte „strategische Fahndung“ angeordnet.

Info

Nicht nur in Dortmund sondern auch in ganz NRW ist die Zahl der Straftaten rückläufig.
Die Zahl der Straftaten sank im Vergleich zum Vorjahr um knapp 7 Prozent auf 1.282.441 (2017: 1.373.390). Das ist der niedrigste Stand seit fast 30 Jahren (1991). Die Zahl der Wohnungseinbrüche ging im Berichtsjahr von 39.057 Fällen um fast ein Viertel (23,4 Prozent) auf 29.904 Fälle zurück. Weniger Einbrüche gab es zuletzt 1981.