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Polizeigewalt in Dortmund: Zwei Frauen erheben schwere Vorwürfe

Sexismus und Gewalt. Die Polizei Dortmund muss sich mit schweren Vorwürfen gegen einen Beamten auseinandersetzen.

Dortmund – Angeblich geht es um ein und denselben Polizisten der Wache Nord in Dortmund. Dieser soll zwei Frauen bei Einsätzen im Januar 2021 und Februar 2022 geschlagen und getreten sowie sexistisch beleidigt und gedemütigt haben. Das berichtet der WDR.

StadtDortmund
Polizeiwache Wache Nord
ThemaPolizeigewalt gegen zwei Frauen

Polizeigewalt in Dortmund: Polizist soll Frauen geschlagen, gedemütigt und sexistisch beleidigt haben

Was ist passiert? Der erste Fall habe sich im Januar 2021 in einem Haus in der Nordstadt in Dortmund abgespielt. Laut WDR handelt es sich um eine damals 26-jährige Studentin, die dem Polizisten Malte F. Gewalt und Sexismus vorwirft. Anfang 2021 sei es zu einer Geburtstagsparty in der Wohnung gekommen. Ein Mitbewohner habe gefeiert (mehr News aus Dortmund bei RUHR24).

Die Beamten haben die Studentin aufgefordert, sich auszuweisen. Sie habe den Ausweis, allerdings aus dem höhergelegenen Stockwerk holen müssen. Drei Polizisten seien ihr gefolgt. Sie habe die Beamten gebeten, alleine in die Wohnung zu gehen.

Dann sei sie geschubst worden, habe auf dem Boden gelegen, sei danach geschlagen und getreten worden. Angeblich haben weitere Mitbewohner berichtet, sie seien von den Polizisten abgehalten worden, eine Etage höher zu gehen. Unklar ist, wie die Lage eskalieren konnte.

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Die Studentin habe mit auf die Wache gemusst. Sie sei lediglich in Strumpfhose und Hemd gekleidet gewesen. Der besagte Polizist sei zudem zu ihr in die Zelle gekommen. Es sei zum Streit gekommen, in dem die Beleidigung „Fotze“ gefallen sein soll. Gegen 5 Uhr sei sie entlassen worden. Es seien Prellungen im Gesicht diagnostiziert worden.

Der andere Fall habe sich im Februar 2022 abgespielt. Eine 32-jährige Erzieherin sei an der Polizeiwache Nord in Dortmund vorbeigegangen. Ihr angeblich angetrunkener Freund habe einen Polizeiwagen angerempelt. Zwei Beamte seien aus der Wache gekommen. Ihr Freund sei nach eigenen Angaben „ruppig angegangen“ worden.

Polizeigewalt in Dortmund: Zwei Frauen erheben schwere Vorwürfe

Die 32-Jährige habe verbal protestiert. Daraufhin sei sie als „Fotze“ beschimpft und direkt geschlagen worden. Sie habe mit auf die Wache gemusst. Auf der Wache sei sie angeblich von fünf Polizisten eingekreist worden. Sie habe sich ausweisen sollen und sei daraufhin mehrfach ins Gesicht geschlagen worden. Zudem habe einer der Polizisten gesagt: „Du Fotze machst, was ich sage.“

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Mehrfach habe der besagte Beamte sie in der Nacht als „Fotze“ beschimpft. Auch einen Schlag habe er noch abgegeben. Nach der Entlassung habe ein Arzt den Bruch des Augenhöhlenbodens, aufgeplatzt Lippen, Prellungen und einen abgebrochenen Zahn diagnostiziert.

Beide Frauen haben sich nach den Vorfällen an Anwältin Lisa Grüter gewandt. Sie meint gegenüber dem WDR, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt. Es gebe sehr häufig Fehlverhalten auf der Wache Nord. Häufig handele es sich um Mandanten und Mandantinnen, die keine Strafanzeige stellen, da sie keine Beweise haben und Angst vor Gegenverfahren haben. Ein weiteres Problem: Es gebe Vorfälle von Polizisten, die ihre gewalttätigen Kollegen decken.

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Das Thema Polizeigewalt ist durchaus schwierig. Es darf in keinster Weise geleugnet werden, dass solche Fälle passieren. Auf der anderen Seite gibt es auch immer wieder Vorfälle (auch in Dortmund), in denen die vermeintlichen Opfer zu Täter werden. So geschehen im Jahr 2018, bei einer Massenschlägerei in Dortmund, wie RUHR24 exklusiv berichtete und in Wuppertal am Hauptbahnhof im Jahr 2021

Das Polizeipräsidium Recklinghausen ermittelt jetzt zusammen mit der Staatsanwaltschaft Dortmund in den Fällen der Polizeigewalt gegen die beiden Frauen. Laut WDR haben sie sich für eine Strafanzeige entschieden. RUHR24 berichtet, wie der Fall weitergeht. Anfragen von RUHR24 an die Polizei Recklinghausen liegen vor. Der Artikel wird aktualisiert, sobald die Antworten da sind.

Rubriklistenbild: © Olaf Döring/Imago

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