Pfand-Irrsinn! So könnte Dortmund 58 Millionen Plastikflaschen einsparen

Dortmund: Laut NGG könnte Dortmund jährlich 58 Millionen Plastikflaschen sparen. Foto: dpa
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Dortmund: Laut NGG könnte Dortmund jährlich 58 Millionen Plastikflaschen sparen. Foto: dpa

Dortmund/NRW - Laut einer Gewerkschaft könnte Dortmund jährlich rund 58 Millionen Plastikflaschen einsparen - und damit den Pfand-Irrsinn beenden.

Allein in Dortmund könnten jährlich rund 58 Millionen Plastikflaschen eingespart werden. Zu dieser Zahl kommt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Das Mittel zum Zweck: Die Mehrwegquote.

  • Laut der NGG könnte Dortmund jährlich rund 58 Millionen Plastikflaschen einsparen.
  • Und das, indem Händler und Hersteller die gesetzliche Mehrwegquote von 70 Prozent einhalten.
  • Das sei nicht nur gut für die Umwelt, sondern fördere auch Arbeitsplätze.

Dortmund könnte 58 Millionen Plastikflaschen sparen

Im Zuge von Umweltschutz und Klimawandel nehmen die Nachrichten rund um Plastik kein Ende. Inzwischen dürften viele dafür sensibilisiert sein, dass wir ein Plastik-Problem haben. Das sieht auch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Dortmund so. Nach der Plastiktüte geht es nun der Plastikflasche an den Kragen.

Die Gewerkschaft fordert daher eine Eindämmung der Einwegflaschen. Allein die Stadt Dortmund könne laut ihren Berechnungen dadurch jährlich rund 58 Millionen Plastikflaschen bei Mineralwasser und Erfrischungsgetränken einsparen.

NGG Dortmund fordert Einhaltung der Mehrwegquote

Für die Berechnung ging die NGG Dortmund von einem Pro-Kopf-Verbrauch von 148 Litern Mineralwasser und 116 Erfrischungsgetränken im Jahr aus. 70 Prozent davon kauften die Verbraucher in Plastikflaschen. Das soll sich jetzt ändern.

Denn seit Januar 2019 gibt es eine bundesweite gesetzliche Mehrwegquote. Und die liegt eigentlich bei 70 Prozent. Ziel des neuen Verpackungsgesetzes ist es, das Mehrwegsystem zu stärken und damit etwas Gutes für die Umwelt zu tun.

Flut aus Plastikflaschen soll in Dortmund ein Ende haben

Denn Mehrwegflaschen aus Glas können einfach gereinigt und dann wieder verwendet werden. Plastikflaschen hingegen müssen im Zuge des Pfandsystems aufwendig zerschreddert und recycelt werden, so der NGG-Gewerkschafter Manfred Sträter aus Dortmund. Eine Glasflasche komme in ihrer Ökobilanz daher 37 Plastikflaschen gleich.

Das im Januar eingeführte Verpackungsgesetz sieht deshalb eine Stärkung der Mehrwegflaschen vor. Die gesetzliche Vorgabe für Händler und Hersteller liegt deshalb bei 70 Prozent. Doch die Quote ist diesen relativ egal, denn es drohen keinerlei Sanktionen, wenn man die Quote nicht einhält.

Plastikflaschen liegen im Trend

Deshalb setzen Getränkerhersteller und der Handel weiterhin auf die Einwegflaschen aus Plastik. Denn die sind bei den Konsumenten in der Regel beliebter. Schon allein deshalb, weil sie viel leichter als die Mehrwegflaschen aus Glas oder robustem Plastik sind.

Der Plastikflaschen-Trend und die fehlenden Sanktionen sind sicher mitunter ein Grund dafür, dass die Mehrwegquote scheiterte und bislang völlig am Ziel vorbeischoss. Denn das Gegenteil trifft zu: Die Zahl der Mehrwegflaschen ist so niedrig wie nie. Sträter von der NGG Dortmund fordert daher, dass "Umweltministerin Svenja Schulze rasch einen Mehrweg-Gipfel einberufen und sich dafür einsetzen sollte, dass ein Verstoß gegen die Quote Konsequenzen hat."

NGG Dortmund: Mehrwegflaschen nicht nur gut für die Umwelt

Eine Eindämmung der Flut aus Plastikflaschen sei außerdem nicht nur gut für die Umwelt, sondern sichere auch Arbeitsplätze. Allein in NRW sind rund 10.300 Menschen in der Getränkebranche beschäftigt, so Sträter.

Deshalb fordert die NGG die Händler und Hersteller auf, sich an die Mehrwegquote zu halten - auch in Dortmund. Denn hier liegt der Anteil bislang gerade mal bei knapp 33 Prozent. Würden sich die Dortmunder künftig an die Quote von 70 Prozent halten, könnten sie insgesamt 58 Millionen Plastikflaschen einsparen. Und das nur, indem sie die Differenz von 37 Prozent, die sie momentan an Plastikflaschen verkaufen, durch Glasflaschen ersetzen.

Dortmund: Verbraucher beschweren sich über Pfand-Chaos

Bislang wird es dem Verbraucher aber auch nicht leicht gemacht, im deutschen Pfand-Dschungel durchzublicken. "Die Menschen klagen darüber, dass sie ihr Leergut häufig nur noch dort loswerden, wo sie es gekauft haben", so Sträter. Außerdem blicke ja niemand mehr durch, auf welche Produkte es nun Pfand gebe und auf welche nicht.

Laut der NGG Dortmund sei es deshalb die beste Strategie, auf einen breitflächigen und einheitlichen Einsatz von Standard-Mehrwegflaschen zu setzen. Diese gibt es beispielsweise schon bei der NRW- oder Euro-Flasche beim Bier. "Sie werden in regionale Pools ohne weite Transportwege zurückgebracht und dort wieder befüllt", erklärt Sträter.