Obdachlose in Dortmund haben Hitze-Problem: "Kann nicht so viel schnorren, wie ich für Wasser ausgeben muss"

Obdachlose in Dortmund bei Hitze im Juli 2019 (24.07.)
+
Obdachlose in Dortmund bei Hitze im Juli 2019 (24.07.)

Dortmund/NRW - Obdachlose müssen mehr denn je schnorren. Die Hitze macht zu Schaffen. Auch in Dortmund auf dem Westenhellweg. Hier die Infos.

Alle wissen: Kalte Winter sind besonders für Obdachlose hart. Doch auch die Hitze macht den Menschen, die auf der Straße leben, heftig zu schaffen.

  • Obdachlose sind der Hitze den ganzen Tag ausgesetzt.
  • Wasserspender in Dortmund meiden sie aus Angst vor Krankheiten.
  • Geld reicht kaum für genügend Wasser, um über den Tag zu kommen.

Es ist ein sonniger Mittwochmorgen in Dortmund. Doch die Sonne ist dieser Tage (24. Juli) der größte Feind für diejenigen, die auf der Straße leben und sich mit Schnorren über Wasser halten. Denn es ist warm - zu warm!

Wasser bei der Hitze für Obdachlose das Wichtigste

Zumindest sieht das Marc so. Der 42-Jährige lebt seit vier Jahren auf der Straße. Die Winter habe er immer gut überstanden, erzählt er.

+++Hitze in NRW wirkt sich auch auf den Bahnverkehr aus – das sind die aktuellen Störungen+++

Vor allem, seit es den Wärmebus in Dortmund gebe. Doch die Hitze lässt ihn zittern. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Betteln auf dem Westenhellweg in Dortmund für Wasser

Denn ein großer Teil des Geldes, das er jeden Tag von Passanten auf dem Westenhellweg erbittet, geht zur Zeit für Wasser drauf. Für ein Brötchen oder auch das für ihn ebenfalls wichtige Bier, fehlt es dann.

Bier? Wichtig? Noch dazu bei dieser Hitze? Tatsächlich belegt Wasser für den Obdachlosen in Dortmund im Moment Platz eins auf der Liste der dringend benötigten Dinge.

Warum ein Bier für Obdachlose trotz Hitze wichtig ist

Aber den Alkohol brauche er auch, "damit es mir leichter fällt, die Menschen anzusprechen." Es sei schon so schwer genug, um Geld zu betteln.

Trotzdem erinnert er sich an das Mädchen, dass ihm zwei Euro gab, aber die Bitte hatte, dass er das Geld nicht für Bier ausgeben solle. "Hab ich auch nicht", beteuert der Dortmunder. "Wasser war viel wichtiger. Und Essen."

Wasserspender meiden sie

Die Wasserspender, die überall in der Stadt kostenlos Trinkwasser spenden, meidet Marc. "Da spülen sich manche den Mund aus und spucken das dann dahin. Da frag ich mich: Was kann ich mir da noch holen?"

Der Obdachlose denkt an Hepatitis A. Oder andere Krankheiten, vor denen er Angst hat. "Ich leb schon draußen im Dreck. Aber das sind Probleme, die ich nicht brauche."

Statt Frühstück - ab 6 Uhr in der Innenstadt in Dortmund um Geld schnorren

Morgens zittern seine Hände. Denn während die meisten Menschen mit einem Frühstück in den Tag starten, muss Marc erst einmal Geld schnorren. Und er ist früh wach - schon ab 6 Uhr brummt das Leben in der Innenstadt von Dortmund.

An Schlaf ist nicht mehr zu denken. Also packt er seine Sachen, um von seinem Schlafplatz zu seinem Schnorrer-Platz umzuziehen.

Dabei hätte er erstmal nichts lieber, als einen Kaffee. "Mit viel Milch und mindestens vier Löffeln Zucker." Denn Zucker sei das, was den Motor am laufen hielte - im Sommer wie im Winter, in dem es immer wieder Obdachlose gibt, die wegen der Kälte sterben.