Scharfe Kritik

Obdachlose sollen jetzt aus Dortmunds City vertrieben werden

In Dortmund setzt der Cityring nun einen privaten Sicherheitsdienst gegen Obdachlose und Drogensüchtige ein. Kritik kommt von einem Verein.

Dortmund – Der Einzelhandel leidet seit geraumer Zeit und es kommt vermehrt zu Leerständen in der ganzen Stadt. Dreckige Eingänge und Verunreinigungen vor Geschäftsöffnung fördert zudem nicht die Einkaufslust potenzieller Kunden. Der Zusammenschluss „Cityring“ geht jetzt mit privaten Sicherheitskräften gegen diese Problematik vor und stößt damit auf Kritik.

Stadt Dortmund
OrganisationCityring
ThemaSecurity gegen Obdachlose und Junkies

Dortmunder Cityring beauftragt Sicherheitsdienst in Absprache mit der Stadt

Der „Cityring“ ist ein Zusammenschluss von verschiedenen Unternehmen in Dortmund. Mitglieder sind unter anderem die Thier-Galerie und die Sparkasse Dortmund. Als Initiativkreis steht er für eine „attraktivere City“, heißt es auf der Homepage. In Absprache mit der Dortmunder Stadt bekommen alle Mitglieder des Cityrings nun einen privaten Sicherheitsdienst zur Verfügung gestellt, der die Situation mit lungernden Drogensüchtigen und Obdachlosen kontrollieren soll.

„So kann er Sichtkontrollen im Eingangsbereich oder privaten Flächen durchführen und kann unter Umständen Hausverbote erteilen. Zudem vermitteln die Mitarbeiter in Uniform nachts zusätzliche Sicherheit für die Besucher der Stadt“, erklärt Tobias Heitmann, Vorsitzender des Cityrings Dortmund. Denn die aktuelle Situation sei „extrem belastend“ für die Händler. Die Eingänge müssten morgens von benutzten Spritzen, Müll und teils Fäkalien befreit werden. (Mehr News aus Dortmund bei RUHR24).

Ein Obdachloser in Dortmund bekommt eine Spende.

Der eingesetzte Sicherheitsdienst wurde von der Stadt Dortmund an den Cityring vermittelt. Aktuell setzt die Stadt diesen von 19 Uhr bis 23 Uhr im Dortmunder Stadtgarten ein. Anschließend soll er von 23 Uhr bis 1 Uhr die Innenstadt kontrollieren. In NRW ist die Zahl der Wohnungslosen erstmals seit 10 Jahren gesunken.

Obdachlosen-Zeitschrift Bodo kritisiert Vorhaben scharf

Der bodo e.V begegnet dem Vorhaben jedoch mit Sorge. „Die Ärmsten aus dem Stadtbild zu verdrängen, um das Shoppingerlebnis nicht zu stören, kann nicht die Antwort auf Probleme wie Armut, Obdachlosigkeit und Sucht sein“, so Bastian Pütter von bodo. Er gibt auch zu bedenken, dass schlafende Obdachlose mitten in der Nacht willkürlich von ihren Schlafplätzen vertrieben werden könnten. „Will Dortmund wirklich als die Stadt bekannt sein, in der man Notleidende vertreibt, weil ihr Anblick beim Shopping stört?“

Der Cityring betont gegenüber RUHR24, dass es keine herzlose „Wir-vertreiben-die-Obdachlosen-und-Suchtkranken-Aktion“ werden solle. Es gehe vielmehr darum, den Personen zu helfen, damit jeder Bedürftige eine Übernachtungsstelle bekommt. Es sei unter anderem geplant, Flyer des Sozialamtes zu verteilen. Auch die Stadt Dortmund versucht die Situation der Obdachlosen durch Umfragen zu verbessern.

Rubriklistenbild: © Oliver Schaper/Imago

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