Urteil gefallen

NRW: Mann tötet Schwangere bei Messerattacke – und ist trotzdem kein Mörder

Totschlag in Hamm
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Auf einem Parkplatz in Hamm ist Anfang des Jahres eine Frau verblutet. Die Schwangere wurde zuvor brutal mit einem Messer attackiert. Der Täter bekommt nun seine Strafe.

Hamm/Dortmund – Die grausame Bluttat hatte sich im Januar dieses Jahres ereignet. Auf einem Parkplatz in der NRW-Stadt Hamm wurde die 22-jährige Frau mit insgesamt 76 Sicht- und Schnittwunden tödlich verletzt. Ihr Ex-Freund, der 24-jährige Alim K. aus Bergkamen, wurde damals sofort festgenommen. In einer ersten Vernehmung hatte er die Tat gestanden. Nach einem monatelangen Prozess ist jetzt das Urteil für ihn gefallen.

BundeslandNRW
StadtHamm
Einwohner178.967 (2020)

76 Messerstiche töten Schwangere in Hamm (NRW) – Täter zu zehn Jahren Haft verurteilt

Mit zahlreichen Messerstichen verteilt über den ganzen Körper hat Alim K. seine Ex-Freundin und das ungeborene Kind getötet. Einige der Wunden sollen laut einem Bericht des Westfälischen Anzeigers sogar so tief gewesen sein, dass der 24-Jährige die junge Frau fast enthauptet hätte.

Am Landgericht in Dortmund hat der Vorsitzende Richter Thomas Kelm am Donnerstag (25. November) das Urteil in dem grausamen Fall gesprochen. Der Angeklagte ist wegen Totschlags zu zehn Jahren Haft verurteilt worden (weitere Nachrichten zu Kriminalität in NRW bei RUHR24 lesen).

Auf einem Parkplatz in Hamm wurde im Januar dieses Jahres die schwangere Frau brutal getötet.

Urteil nach Messermord in Hamm gefallen – Eltern des Opfers sind außer sich

Für die Eltern der Getöteten ist die Strafe offenbar ein Schlag ins Gesicht. Nach der Urteilsverkündung soll die Mutter der Toten förmlich zusammengebrochen sein und bitterlich um ihre Tochter geweint haben, wie mehrere Medien berichten. Minutenlang habe die Frau den Namen der Verstorbenen geschrien, Verwandte haben sie stützen und beruhigen müssen.

Auch der Vater habe sein Entsetzen über das Urteil kaum verbergen können. Schon während der Verkündung soll er immer wieder mit dem Kopf geschüttelt haben. Das Unverständnis darüber, dass der Mann, der seine Tochter getötet hat, nicht als verurteilter Mörder hinter Gittern kommt, scheint die Genugtuung einer jahrelangen Haftstrafe zu überwiegen.

„Ein Bankräuber bekommt die gleiche Strafe. Und hier metzelt einer meine Tochter nieder und kommt vielleicht aus dem Gefängnis, bevor er dreißig ist. Wie kann das sein?“, äußerte sich der Vater im Gespräch mit der Bild-Zeitung.

Täter aus Hamm wird wegen Totschlag verurteilt – Richter spricht von Handlung aus dem Affekt

Im Falle eines Mordurteils hätte Alim K. je nach Schwere der Tat womöglich lebenslänglich in Haft gemusst. Für den Totschlag hatten Staatsanwaltschaft und Nebenklage zwölfeinhalb Jahre gefordert. Am Ende verhängte das Gericht die zehn Jahre. Zur Begründung hieß es, dass das Schwurgericht davon ausgeht, dass der 24-jährige Angeklagte zum Zeitpunkt der Tat nur vermindert schuldfähig war.

„Wir gehen von einer tiefgreifenden Bewusstseinsstörung und einer affektiven Aufladung aus“, sagte Richter Kelm. Anders sei diese Eskalation der Gewalt nicht zu erklären.

Video: Kriminalität in NRW – Alle Fakten auf einen Blick

Die genauen Hintergründe der Tat werden aber wohl weiter ein Rätsel bleiben. Während des Prozesses sei herausgekommen, dass es auf dem Parkplatz im Hamm zum Streit zwischen dem ehemaligen Liebespaar gekommen ist. Dabei soll die Getötete dem 22-Jährigen gesagt haben, dass er gar nicht der Vater des Kindes sei. Bei einer Tat im Effekt müsse deshalb davon ausgegangen werden, dass der Angeklagte sich an vieles gar nicht mehr erinnern könne, so Kelm.

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