Neue Impfstellen

NRW: Hendrik Wüst sitzt in Corona-Tweet peinlichem Trugschluss auf

Das Land NRW will vor Weihnachten Tempo beim Boostern machen. Mit einer PR-Kampagne kurbelt Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) die Corona-Impfungen an und lobt den BVB und die Stadt Dortmund. Ein Detail irritiert jedoch.

Dortmund – Die Zahl der Impfungen gegen das Coronavirus in Nordrhein-Westfalen steigt weiter an. Tausende Menschen lassen sich jeden Tag boostern, viele holen sich zudem noch ihre Erstimpfung ab. Laut Ministerpräsident Hendrik Wüst liegt das auch an den kreativen Impfstellen, die unter anderem in Dortmund eingerichtet wurden. Mit den Zahlen nimmt er es dabei nicht so genau.

PolitikerHendrik Wüst
ParteiCDU
BundeslandNordrhein-Westfalen (NRW)

Corona in NRW: Wüst lobt BVB und Stadt Dortmund – übersieht aber Detail

Seit Anfang Dezember kann man sich erneut im BVB-Stadion gegen Corona impfen lassen. Und das in einem Setting, das für Normalfans sonst beinahe unerreichbar sein dürfte: im VIP-Raum des Stadions. Das werde vor allem von Menschen angenommen, die keinen Hausarzt haben oder sich mit einem Termin dort schwertun, sagt Dr. Prosper Rodewyk, Leiter der KVWL-Bezirksstelle Dortmund, in einem neuen Video der Staatskanzlei.

Das Ambiente im BVB-Stadion sei angenehm. Fast 1.000 Impfungen schaffen er und sein Team am Tag. Darunter seien mitunter bis zu 70 Erstimpfungen.

Corona-Impfung in NRW: Wüst lobt BVB und Stadt Dortmund

Auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst teilte das Video seiner Staatskanzlei auf Twitter und dankte den Kommunen dafür, den Menschen zahlreiche Impfangebote zu machen. „Nordrhein-Westfalen steht bei den Impfungen in Deutschland an der Spitze. Das bleibt nur so, wenn wir weiterhin solche einfachen und gut zugänglichen Angebote wie in @stadtdortmund anbieten“, schreibt er am Freitag (10. Dezember).

Ein Detail in seinem Tweet lässt jedoch stutzen. Ist Nordrhein-Westfalen bei den Impfungen in Deutschland wirklich spitze? Schaut man sich die Gesamtzahl der Impfungen an, stimmt diese Aussage zwar. Mit rund 30 Millionen Corona-Impfungen liegt NRW deutlich vor Bayern (20 Millionen) und Baden-Württemberg (17 Millionen).

Corona-Impfungen in NRW: Vier Länder haben höhere Impfquoten

Doch um eine entsprechend hohe Impfquote und irgendwann sogar Herdenimmunität zu erreichen, muss NRW als bevölkerungsreichstes Bundesland mit 17,9 Millionen Einwohnern auch deutlich mehr Menschen gegen Covid-19 impfen, als etwa das Saarland oder Bremen.

Schaut man sich die Impfquote an, den Vergleichswert der Bundesländer untereinander, wird klar: Hier steht NRW keineswegs an der Spitze. Laut Robert Koch-Institut (RKI) liegen gleich vier Bundesländer bei der Quote vollständig Geimpfter vor NRW:

  • Bremen: 81,0 Prozent
  • Saarland: 75,7 Prozent
  • Hamburg: 75,4 Prozent
  • Schleswig-Holstein: 74,0
  • Nordrhein-Westfalen: 72,6 Prozent

Darunter ist mit Schleswig-Holstein zwar nur ein Flächenstaat mit vergleichsweise wenigen Einwohnern (knapp 2,9 Millionen). Doch auch bei den Booster-Impfungen, Erstimpfungen oder Impfungen bei Schülern (12 bis 17 Jahre) steht NRW nicht an der Spitze der aktuellen Impfquote.

Corona in NRW: Versöhnlicher Tweet von Hendrik Wüst zur Impfkampagne

Gebrochen wird die Corona-Welle laut RKI erst ab einer Impfquote von 85 bis 90 Prozent. Sie gibt an, wie groß der Anteil der Geimpften an der Gesamtbevölkerung ist. Die Zahl der Gesamtimpfungen hilft da aktuell leider nur wenig weiter.

Dennoch ist der Tweet von Hendrik Wüst ein versöhnlicher. Unter anderem zwischen Schulministerium und den Städten hatte es in der Corona-Krise unter Vorgänger Armin Laschet bereits teils hitzige Debatten und auch deutliche Kritik aus der Stadtspitze in Dortmund gegeben. Auch Statements aus dem Gesundheitsministerium in NRW hatten immer wieder für Kopfschütteln gesorgt. Jetzt klingt es eher nach einem Miteinander, statt einem Gegeneinander.

Rubriklistenbild: © Bernd Thissen/dpa (2); Collage: RUHR24

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