Neue Ausgrabungen in Dortmund: Von hier aus wurden früher Angreifer beschossen

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Am Königswall fanden Archäologen Teile der ursprünglichen Kanonenplattform. Foto: Alina Meyer/RUHR24

Dortmund/NRW - Archäologen haben an zwei Standorten in Dortmund spannende Entdeckungen gemacht. Sie fanden Teile des Dominikanerklosters und einen Teil Kanonenplattform.

In Dortmunds Stadtgeschichte fügen sich erneut kleine Puzzleteile zusammen. An zwei Standorten haben Archäologen bei aktuellen Ausgrabungen gleich mehrere spannende Fundstücke zutage gebracht.

An der Silberstraße unweit des Medienhauses Lensing tut sich eine lange Baustelle auf. Die DEW21 verlegt hier neue Heißwasserleitungen. Wer genauer hinschaut, kann etwa 90 Zentimeter unter der Oberfläche mehrere Steinformationen erkennen.

Dr. Esther Lehnemann von der Firma Archbau war an den Ausgrabungen beteiligt und hat dabei eine dicke Mauer freigelegt.

"Die zweischalige Mauer hat eine Breite von 1,20 Meter", sagt Ingmar Luther, Stadtarchäologe der Denkmalbehörde. "Diese Breite ist für ein gewöhnliches Wohnhaus viel zu mächtig." Deshalb stand schon früh fest, dass es sich um Teile eines öffentlichen oder sakralen Gebäudes handeln muss, das besonders geschützt werden sollte.

"Wir vermuten, dass es sich hierbei mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen Teil des Torhauses der Klosteranlage handelt, genauer gesagt um das Südtor der damaligen Klosteranlage", sagt Ingmar Luther. Diese Vermutung würde sich mit den alten Plänen von Dortmund decken. Hundertprozentig sicher können sich die Wissenschaftler aber erst nach Abschluss der Auswertungen sein.

Das Torhaus gehörte zum Dominikanerkloster, das damals an der Silberstraße gestanden hat. Laut Luther begann um 1320 der Bau des Klosters, nachdem er um 1309 vom damaligen Deutschen König genehmigt wurde. Der Klosterbau vollzog sich bis ins 15. Jahrhundert.

"Die Klosteranlagen waren damals bestens organisiert. Es gab Tierhaltung, Klostergärten und eine gute Befestigung", so der Stadtarchäologe. "Wir haben auch mehrere Knochenreste gefunden, die vermutlich von Schafen oder Schweinen stammen", sagt Archäologin Lehnemann. Ob die Knochen aus dem gleichen Jahr stammen wie die Mauerreste, ist noch unklar.

Bedeutender Fund für die Archäologen

Für die Archäologen sei dies ein bedeutender Fund, denn über die alte Klosteranlage gebe es nahezu keine Informationen. "Deshalb sind wir froh über jedes kleine Puzzlestück, das uns die Geschichte Dortmunds näher bringt und unsere bisherigen Annahmen bestätigt", sagt Luther. "Mit solch einem Fund haben wir überhaupt nicht gerechnet."

Die Archäologen haben den Fund an der Silberstraße bereits ausführlich dokumentiert. Deshalb soll er schon heute wieder verschlossen werden.

Funde sollen bleiben, wo sie entdeckt wurden

"Wir wissen, dass es sich bei den Funden um Sandsteinfundamente handelt und haben keine Proben entnommen. Für uns Archäologen ist es schöner, wenn die Funde - auch wenn sie wieder verschüttet werden - dort bleiben, wo sie entdeckt wurden", so Luther.

Ein mindestens genauso spannender Fund tut sich an der Baustelle am Königswall auf. In einer langen Schneise von mehreren Metern, die sich vom Westentor in Richtung Hauptbahnhof zieht, liegen in etwa einem Meter Tiefe mehrere Sandsteinfundamente.

In Hagen waren Bauarbeiter zuletzt auf menschliche Knochen gestoßen.

Kanonenplattform mit Stützmauer

"Sie sind mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Teil des Westenrondells", sagt der Stadtarchäologe. Das Rondell war eine Kanonenplattform mit Stützmauer und Pfeilervorlagen aus dem 16. Jahrhundert. Schon einige Meter weiter am Westentor haben Archäologen Teile dieser Plattform entdeckt.

Anhand eines alten Plans lässt sich die Befestigungsanlage von Dortmund nachvollziehen: Die Stadt wurde mit einer nach innen gerichteten Kanonenplattform ausgestattet. Hinter diesem Podest lag der etwa zehn bis zwölf Meter breite Wassergraben, dahinter kam die Vormauer, ein weiterer Graben und ein kleinerer Zaun zur Abgrenzung zum Vorschein.

Verstärkung des Westenrondells

Am Königswall wurde nun ein Teil der Kanonenplattform freigelegt. "Wir vermuten, dass die Sockel als Verstärkung des Rondells dienten, um die Wucht der Kanonen abzubremsen", sagt Stadtarchäologe Ingmar Luther.

Wie viele Kanonen auf diesem Podest platziert waren, könne man nicht genau sagen. "Nach der enormen Größe der Plattform zu urteilen, konnten die Verteidiger über die Stadtmauer hinweg aber eine Vielzahl der Angreifer attackieren, so Luther.

Die Baustelle am Königswall wird sich in den kommenden Wochen weiter hinaufziehen in Richtung Westentor. Die Archäologen sind gespannt – und vermuten weitere Funde.