Nur noch wenige Tage, dann startet das neue Logistikzentrum von Amazon auf dem Gelände der ehemaligen Westfalenhütte seinen Betrieb. Erst suchte der amerikanische Logistikkonzern 1.000 Mitarbeiter in Dortmund, dann stockte er auf 1.500 auf. Aber noch immer sind nicht alle Stellen besetzt. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zur Masseneinstellung von Amazon.

Laut dem US-Unternehmen soll das Logistikzentrum in der Nordstadt am 16. Oktober an den Start gehen. Natürlich werden dann nicht alle 1.500 neu eingestellten Mitarbeiter an die Schippe gehen. Es würde wohl das Chaos ausbrechen – und außerdem sind längst noch nicht alle Mitarbeiter gefunden. Amazon und die Arbeitsagentur haben uns die wichtigsten Fragen zur außergewöhnlichen Masseneinstellung beantwortet.

Amazon Baustelle im Westfalenlager
Noch laufen am neuen Amazonlager im Gewerbepark Westfalenhütte die letzten Arbeiten. Mitte Oktober 2017 soll es eröffnet werden. Foto: Florian Forth/Dortmund24

1.500 neue Mitarbeiter sucht Amazon in Dortmund – wie groß war bislang der Andrang auf die Stellen?

Das Interesse sei enorm, erklärt Amazon Sprecherin Antje Kurz-Möller auf Anfrage. 7.500 Online-Bewerbungen seien seit August beim Logistik-Riesen eingegangen. Entsprechend lang ist auch die Liste der geführten Bewerbungsgespräche. 3.000 sind es bislang an der Zahl. An drei Tagen in der Woche finden die Gespräche in der Agentur für Arbeit statt, weil die Räume im Logistikzentrum an der ehemaligen Westfalenhütte noch nicht bereitstehen.

Werden angesichts des großen Andrangs überhaupt noch Mitarbeiter gesucht?

Ja! Noch nicht alle Stellen sind besetzt. 400 Arbeitsverträge wurden bislang geschlossen. Da ist also noch Luft nach oben.

Welche Voraussetzungen müssen Bewerber eigentlich erfüllen?

Ehrlich gestanden nicht viele – jedenfalls für den Job als Versandmitarbeiter. Grundkenntnisse in Deutsch oder Englisch, sagt Antje Kurz-Möller, seien wichtig. Man müsse einfache Anweisungen verstehen. Außerdem sollte man in der Lage sein, 15 Kilogramm zu heben. „Es ist keine Bürotätigkeit“, kündigt Kurz-Möller an. Gute körperliche Voraussetzungen seien wichtig. Und: Es handelt sich beim Job des Versandmitarbeiters um einen Vollzeitjob. Hier geht es zur Stellenausschreibung. Neben diesen eher einfachen Jobs vergibt Amazon aber auch Stellen für Facharbeiter. Gruppenleiter etwa sollten eine abgeschlossene Berufsausbildung im Logistikbereich vorweisen. Hier gibt es weitere Stellenanzeigen für Dortmund.

Wie viel verdient man eigentlich so bei Amazon?

Versandmitarbeiter bekommen 1.866,67 Euro brutto im Monat für eine Vollzeitstelle. Bis zu zehn Prozent Bonus pro Monat sind möglich. Gruppenleiter bekommen etwa 2.500 Euro im Monat (15,55 Euro die Stunde).

Die ausgestellten Verträge laufen vorerst nur bis Ende 2017 – warum?

Von Amazon-Seite heißt es, die befristeten Verträge seien wie eine Probezeit zu sehen. „Wir brauchen natürlich auch ab dem 1. Januar 2018 Mitarbeiter in Dortmund. Eine große Vielzahl der eingestellten Mitarbeiter wird also ab dann auch einen Vertrag bekommen“, versichert Amazon-Sprecherin Kurz-Möller. Einige Verträge seien aber explizit für das Weihnachtsgeschäft ausgestellt, wie es auch in anderen Amazon-Lagern Usus sei.

Was passiert eigentlich im Dortmunder Amazon-Logistikzentrum genau?

Anders als man glauben könnte, werden von Dortmund aus keine Pakete an Endkunden geschickt. Sprich: Bücher, Elektrogeräte oder Spielwaren landen nicht bei Max Mustermann im Unionviertel, sondern werden in großen Mengen in andere Lager innerhalb Deutschlands verschoben. Das Dortmunder Logistikzentrum dient also als großes Lager.

Wie ungewöhnlich ist es, dass so viele Mitarbeiter auf einen Schlag eingestellt werden?

Laut Amazon ist die Zahl der gesuchten Mitarbeiter nicht ungewöhnlich. Immerhin eröffnet der Konzern immer wieder Lager in solchen Größen. Ungewöhnlich ist allerdings, dass das mit Dortmund in einer Großstadt stattfindet. Viele andere Amazon-Lager befinden sich in Kleinstädten wie Werne, Winsen (Luhe) oder Graben.

Hier ein kleiner Vorgeschmack auf das, was gerade auf dem Gelände der Westfalenhütte passiert:

Info: So schön die Meldung über die Einstellung der vielen Mitarbeiter in Dortmund ist, so kritisch sind die bereits eingestellten Mitarbeiter an anderen Standorten gegenüber Amazon. Mitarbeiter von Amazon legten kürzlich in Rheinberg und Werne die Arbeit nieder – bundesweit außerdem in Leipzig, Graben bei Augsburg sowie im osthessischen Bad Hersfeld. Die Gewerkschaft fordert von Amazon, die Beschäftigten nach dem Tarifvertrag für den Versand- und Einzelhandel zu bezahlen. Das Unternehmen verweigert nach Angaben der Gewerkschaft die Aufnahme von Tarifverhandlungen. Amazon verweist darauf, dass sich die Bezahlung am Tarifvertrag der Logistikbranche orientiere. Seit Mai 2013 kommt es immer wieder zu Arbeitsniederlegungen an deutschen Standorten von Amazon.

Die Ansiedlung von Amazon in Dortmund haben wir in unserem „Kracher der Woche“ kommentiert. Lest hier, was unser Redakteur von den 1500 neuen Arbeitsplätzen hält.