Bild: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Nach dem Brückeneinsturz von Genua, bei dem 43 Menschen ums Leben kamen, haben sich auch Dortmund viele Menschen gefragt: Wie sicher sind unsere Brücken? Und was wird getan, um sie sicher zu halten? Dortmund24 hat bei der Stadt und Straßen.NRW nachgefragt.

Es waren schreckliche Bilder, die am 14. August über unsere Bildschirme flimmerten. Ein 250 Meter langes Teilstück des Polcevera-Viadukts in Genua – eine innerstädtische, vierspurige Autobahnbrücke – stürzte in sich ein. Danach fragten sich viele Menschen in Deutschland: Was wird getan, um unsere Brücken vor solch einer Katastrophe zu bewahren?

In Dortmund gibt es insgesamt 861 Brücken. Die meisten von ihnen sind nicht städtisch, 622 an der Zahl. Denn auch dem Landesbetrieb Straßen.NRW, der Deutschen Bahn AG, oder dem Lippeverband gehören Brücken, die in Dortmund stehen.

Brücken in Dortmund. Hier: Die Schnettkerbrücke auf der A40. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24
Die Schnettkerbrücke auf der A40 ist eine der meistbefahrenen Straßen in Dortmund. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Laut Stadt laufen aktuell an fünf städtischen Brücken Arbeiten. An der Brücke „Rheinische Straße“ zum Beispiel erfolgen die Erneuerung der Abdichtung, Fahrbahnerneuerung, Geländerinstandsetzung sowie kleinere Betoninstandsetzungen.

Außerdem erhalten die vier Rad- und Fußgängerbrücken über die B 1 – Kohlgartenstraße, Lübkestraße, Obere Brinkstraße und Max-Eyth-Straße – eine neue Oberflächenbeschichtung.

Hauptprüfung alle sechs Jahre

Damit die städtischen Brücken immer im Blick bleiben, wird alle sechs Jahre eine Hauptprüfung durchgeführt.

Alle drei Jahre gibt es dann sogenannte „Einfache Prüfungen“. Dann werden Lager, Gelenke, Übergangskonstruktionen sowie Verankerungen von Bauteilen (z.B. Berührungsschutz, Lärmschutzwände, Leitungen) überprüft. Bei den Hauptprüfungen sind alle, auch die schwer zugänglichen Bauwerksteile „handnah“ zu prüfen. Abdeckungen von Bauwerksteilen (z. B. Schutzhauben bei Seilen, Lagermanschetten, Schutzhüllen, Schachtabdeckungen und Ähnliches) öffnen die Fachmänner dann.

Außerdem gibt es einmal im Jahr Besichtigungen jeder Brücke. Dafür gibt es  Besichtigungseinrichtungen an Brücken wie etwa begehbare Hohlräume des Bauwerks, die Verkehrsebene und das Geländeniveau, soweit zugänglich. Experten überprüfen die Brücke dann auf offensichtliche Mängel. Zweimal im Jahr gibt es außerdem sogenannte Beobachtungen.

Keine städtische Brücke besonders belastet

Gegenüber Dortmund24 gibt die Stadt an, es gäbe aktuell keine städtische Brücken, die besonders belastet seien und deshalb häufiger saniert oder beobachtet werden müssten.

Was für die Stadt gilt, gilt selbstverständlich auch für alle anderen Baulastträger. Was die Brückenprüfung angeht, ist diese systematisch aufgebaut und nach der DIN 1076 immer gleich (siehe oben).

Hier ist zur Veranschaulichung ein Video zur DIN1076-Prüfung:

Gibt es außergewöhnliche Ereignisse, etwa nach Unfällen oder Hochwasser, finden Sonderprüfungen statt, heißt es von Straßen.NRW. Jeder Schaden oder Mangel werde im „Brückenbuch“ elektronisch dokumentiert. Dazu gibt es ein bundesweit einheitliches Verfahren. Das Brückenbuch mit den wichtigsten Daten über die Konstruktion, über Schäden und deren Instandsetzung wird beim Bau der Brücke angelegt. Es begleitet das Bauwerk bis zu seinem Nutzungsende.

Schäden so schnell wie möglich beseitigen

„Werden Schäden festgestellt, werden sie so schnell wie möglich beseitigt“, sagt Susanne Schlenga, Sprecherin des Landesbetriebs Straßen.NRW. Die regelmäßige Begutachtung helfe dabei auch, Kosten zu sparen. Denn: Frühzeitig erkannte Schäden, wie Risse oder Roststellen seien kostengünstiger und einfacher zu beseitigen, als mit der Zeit vergrößerte Schäden. Schlenga: „Erfahrungsgemäß wird jede Brücke etwa alle 25 bis 30 Jahre, also etwa einmal in jeder Generation, von Grund auf saniert.“

Aktuell saniert Straßen.NRW im „Speckmantel“ von Dortmund zum Beispiel die Autobahnbrücken über den „Sesekebach“ und „Am Langen Kamp“ auf der A2 zwischen Kamen/Bergkamen und Dortmund-Lanstrop. Der Landesbetrieb ersetzt beide Autobahnbrücken. Die Stahlbetonbrücke „Am Langen Kamp“ wurde im Zuge des Neubaus der Autobahn A2 im Jahr 1973 gebaut. Die Brücke „Sesekebach“ besteht in ihrem Ursprung seit 1936, wurde aber 1972/1973 erneuert. Da beide Brücken bauliche Defizite aufwiesen, musste sie saniert werden.

Mallinckrodtstraße. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24
Mallinckrodtstraße. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Direkt auf Dortmunder Stadtgebiet unterdessen gibt es seit Jahren Schäden an der Mallinckrodtstraße/OWIIIa zwischen A45 und dem Hafen. Grund dafür sind Schäden am Fahrbahnübergang der Brücke.

Und auf der Lange Straße müssen Schwertransporte aktuell die Brücke über die Bahngleise meiden, weil es dort Schäden gibt. Unklar ist bislang, wann die Brücke saniert wird. Das müsse in Abstimmung mit der Bahn passieren, sagt ein Sprecher der Stadt Dortmund. Ein Ingenieursbüro sei bereits mit „umfangreichen Nachrechnungen“ beauftragt. Einen Zeitrahmen gibt es aber bislang nicht.