Protest in NRW

1000 Motorradfahrer wollen heute Dortmund stürmen - Demo hat einen besonderen Anlass

Rund 1000 Motorradfahrer wollen heute zu einer Demo in Dortmund erwartet. Der Protest richtet sich gegen die Politik.

  • Rund 1000 Motorradfahrer wollen am Wochenende in Dortmund demonstrieren.
  • Sie protestierend damit unter anderem gegen vom Bundesrat geforderte Fahrverbote für Motorräder.
  • Ob härteren Regeln zum Motorradlärm überhaupt kommen sollen, ist auch in der Biker-Szene umstritten.

Dortmund/Berlin – Ein Beschluss zum Motorradlärm im Bundesrat hat viele Biker verärgert und spaltet mittlerweile offenbar die Szene. Am Wochenende wollen bei einer Demo rund 1000 Motorradfahrer in Dortmund unter anderem gegen Fahrverbote protestieren, berichtet RUHR24.de*.

Dortmund: Motorradfahrer protestieren gegen vom Bundesrat geforderte Fahrverbote

Anlass für den Protest ist ein Beschluss des Bundesrats vom 15. Mai 2020. Darin wurden zahlreiche Regelungen "zur wirksamen Minderung und Kontrolle von Motorradlärm" festgehalten.

Unter anderem fordert der Bundesrat zum Motorradlärm:

  • In der EU zugelassene Motorräder dürfen künftig nicht lauter als 80 Dezibel sein. Das entspricht in etwa dem Geräuschpegel einer Hauptverkehrsstraße.
  • Deutlich höhere Strafen bei Manipulationen etwa an Auspuff und Luftfilter. Bei gravierenden Fällen soll die Polizei das Motorrad sicherstellen und stilllegen dürfen.
  • Zeitlich beschränkte Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen sowie Geschwindigkeitsbeschränkungen. Dies soll bei Konfliktfällen mit Anwohnern gelten.

Motorradlärm: Vorstoß zu härteren Regeln für Motorradfahrer kam aus NRW

Mit den schärferen Regelungen will der Bundesrat ein "rücksichtsvolles Miteinander" zwischen Anwohnern beliebter Motorradstrecken und den Bikern schaffen. 

Denn Anwohner würden es als Lärmbelästigung wahrnehmen, wenn Motorradfahrer "die Geschwindigkeitsbegrenzung überschreiten oder auf extralaut getunten Motorrädern unterwegs sind", schreibt der Bundesrat. Die berechtigten Interessen der Anwohner und die der Motorradfahrer gelte es in einen fairen Ausgleich zu bringen.

Anwohner wehren sich auch in NRW gegen zu laute Motorräder.

Der Vorstoß kam offenbar aus NRW. Etwa in Wermelskirchen im Bergischen Land wurden zwei beliebte Motorradstrecken mit Tempo-Limits entschärft. Auch in der Eifel regte sich bereits Widerstand gegen einige Motorradfahrer unter den Anwohnern. Dass unnötiges Beschleunigen auch schiefgehen kann, hat ein Motorradfahrer aus Oelde bei einem Unfall* bewiesen.

Motorradfahrer mit Demo in Dortmund: Polizei erwartet Verkehrsprobleme

Noch ist völlig unklar, ob sich der Bundestag überhaupt mit den Forderungen des Bundesrats befassen wird. Auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat härteren Regeln für Motorradfahrer bereits eine Absage erteilt. Er werde die Beschlüsse der Bundesländer nicht umsetzen, sagte er dem Spiegel.

In der Biker-Szene sorgt die Nachricht ungeachtet dessen weiter für Unruhe. Jetzt wollen zahlreiche Motorradfahrer auch im Ruhrgebiet gegen mögliche Fahrverbote demonstrieren. Nach Angaben der Polizei werden am Sonntag (26. Juli) rund 1000 Biker zu einer Demonstration der "Bikers for Freedom" in Dortmund erwartet. Die Beamten rechnen mit Verkehrsbehinderungen.

Zudem sei es möglich, dass auch in Dortmund* deutlich mehr Teilnehmer zu dem Aufzug kommen, als geplant. Die Fahrer treffen sich gegen 12 Uhr am Parkplatz E2 in der Nähe der Westfalenhalle. Dann fahren sie laut Polizei Dortmund über die Ruhrallee in Richtung Innenstadt. Nach einer Runde um den Wall geht es zurück zum Parkplatz. Gegen 16 Uhr soll die Demo beendet sein.

Fahrverbote und Lärmschutz: Biker-Szene nach Forderungen des Bundesrats gespalten

Die Biker-Szene zeigt sich jedoch gespalten, was Forderungen nach Fahrverboten und Lärmminderung angeht. Die "Bikers for Freedom" lehnen jegliche Verschärfungen ab. Eine entsprechende Facebook-Gruppe hat bislang mehr als 50.000 Mitglieder.

Der Bundesverband Deutscher Motorradfahrer setzt sich hingegen nach eigenen Angaben stärker für den Dialog mit Bundes- und Lokalpolitikern sowie Anwohnern ein. Um einen Forderungskatalog der Aktionsgruppe "Silent Rider" gab es jedoch offenbar trotzdem Streit.

Diese Gruppe fordert wiederum in einer Petition die mit Abstand härtesten Regeln, die die des Bundesrats noch deutlich übersteigen: Mehr als 6000 Unterstützer haben die Forderung nach höhere Bußgelder für jegliche Verstöße von Motorradfahrern, eine Schallobergrenze sowie Verkehrsruhezonen bislang unterzeichnet. *RUHR24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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