Kommentar

Rassismus-Debatte um Mohren-Apotheke: Den schwachsinnigen Argumenten fehlt es vor allem an einem

Ist die "Mohren-Apotheke" in Dortmund rassistisch? Den Argumenten, findet RUHR24-Redakteur Daniele Giustolisi, fehle es vor allem an einem. Ein Kommentar.

  • Auch in Dortmund tobt derzeit eine Debatte um das Thema Rassismus.
  • Zuletzt stand der Name der Mohren-Apotheke in Dortmund-Körne in der Kritik.
  • Die Argumente, vor allem in den Sozialen Medien, sind zum Haare raufen, findet RUHR24-Redakteur Daniele Giustolisi.

Dortmund - Halten wir fest: Im Deutschland des 21. Jahrhunderts darf man nichts mehr sagen, es gibt keine anderen Probleme außer Rassismus. Und Rassisten, die gibt es sowieso nicht.

Wort

Mohr

Herkunft

mittelhochdeutsch, althochdeutsch mōr, lat. Maurus

Bedeutung im ursprünglichen Sinne

dunkelhäutiger Bewohner von Mauretania (Gebiet in Nordwestafrika, etwa das heutige Marokko)

Dortmund: Debatte um Mohren-Apotheke ist haarsträubend

Schaut man sich die Argumente an, die aktuell um eine mögliche Namensänderung der Mohren-Apotheke in Dortmund-Körne geführt werden, kann man nur die Hände über den Kopf zusammenschlagen.

Da argumentieren Menschen, eine Namensänderung sei daneben, da die Apotheke ja schon seit so und so vielen Jahren so heiße. Das würde im Umkehrschluss bedeutet, dass in Deutschland nie wieder etwas geändert werden dürfte, nur weil es alt ist oder Tradition hat. 

Nach dem Prinzip hätte man auch das Frauenwahlrecht nicht einführen dürfen - war ja vorher jahrelang auch Tradition, dass Frauen nicht wählen durften. Und dann haben die ersten aufgemuckt. Ob es dem Rest gefallen hat oder nicht.

Rassismus in Dortmund? Ist doch nur nett gemeint

Für weiße Menschen ohne Migrationshintergrund mag es eine Lappalie sein, dass eine Apotheke in Dortmund eine lustige, schwarze Figur mit niedlichem Kostüm und dicker Lippe als Logo hat. Ist ja eigentlich nur nett gemeint, quasi eine Ehre für den Afrikaner, der die Heilkunst nach Europa gebracht hat, Zwinkersmiley.

Aber so einfach ist das nicht, wie die Reaktion einer afrikanischen Community in Dortmund zeigt. Stattdessen wird nun versucht, diese Menschen mundtot zu machen. Wie war das nochmal, dass man in Deutschland nichts mehr sagen darf? 

Niemand will als Nazi bezeichnet werden in Deutschland, aber man wird ja nochmal sagen dürfen. Niemand will als Rassist bezeichnet werden, aber Zigeunerschnitzel, das hat es ja schon immer gegeben. Und was ist eigentlich mit dem Schwarzbrot, muss das demnächst auch umbenannt werden? Was für ein Blödsinn!

Dortmunder Community in der Minderheit - na und?

Nur weil es sich bei der Community aus Dortmund um eine Minderheit handelt, heißt es doch nicht, dass sie deshalb ihren Mund zu halten hat. Oder gilt die freie Meinungsäußerung in Deutschland nur für Menschen mit weißer Hautfarbe?

Es ist gut, dass zumindest die betroffene Apothekerin sich offen für eine Diskussion zeigt und Verständnis für die Kritik hat. Auch ihre Probleme muss man nachvollziehen und ernst nehmen. Am Ende gilt es, einen fairen Kompromiss zu finden, der alle zufriedenstellt.

Ein schwarzer Mann mit lustigem Kostüm - für viele ist dieses Symbol nicht verletzend.

Dass man sich "zum Gespött von Deutschland macht", weil man über das Thema Rassismus diskutiert, ist so, als würde man jemanden vorwerfen, sich zivilisiert zu verhalten. 

Es geht nicht um Menschen, die Mohr mit Nachnamen heißen

Es geht hier nicht darum, ob es Menschen gibt, die mit Nachnamen Mohr heißen. Das ist bei der Mohren-Apotheke in Dortmund auch nicht der Fall. Anders gestaltet sich die Geschichte einer Eisdiele in Essen, die "Mohren-Eis" im Sortiment hat - da handelt es sich beim Wort Mohr um einen Familiennamen. 

Hier geht es um das Zeichen, dass auch Minderheiten in Deutschland verdammt nochmal das Recht haben, sich angegriffen zu fühlen und ihre Gefühle zu äußern. Noch besser wäre es, wenn sich diese Menschen eines Tages nicht mehr als Minderheiten zu fühlen bräuchten.

Und es geht darum, die Bereitschaft zu zeigen, Empfindungen oder Emotionen einer anderen Person zu verstehen und nachzuvollziehen. Das nennt man übrigens Empathie und nicht Volksverblödung, Unterwerfung oder was man sonst noch so für Schwachsinn hört und liest.

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