Möllerbrücke Dortmund: Politik fordert statt Partys weltfremde Alternativen

Die Möllerbrücke Dortmund im Kreuviertel an der Lindemannstraße. Foto: Daniele Giustolisi/RUHR24
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Die Möllerbrücke Dortmund im Kreuviertel an der Lindemannstraße. Foto: Daniele Giustolisi/RUHR24

Dortmund/NRW - Das "Möllern" an der Möllerbrücke in Dortmund liegt im Trend. Doch die Politik will das verhindern - mit teils absurden Mitteln. Ein Kommentar.

Die Möllerbrücke in Dortmund ist für junge Menschen seit längerer Zeit ein Treffpunkt im Freien. Man trifft sich, trinkt, hat eine gute Zeit. Die Politik will dagegen vorgehen - mit weltfremden Maßnahmen, kommentiert RUHR24-Redakteur Daniele Giustolisi.

  • Anwohner beschweren sich über Lärm und Müll auf der Möllerbrücke im Kreuzviertel von Dortmund.
  • Die Politik im Stadtbezirk Innenstadt-West will deshalb Lösungen finden.
  • Doch die sind teilweise mehr als fragwürdig.

Dortmund: Möllerbrücke im Kreuzviertel ist zum Treffpunkt geworden

An lauen Sommerabenden unter dem warmen Licht der Straßenlaternen sitzen und ein kühles Blondes oder ein Gläschen Wein trinken. Das kennen viele von uns aus dem Urlaub in Italien oder Spanien - und lieben es.

Die Plätze in Dortmund werden für diesen Usus eher selten genutzt - mit Ausnahme eines kurzen Straßenabschnitts mitten im Kreuzviertel. Die Möllerbrücke ist seit längerem Schauplatz für das Phänomen, das inzwischen als "Möllern" in den Dortmunder Sprachgebrauch eingegangen ist.

Anwohner ärgern sich über Lärm und Müll auf der Möllerbrücke

Doch genau das sorgt bei Anwohnern immer wieder für Unmut. Lärm und Dreck bringen einige Bewohner der Lindemannstraße und des Sonnenplatzes auf die Palme.

Die Bezirksvertretung Innenstadt-West in Dortmund will das ändern. Was ja ok ist. Aber in ihrer Sitzung am Mittwoch (30. Oktober) wartet sie mit teilweise irritierenden Vorschlägen auf.

SPD und Grüne in Dortmund wollen neue Jugendfreizeitstätte

SPD und Grüne wollen Jugendliche und junge Erwachsene von der Möllerbrücke holen, indem sie den Bau eines neuen Jugendtreffs im Kreuz- oder Unionviertels prüfen lassen.

Wie weltfremd ist dieser Vorschlag denn bitte? Glauben die Antragsteller allen Ernstes, dass die Massen sich mit ihrem Bier an lauen Sommerabenden in den muffigen Raum eines Jugendtreffs stellen, statt ihre Freizeit ungezwungen an der frischen Luft zu verbringen? Statt ein neues Jugendzentrum zu bauen, könnte man das Geld auch gleich zur nächsten Müllverbrennungsanlage bringen.

Kritik der Anwohner der Möllerbrücke in Dortmund nachvollziehbar

Natürlich kann man die Kritik eines manchen Anwohners verstehen, denn wer will an Wochenenden Horden trinkender und Spaß habender junger Menschen vor der eigenen Haustür haben? Zudem wird sich schon so manch ein Radfahrer beim überqueren der Möllerbrücke über einen platten Reifen geärgert haben - die Scherben vom vergangenen Wochenende lassen grüßen.

Die CDU im Bezirk Innenstadt-West will das "Möllern" dagegen durch einen Sicherheitsdienst kontrollieren lassen. Selbige Security, die auch im Westpark aufpasst, soll künftig laut den Christdemokraten auch auf der Möllerberbrücke den Zeigefinger heben. Außerdem will die CDU Hinweisschilder aufstellen lassen, auf denen unter anderem steht, dass Lärm nach 22 Uhr nicht erlaubt sei. 

Ähnliche Pläne hat die CDU übrigens für den Westpark - der sogar auf Wunsch der Christdemokraten eingezäunt werden soll.

Möllerbrücke in Dortmund soll Ort der Begegnung bleiben

Ich sehe ein: Anwohner sollten geschützt werden und eine Security kann dabei nicht schaden. Aber Plätze sollten bleiben, was sie sind: Orte, an denen sich Menschen treffen können. Natürlich können wir alles Leben von der Straße in irgendwelche Freizeitstätten verlagern. Dann haben wir aber eine tote Stadt. Aber wollen wir stattdessen nicht mehr Leben, mehr Freude auf die Straßen und Plätze in Dortmund bringen?

Ein bisschen mehr Rücksicht bei der Lautstärke, Augenmaß bei der Müllproduktion, vielleicht der ein oder andere größere Mülleimer mehr auf der Möllerbrücke - und vielleicht drücken dann auch die Anwohner ein Auge zu. Begrüßen würde ich es.

Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autoren und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widergeben.