Schaden ist groß

Zwei Angriffe auf Kneipe in Dortmund: „Wir werden uns nicht beugen“

Zweimal innerhalb von 10 Tagen wurde eine Dortmunder Kneipe angegriffen. Täter wurden bisher nicht gefunden. Die Betreiberin gibt sich kämpferisch.

Dortmund – Zerbrochene Fenster und Scherbenhaufen am Boden. Fast alle Scheiben des „Missin‘ Link“ in Dortmund sind zerbrochen. Die Kneipe im Unionviertel wurde am Mittwoch (16. November) bereits zum zweiten mal innerhalb kürzester Zeit zum Ziel von Attacken. Die Täter sind noch nicht gefasst und die Motive noch unklar. Inhaberin Nhu Thanh Nguyen lässt sich jedoch nicht unterkriegen (mehr News aus Dortmund bei RUHR24).

Attacken auf Kneipe in Dortmund: Team und Nachbarschaft sind „fassungslos“

Nach Angaben der Betreiberin sei das „Missin‘ Link“-Team und die Nachbarschaft fassungslos. „Die erst neu eingesetzte Scheibenfront wurde wieder komplett zerbrochen“, sagt Nguyen und verweist damit auf den ersten Vorfall 10 Tage zuvor. Bei beiden Angriffen wurden die Fenster der Kneipe an der Langen Straße zerstört. Nur die Eingangstür sei bei dem zweiten Angriff verschont geblieben, schreibt die Inhaberin auf Facebook.

Sie fügt hinzu: „Das Missin‘ Link ist jetzt ein Sicherheitstrakt inklusive Scheibenschutz und Videoüberwachung“. Die Kameras würden aber ausschließlich „der Objektüberwachung dienen“, sagt sie. Trotz der aktuellen Situation und der entstandenen Sachschäden ist die Kneipe weiterhin geöffnet. „Wir werden uns den Angriffen nicht beugen und sind weiterhin zu den gewohnten Zeiten für euch da“, sagt die Dortmunderin.

Nhu Thanh Nguyen zeigt sich dankbar für die Hilfe von Freunden und Nachbarschaft, die „ohne mit der Wimper zu zucken“ geholfen haben. Auch in den sozialen Medien erhält das „Missin‘ Link“ Zuspruch. Ein Facebook-User möchte beispielsweise auf ein Solidaritätsbier vorbeischauen und so die Kneipe unterstützen.

Polizei Dortmund vermutet hinter Attacke auf „Missin‘ Link“ keinen politsch-motivierten Angriff

Andere Medienberichte ließen vermuten, dass die Kneipe auf Grund ihrer mutmaßlich politisch „linken Orientierung“ zum Ziel der Angriffe wurde. Nguyen selbst sieht das „Missin‘ Link“, aber nicht als „links-orientierten Gastro-Betrieb“. „Bei uns sind alle Menschen willkommen, die keine verfassungswidrige und menschenverachtende Gesinnung pflegen“, sagt sie und verweist auf die politische Neutralität der Schankwirtschaft.

Warum das „Missin-Link“ zum Ziel von Angriffen wurde, kann sich die Betreiberin daher nicht erklären. Sie gehe nicht von einer Tat mit rechtsextremem Hintergrund aus und überlasse die Ermittlungsarbeit lieber der Polizei.

Angriff auf Kneipen in Dortmund häufen sich in der westlichen Innenstadt

Die Polizei Dortmund teilt die Einschätzung von Nhu Thanh Nguyen. Auf Anfrage von RUHR24 sehen die Ermittler „keine politisch-motivierte Straftat im Bezug zum Rechtsextremismus“. Grund dafür seien unter anderem Zeugenaussagen. Die Ermittlungen dauern weiterhin an.

Zerstörte Fenster haben Unbekannte an der Dortmunder Kneipe „Missin‘ Link“ hinterlassen.

Schon im Oktober kam es zu Angriffen auf eine andere Dortmunder Kneipe im Klinik-Viertel. Anders als das „Missin‘ Link“, kann das „Taranta-Babu“ als linksalternative Café beschrieben werden. In diesem Fall lagen Hinweise auf eine rechtsextremistische Tat vor, so dass der Staatsschutz eingeschaltet wurde. Nach Angaben der Polizei wurde inzwischen ein Tatverdächtiger identifiziert. Auch in diesem Fall dauern die Ermittlungen noch an.

Die Corona-Krise stellte die Dortmunder Kneipen in den letzten Jahren schon vor große Herausforderungen. Es bleibt zu hoffen, dass die Angriffe eingestellt werden.

Rubriklistenbild: © Marian von Hatzfeld/RUHR24

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