Gericht hat Urteil gesprochen

Nordstadt Dortmund: Brüder stellten sich als Opfer von Polizeigewalt dar - jetzt wurden sie als Täter verurteilt

Das vermeintliche Opfer von Polizeigewalt wurde nun zum Täter erklärt - ein Gericht hat das Urteil gesprochen, nachdem es in der Nordstadt von Dortmund zu einer Massenschlägerei gekommen war.
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Das vermeintliche Opfer von Polizeigewalt wurde nun zum Täter erklärt - ein Gericht hat das Urteil gesprochen, nachdem es in der Nordstadt von Dortmund zu einer Massenschlägerei gekommen war.

Nach einer Massenschlägerei in Dortmund in 2018 klagte ein Beteiligter über die Brutalität der Polizei und ging an die Medien. Nun wurde er verurteilt.

  • Nach einer Massenschlägerei im Jahr 2018 in Dortmund hat ein Gericht jetzt ein Urteil gesprochen.
  • Zwei Männer wurden verurteilt.
  • Sie hatten sich zuvor als Opfer von Polizeigewalt dargestellt.

Dortmund - Das Thema Polizeigewalt beherrscht aktuell die Schlagzeilen, in den USA toben derzeit Aufstände. Der Grund ist das übertriebene Vorgehen eines Polizisten, das zum Tod eines Mannes geführt hat.

Dortmund: Mann stellt sich als Opfer von Polizeigewalt dar

Polizeigewalt ist auch im Ruhrgebiet immer wieder ein Thema. Opfer von übertriebenen Attacken melden sich nicht selten bei den Medien zu Wort, gehen in die Offensive. Doch manchmal ist der Fall nicht ganz so klar, wie es zunächst scheint.

Die Massenschlägerei in der Dortmunder Nordstadt im Juli 2018 scheint ein solcher Fall zu sein.

Ort

Dortmunder Nordstadt

Fläche

14.415 km²

Einwohner

59.502 (31. Dez. 2018)

Bevölkerungsdichte

4.128 Einwohner/km²

Rückblick: In der Nacht zum 16. Juli kommt es gegen 2 Uhr zu einer Massenschlägerei in der Fritz-Reuter-Straße in der Nordstadt von Dortmund. Zeugen wählen die 110. Mehrere Waffen kommen dort laut Polizei zum Einsatz. Die Polizei rückt mit mehreren Kräften aus.

Polizei Dortmund berichtet von Widerstand gegen Beamten

Zwei Schläger werden festgenommen, sieben kommen vorläufig in Gewahrsam, berichtet die Polizei Dortmund damals. Die Beteiligten sind zwischen 17 und 25 Jahre alt. Die Polizei berichtet von Widerstand mehrerer Männer. Fünf Beamten werden bei dem Einsatz verletzt.

Einen Tag später meldet sich dann ein Beteiligter der Schlägerei zu Wort, Omar* (25). Gegenüber RUHR24.de kritisiert er das Vorgehen der Polizei. "Sie waren rassistisch und schlugen auf mich ein, obwohl ich gefesselt war." Der Mann sendet Fotos an die Redaktion, die seine von der Polizei verursachten Verletzungen am Kopf zeigen sollen.

Polizei Dortmund: Video zeigt hämische Sprüche der Polizei

Im Gespräch mit der Redaktion schildert der Dortmunder aus seiner Sicht den Vorfall der Nacht. Polizisten hätten versucht, seinen Bruder festzunehmen. Omar habe den Beamten gesagt, sie sollten ihn in Ruhe lassen.

Diese Verletzungen soll Omas aus Dortmund von einem angeblich übertriebenen Einsteigen der Polizei davongetragen haben.

In einem Video, das der Redaktion vorlag, sind Szenen des Abends zu sehen. In einer Sequenz tritt Omar anscheinend in Erscheinung. Er wird von einem Polizisten fixiert. Der Polizist scheint folgende Worte zu schreien: "Na, tut das gut? Ist das geil, ist das geil, häh!?"

In der Folge erscheint bei RUHR24 ein Meinungsartikel dazu, in dem gefordert wurde, auch der Polizei besser auf die Finger zu schauen. Stichwort: Polizeigewalt und unfaires Verhalten im Auge behalten.

Doch scheinbar zeigt die Videosequenz nur einen Teil der Wahrheit. Denn: Nun wurde Omar von einem Gericht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Aus einem Opfer wurde ein Täter.

Polizei Dortmund hat Video, was gesamten Vorfall zeigt

Gegenüber unserer Redaktion gibt die Polizei Dortmund an, im Besitz eines Videos zu sein, das zeigt, wie zwei Polizisten von den Brüdern attackiert werden. "Die beiden haben nun vor Gericht ein Geständnis abgelegt", sagt ein Sprecher der Polizei Dortmund zu RUHR24.

Einer der Brüder, so soll es das Video zeigen, sei einem Polizisten in den Rücken gesprungen und danach geflüchtet. Der andere Bruder soll einem Polizisten bei seiner Festnahme mehrfach mit der Faust gegen den Kopf geschlagen haben.

Brüder waren der Polizei in Dortmund bereits bekannt

Unbeschriebene Blätter scheinen die Brüder nicht gewesen zu sein. Der Polizeisprecher: "Wir wussten, mit wem wir es zu tun haben."

Über das Verhalten der am Abend beteiligten Polizisten und die Schreie eines Beamten heißt es von der Polizei, dass jeder Mensch - und natürlich auch Straftäter - würdevoll behandelt werden müssten. Man müsse in diesem Fall aber auch sehen, wie der Beamte zuvor im Gesicht malträtiert worden sei.

Jetzt hat ein Gericht das Urteil gesprochen: Einer der Brüder bekommt eine Bewährungsstrafe von 1,5 Jahren, der andere eine Geldstrafe in Höhe von 90 Tagessätzen, die er in Form von Sozialarbeit ableisten muss.

*Name von der Redaktion geändert.

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