Bild: Sandra Schaftner/Dortmund24

Bereits zum sechsten Mal sind am Samstag (12. Mai) Menschen in Dortmund für die Legalisierung von Cannabis auf die Straße gegangen. Beim Marijuana March 2018 zogen hunderte Teilnehmer von der Katharinenstraße zum Hoeschpark. Mit dabei war auch ein deutschlandweit bekannter Jugendrichter.

Grasduft weht über die Katharinenstraße südlich des Dortmunder Hauptbahnhofs. In derselben Prise haben sich ein paar Seifenblasen und Reggae-Töne verfangen. Sie kommen aus den Boxen am Straßenrand, neben denen sich immer mehr Menschen sammeln, die am Marijuana March 2018 teilnehmen wollen.

Ein Mann im bunten T-Shirt verteilt Fähnchen und Seifenblasen-Spender. Ein paar Demo-Teilnehmer tanzen zur Musik, andere liegen entspannt in der Sonne. Eigentlich sollte es um 13 Uhr losgehen, „aber die Hippies sind immer spät dran“, erklärt Organisatorin Nadja Reigl. Deswegen entert sie erst um 13.15 Uhr die Bühne und begrüßt die Leute zum sechsten Marihuana March in Dortmund.

Marijuana March Dortmund 2018
Nadja Reigl organisiert jedes Jahr den Marijuana March in Dortmund. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24

Reigl ist vom ersten Jahr an dabei. Seitdem ist der March in Dortmund immer größer geworden. So groß, dass 2018 der deutschlandweit bekannte Jugendrichter Andreas Müller aus Berlin nach Dortmund kommt. Warum?

Richter will die Jugend schützen

„Weil ich seit 25 Jahren für Opfer kämpfe. Und die meisten Opfer, die mittlerweile geschaffen werden, werden durch eine unsägliche Politik geschaffen.“ In den vergangenen fast 50 Jahren seien etwa eine halbe Million überwiegend junge Menschen in die Knäste gegangen. Millionen von Menschen würden verfolgt, weil sie ein anderes Mittel als Alkohol zu sich nehmen. Kranke bekämen ihre Medizin nicht rechtzeitig, auch jetzt noch nicht.

Marijuana March Dortmund 2018
Andreas Müller ist Jugendrichter in Berlin. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24

Vor allem ist es Müller wichtig, die Jugend zu schützen. „Damit Eltern, Onkel und Tanten nicht Angst haben müssen, wenn ein 16-Jähriger erzählt, er habe gekifft, dass dieser 16-Jährige am nächsten Tag in der Gosse landet.“ Der Jugendrichter sagt weiter: „Das Schlimmste an der Strafverfolgung ist die Strafverfolgung selbst.“

Wie bei vielen Dingen gibt es in Bezug auf Cannabis nicht nur Befürworter, sondern auch Kritiker. Diese sagen oft, dass Cannabis nicht ungefährlich ist. Es gebe Fälle, in denen der Konsum zu Depressionen oder Angststörungen führe. Zwar sei Cannabis an sich nicht schädlich, aber als Joint schon.

Außerdem meinen Cannabis-Gegner, dass durch die Legalisierung die Hemmschwelle zum Drogenkonsum sinken könne. Auch werde die Gefahr höher, dass Kinder und Jugendliche mit Cannabis in Kontakt kommen.

Bei der Demo in Dortmund sind auch auffällig viele junge Menschen dabei, teils dem Anschein nach erst knapp über 18 Jahre alt. Viele Teilnehmer tragen Hippie-Klamotten und haben Dreadlocks. Als der Jugendrichter und andere Redner ihre Argumente an der Katharinenstraße vorgebrachte haben, zieht der March über die Kampstraße und den Borsigplatz zum Hoeschpark.