Coronavirus

Long Covid in NRW: Für einen Dortmunder änderte sich das Leben drastisch

Das Coronavirus und seine Folgen für die Menschen in NRW. Für einen Dortmunder hat sich das Leben drastisch geändert.

Dortmund – Das Coronavirus grassiert seit nun mehr fast drei Jahren in Deutschland. Zwar wird Corona auch in Zukunft ein Teil des gesellschaftlichen Lebens bleiben, jedoch nicht mehr so dominant wie in den vergangenen Jahren. Erste Bundesländer haben bereits ihre Maßnahmen drastisch heruntergefahren – NRW verkürzt beispielsweise die Quarantänezeit. Was aber bleibt, sind die Folgen der Pandemie. Tausende Menschen in NRW leiden an Long Covid. Ein paar wenige kommen hier zu Wort.

Phänomen Long Covid: Reha-Programme und Therapien sollen Betroffene unterstützen

Long Covid – auch Post Covid genannt – ist ein noch relativ unerforschtes Phänomen nach einer Corona-Infektion. Beschwerden wie Erschöpfung, Kurzatmigkeit und Gedächtnis- oder Konzentrationsstörungen treten oft Wochen nach der Corona-Erkrankung auf. Diese bleiben dann oftmals wochen-, wenn nicht sogar monate- oder jahrelang, schreibt das Bundesgesundheitsministerium.

Den Krankenkassen ist Long Covid bekannt, es werden unter anderem Reha-Programme und Therapien angeboten. Jedoch ist Post Covid noch ein relativ junges Krankheitsbild, welches noch weiter erforscht werden muss. Betroffene leiden unterdessen weiter, wie aus zahlreichen Zuschriften, die die RUHR24-Redaktion erreichten, hervorgeht.

Ralf* (Name geändert) aus Dortmund ist einer von ihnen. Ralf will anonym bleiben, trotzdem möchte er seine Long-Covid-Geschichte erzählen. Er ist 35 Jahre alt und Vater von zwei Kindern. Im Dezember 2021 infizierte er sich mit dem Coronavirus, einen Monat später diagnostizierten Ärzte eine Herzschwäche – ausgelöst durch die Corona-Infektion. Seitdem ist er krankgeschrieben, schreibt Ralf.

Mann aus Dortmund leidet an Long Covid – Einkaufen wird zur Tortur

Er klagt über Herzrasen und Belastungsproblemen: „Normale Dinge wie einkaufen oder saugen musste ich mir über mehrere Tage aufteilen, da mehrere Erholungs- und Schwächephasen am Tag vorkommen.“ Sein Hausarzt verschrieb ihm eine Reha. Allerdings sei diese Reha auf Herzprobleme ausgelegt gewesen – auf Long-Covid-Fälle sei man dort nicht spezialisiert, schreibt er weiter.

Er klagt über mangelnde Hilfsangebote. Eine Einrichtung in Dortmund sei bereits wieder geschlossen worden, in Essen würde man keine neuen Patienten mehr aufnehmen. Verbesserungen seines Gesundheitszustands würden nur alle drei Monate auftreten – und das nur minimal. „Als Beispiel brauche ich nach einer längeren Autofahrt ein bis zwei Tage körperliche Erholung. Muskelschmerzen in den Armen und Rücken sowie Erschöpfung sind die Folge.“

Keine zentrale Long-Covid-Anlaufstelle in Dortmund – Selbsthilfegruppe in Planung

Auf Anfrage von RUHR24 bei der Stadt Dortmund ist keine zentrale Anlaufstelle für Long-Covid-Patienten vorhanden. Es sei jedoch eine Selbsthilfegruppe des Paritätischen in Planung, heißt es. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) schlägt bei seelischer Belastung zunächst ein Gespräch mit dem Hausarzt vor. Dort können geeignete Behandlungsmöglichkeiten besprochen werden – beispielsweise eine Psychotherapie.

Beim Chronischen Fatigue-Syndrom (CFS) müssen gesetzliche Krankenkassen in bestimmten Fällen die Kostenübernahme auch von alternativen Arzneimitteln bewilligen.

Bei Long Covid können außerdem sogenannte Leistungen zur Teilhabe infrage kommen. Das kann zum Beispiel ein Unterstützungsangebot zur Haushaltsführung oder in der Freizeit sein. Ein kostenloses Informationsangebot dazu bietet zum Beispiel die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung.

Rollstuhl nach Corona-Infektion – Normales Leben und Aufklärung gefordert

Weitere Leserinnen und Leser berichten unserer Redaktion, dass eine Corona-Infektion ihr Leben drastisch verändert hat. Eine Leserin verrät beispielsweise, dass sie nun mit 38 Jahren an einen Rollstuhl gefesselt sei, um wieder am sozialen Leben teilnehmen zu können. Andere verlangen dringende Aufklärung, Akzeptanz und vor allem wieder ein normales Leben.

Derweil fordert der Ärzte- und Ärztinnenverband Long Covid, dass in die Erforschung und die Behandlung Erkrankter deutlich mehr investiert werden müsse: „Bisher ist das viel zu wenig“, sagte der Vizevorsitzende des Ärzte- und Ärztinnenverbands Long Covid, Daniel Vilser, der Deutschen Presse-Agentur (DPA).

Corona und seine Folgen

Wir bleiben weiter dran am Thema Long Covid. Zahlreiche E-Mails haben uns schon erreicht. Schreibt uns weiter! Wir wollen der Krankheit ein Gesicht geben und die Geschichten erzählen. E-Mail an: tobias.arnold@ruhr24.de

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