Bild: Lisa Krispin/Dortmund24

Schon seit über 100 Jahren gibt es in der Linienstraße in der Dortmunder Nordstadt Bordelle und Prostitution. Doch über die Jahre hinweg hat sich vieles verändert. Heute liegen den Beteiligten vor allem die Themen Sicherheit, Gleichstellung und gesellschaftliches Ansehen am Herzen.

Es ist ein ungemütlicher, verregneter Montagnachmittag. Nicht viel los in der Linienstraße in Dortmund. Nur einige Autos passieren die Straße und ein paar wenige Freier streifen an den Bordells entlang.

SPD sucht das Gespräch in der Linienstraße

Doch die Linienstraße ist an diesem Montag (28. Januar) außerdem Treffpunkt einiger Medienvertreter. Die Landtag NRW und die SPD-Fraktion hatten zu einem „Vor-Ort-Termin“ geladen.

Das Bordell Haus Nummer acht in der Linienstraße. Foto: Lisa Krispin/Dortmund24

Im Rahmen eines Bordellbesuchs wollten sich Anja Butschkau und Carina Gödecke (beide SPD) über die Erfahrungen mit dem Prostituiertenschutzgesetz und die Bekämpfung von Menschenhandel und Zwangsprostitution informieren. Treffpunkt war das Haus Nummer acht – das Bordell von Herrn Setka, der seinen Vornamen nicht nennen wollte.

Und so kam man ins Gespräch. Im Mittelpunkt des Austauschs stand unter anderem das „Dortmunder Modell“, das Silvia Vorhauer von der Mitternachtsmission in Dortmund vorstellte. Aus dem „Runden Tisch Prostitution“ heraus entstand es im Jahr 2002.

„Dortmunder Modell“ ist eine große Hilfe

„Das Dortmunder Modell ist für alle Beteiligten eine große Hilfe. Hier können sich Menschen austauschen, die etwas mit Prostitution zu tun haben und die auf der Suche nach Lösungen sind“, so Vorhauer. Ein Thema sei unter anderem die Rechtssicherheit, die gewährleistet sein muss, um in diesem Milieu arbeiten zu können.

Und auch für die Betreiber hätte das Modell einen Mehrwert. „So kann ein sauberer Ablauf stattfinden und wir können es in Richtung einer legalen Prostitution lenken. Außerdem führt das Modell zu einem transparenteren Umgang und Drogenprobleme im dem Milieu können eingedämmt werden“, so Setka, der das Haus in der Linienstraße seit rund 20 Jahren betreibt.

Die Mitternachtsmission sei außerdem davon überzeugt, dass die Menschen in der Prostitution durch das „Dortmunder Modell“ eine größere Akzeptanz erfahren würden.

Prostituierte werden immer noch diskriminiert

Die Linienstraße in der Dortmunder Nordstadt.
Die Linienstraße in der Dortmunder Nordstadt. Foto: Lisa Krispin/Dortmund24

Eine größere Akzeptanz vielleicht. Trotzdem würden die meisten Prostituierten nach wie vor viel Diskriminierung erfahren. Davon kann auch eine der Prostituierten im Haus Nummer acht ein Lied singen. „Wir werden ständig diskriminiert und auch stigmatisiert. Das vorgeschriebene Anmeldeformular macht das nicht besser“, so die Frau.

Seitdem 2017 in NRW das Prostituiertenschutzgesetz in Kraft getreten ist, müssen sich die Prostituierten bei den Behörden in den jeweilgen Städten anmelden und gesundheitlich beraten lassen. Im Gegenzug erhalten sie einen amtlichen Ausweis, der ihre Beschäftigung bestätigt.

Prostituiertenschutzgesetz habe nichts verändert

Silvia Vorhauer von der Mitternachtsmission zweifelt an der Notwendigkeit dieses Anmeldeprozesses. „Die Frauen haben auch vorher schon ihr Gewerbe angemeldet und Steuern bezahlt. Sie wünschen sich, dass ihre Tätigkeit mit anderen freien Berufen gleichgestellt wird“, antwortet Vorhauer auf die Frage, welche Wünsche sie für die Prostituierten hätte.

Das alles bringe enorme Schwierigkeiten mit sich. „Wenn unsere persönlichen Daten aus dem Formular in falsche Hände geraten, können wir nie wissen, was auf uns zukommt“, so die Prostituierte, die bereits seit über neun Jahren in der Linienstraße anschaffen geht.

Sie fragt außerdem, welchen Schutz sie durch den von der Behörde ausgestellten Pass erhält. Für die Frau habe sich mit der Einführung des Prostituiertenschutzgesetzes nichts geändert. „Ich habe mich hier auch vorher schon nicht einen Tag unsicher gefühlt.“

Zugang zum Versicherungssystem stellt Problem dar

Man tausche sich aus und passe aufeinander auf. Und auch das Ordnungsamt oder die Polizei nähmen die Prostituierten ernst, wenn sie ein Problem hätten.

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Laut wird im Haus Nummer acht hingegen der Wunsch nach einem einfachen Zugang zum Versicherungssystem für die anschaffenden Frauen. Hier gäbe es viele Komplikationen und Hürden. „Als Begründung für hohe Versicherungsbeiträge bei privaten Versicherungen wird den Frauen gesagt, dass sie angeblich einen Risikoberuf ausführen würden“, so Setka.

Und auch einige gesetzliche Krankenversicherungen sollen Frauen, die als Prostituierte arbeiten, sogar generell ablehnen. Eine Baustelle, für die das Prostituiertenschutzgesetz derzeit keine Lösung parat zu haben scheint.