Dieser Artikel entspricht der Meinung der Autorin und spiegelt nicht unbedingt die Meinung der gesamten Redaktion wider.

Eine blutige Auseinandersetzung am Bahnhof in Mengede. Die 17-jährige Saskia Jürgens war mitten drin. Aber nicht weil sie an der körperlichen Auseinandersetzung beteiligt war, sondern weil sie helfen wollte und dafür sorgte, dass die heftigen Szenen ein Ende nahmen. 

Stellt euch vor, ihr werdet Opfer einer körperlichen Auseinandersetzung, bei der auch vor Stichen mit einem Messer kein Halt gemacht wird. Ihr werdet beschimpft, geschlagen und blutet. Und trotz all des Blutes wird nicht aufgehört, auf euch einzuschlagen.

Das an sich ist schon eine so schlimme Situation, die man niemanden wünscht. Was diese Situation aber noch viel schlimmer macht, ist wenn niemand hilft. Das ist nachvollziehbar, wenn niemand da ist, der helfen kann. Wenn allerdings Menschen in der Nähe sind, die das Geschehen beobachten, so ist die Frage, warum tun sie nichts?

Hilfe holen sollte eine Selbstverständlichkeit sein

Sie müssten ja noch nicht einmal selbst eingreifen und sich dadurch in Gefahr bringen, aber Hilfe zu holen – das sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Entweder indem man weitere Menschen auf die Situation aufmerksam macht oder indem man ganz einfach die Polizei über die 110 ruft.

Saskia Jürgens hat selbst eingegriffen. Als sie am 26. Februar nachts gegen ein Uhr auf dem Weg nach Hause am Bahnhof in Mengede war, wurde sie von einer zehnköpfigen Gruppe aggressiv angesprochen. Die Gruppe sei auf der Suche nach bestimmten Personen gewesen und habe Saskia nach ihnen gefragt. Diese Personen kannte Saskia nicht. Deswegen sei die Gruppe weitergegangen.

Kurz darauf hörte sie Glas splittern und ist sofort in die Richtung gerannt aus der das Geräusch kam. Zu dem Zeitpunkt waren schon zwei Menschen am bluten. Trotzdem wurde noch weiter auf sie eingeschlagen.

Bahnhof Mengede
Der Bahnhof Mengede. Foto: Galerist (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0), CC BY-SA 3.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en) oder GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], via Wikimedia Commons

“Was seid ihr für Menschen?”

Die 17-Jährige hat geschrien: “Was seid ihr für Menschen?” Damit meinte sie wohl sowohl die Täter als auch die Menschen, die am Busbahnhof standen und nichts getan haben. Sie beobachteten die Szene und haben nicht geholfen. Noch nicht einmal die Polizei gerufen.

Saskia erinnert sich noch daran, dass sie einem der Täter am grauen Kapuzenpulli gezogen hat. Sie ließ nicht locker, schrie immer weiter, bis die Gruppe irgendwann abgehauen war. Dann rief sie den Krankenwagen. Die Polizei hat sie in dem Moment vergessen. Aber als sie auf dem Boden saß, voller Blut, weil eines der Opfer blutend auf ihrem Schoß lag, kam ein weiterer Mann dazu, der ihr das Telefon abnahm und die Polizei rief. “Ich glaube, ich sterbe” soll das Opfer in ihren Armen geflüstert haben.

“Ich habe in dem Moment überhaupt nicht nachgedacht, nicht eine Sekunde, ich war voller Adrenalin”, gibt Saskia zu. Es ist dieser kleine Moment, indem Saskia einfach reagiert und nicht bewusst gehandelt hat. Ganz intuitiv. Und genau „dieser kleine Moment sagt so viel über die Stärke einer Person aus“, schreibt unsere Facebook-Userin „Bianca Chaosdame“. Und da kann ich mich nur anschließen!

Kracher der Woche: Zivilcourage Screenshot von Facebook
Screenshot von der Dortmund24-Facebookseite

XY-Preis für Saskia Jürgens

Saskia Jürgens aus Waltrop hat geholfen. Und viel mehr noch: Die 17-Jährige hat durch ihr Einschreiten vermutlich Schlimmeres verhindert. Sie hat Mut bewiesen, sich für andere eingesetzt und Zivilcourage für fremde Menschen gezeigt. Sie hat sich uneigennützig für andere eingesetzt und sie so aus ihrer Gefahrensituation befreit.

Dafür hat sie jetzt den mit 10.000 Euro dotierten XY-Preis des ZDF von Bundesinnenminister Thomas de Maizière überreicht bekommen. Völlig zurecht! Denn Dank Saskia und ihrem mutigen Einschreiten konnten zwei junge Männer überleben.

Wir brauchen mehr Menschen wie Saskia Jürgens. Menschen, die nicht weggucken, wenn andere in Gefahr sind. Menschen, denen das Schicksal von anderen Menschen nicht egal ist. Menschen, die das Herz am rechten Fleck haben.