Bild: Malin Schneider/RUHR24

Eine große Figur des nackten Martin Luther sorgt zum Auftakt des Evangelischen Kirchentages in Dortmund für Aufsehen.

  • Die Aktion stammt von einer religionskritischen Stiftung.
  • Schon zum Evangelischen Kirchentag 2017 wurde die Luther-Figur gezeigt.
  • Zitate des Reformators verweisen auf Antisemitismus.

Update, Mittwoch (19. Juni), 15.29 Uhr: Neben der Luther-Figur ist inzwischen an selber Stelle eine weitere XXL-Figur aufgebaut worden. Sie zeigt Moses und die Aufschrift: „11. Gebot: Du sollst deinen Kirchentag selbst bezahlen“. Damit spielt der Urheber, wie bei der Luther-Figur die Giordano-Bruno-Stiftung (siehe unten), auf die öffentlichen Gelder an, mit denen der Kirchentag zum Teil finanziert wird.

Erstmeldung, Mittwoch (19. Juni), 13.07 Uhr: Seit Mittwoch (19. Juni) steht auf Dortmunds größter Einkaufsstraße – dem Westenhellweg – eine rund vier Meter große Figur von Martin Luther.

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Luther ist nackt, trägt einen Mantel, auf dem im Innenteil steht: „Luthers Ratschläge gegen die Juden hat Hitler genau ausgeführt“. Das Zitat stammt vom Philosophen Karl Jaspers aus dem Jahr 1962.

Luther-Aktion stammt von Stiftung

Hinter der Aktion zum Auftakt des Evangelischen Kirchentags in Dortmund steckt die Giordano-Bruno-Stiftung, wie auf dem Sockel der Statue zu erkennen ist. Die gemeinnützige Stiftung ist religions- und kirchenkritisch und sorgte mit der Aktion bereits beim Kirchentag 2017 für Aufsehen.

Auf der Rückseite der Luther-Figur zitiert die Stiftung aus Luthers Werk „Von den Juden und ihren Lügen“ (1543). Dort steht geschrieben:

Sieben Maßnahmen gegen die Juden:

  • Verbrennung ihrer Synagogen
  • Zerstörung ihrer Häuser
  • Wegnahme ihrer religiösen Bücher
  • Lehrverbot für Rabbiner
  • Aufhebung der Wegefreiheit
  • Zwangsenteignung
  • Zwangsarbeit“
Luther-Figur auf dem Westenhellweg. Foto: Malin Schneider/RUHR24
Luther-Figur auf dem Westenhellweg. Foto: Malin Schneider/RUHR24

Der Evangelische Kirchentagzu dem bis Sonntag bis zu 200.000 Besucher erwartet werden – zeigt sich ganz entspannt. Auf Anfrage von RUHR24 heißt es von einer Sprecherin: „Der nackte Luther ist ordnungsgemäß angemeldet und der Kirchentag heißt ihn herzlich willkommen.“

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Zum Hintergrund: Martin Luther, Initiator der Reformation, war für seine antijudaistischen Theologie bekannt, wird deshalb nicht unkritisch gesehen.

„Luther war Hassprediger“

„Martin Luther war einer der größten Hassprediger, die das Christentum hervorgebracht hat“, heißt es in einer Stellungnahme des Giordano-Bruno-Vorstandssprechers Michael Schmidt-Salomon.

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Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hätte, so die Stiftung, die ‚Luther-Dekade‘ nutzen sollen, um sich öffentlich vom unkritischen Personenkult um den Reformator zu verabschieden. Schmidt-Salomon: „Da dies nicht in der notwendigen Klarheit geschehen ist, wollen wir der EKD mit unserer Kunstaktion aufklärerisch unter die Arme greifen.“

Auch der Stadt Dortmund ist die Aktion bekannt, wollte sich auf Anfrage von RUHR24 aber nicht weiter dazu äußern.