Kirchentag in Dortmund - Kritik an Finanzierung des Glaubensfests geht in neue Runde

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2019 findet in Dortmund der evangelische Kirchentag statt. Kinder und Jugendliche bekommen Schulfrei Foto: dpa

Dortmund/NRW - Vom 19. bis 23. Juni findet in Dortmund der 37. Evangelische Kirchentag statt. Doch jetzt steigen Kritiker der Finanzierungspläne noch einmal in den Ring.

Nächste Woche ist es bereits soweit - vom 19. bis 23. Juni findet in Dortmund der 37. Evangelische Kirchentag statt. Und obwohl längst klar ist, wie das Fest finanziert wird, welche Zuschüsse fließen und wer als Sponsor auftritt, steigen Kritiker der Finanzierungspläne noch einmal in den Ring.

  • Sowohl die Landeskirche, als auch die Stadt Dortmund und das Land NRW subventionieren den Evangelischen Kirchentag.
  • Anders als viele denken, ist der Kirchentag eine freie Bewegung von Menschen mit christlichem Glauben, die unabhängig von der Evangelischen Kirche ist.
  • Die Stadt Dortmund geht von positiven Imageeffekten durch den Evangelischen Kirchentag für die Stadt aus.

Die Kritik rund um die Finanzierung des Evangelischen Kirchentags steht wie ein Bollwerk zwischen Befürwortern und Gegnern des Glaubensfestes. Ein Punkt in der Debatte ist immer wieder die Trennung von Kirche und Staat, die im deutschen Grundgesetz festgeschrieben ist. Einige Kritiker meinen, diese würde aufgrund der Subventionierungen durch das Land NRW und die Stadt Dortmund nicht gewahrt.

Kirchentag trotz klammer Kassen von Stadt mitfinanziert

Noch gewichtiger ist aber die finanzielle Ausgangssituation der Kirche auf der einen, und der Stadt Dortmund auf der anderen Seite. Auch die steht immer wieder im Raum. Der Vorwurf, den zuletzt Carsten Klink, ehemaliger finanzpolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke und Piraten äußerte: Die Evangelische Kirche besäße ein Milliardenvermögen, die Stadt Dortmund hingegen nicht mehr als stets klamme Kassen.

Warum also finanziert die Kirche das Fest nicht selbst? Warum ist sie auf Zuschüsse der Stadt angewiesen?

"Wir sind nicht die Kirche", erklärt Stephan von Kolson vom Deutschen Evangelischen Kirchentag. Freundlich, aber mit Nachdruck ergänzt der Sprecher: "Wir sind ein Verein und arbeiten finanziell extrem auf Kante." - auch hier sind die Kassen leer.

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Das Glaubensfest wird also von einem gemeinnützigen, kirchlichen Verein unter privater Trägerschaft organisiert. Eine freie Bewegung von Menschen mit christlichem Glauben, die zusammen Gottesdienste feiern wollen und "in der Gesellschaft etwas bewegen möchten", so Kirchentagspräsident Hans Leyendecker.

Kirche ist nicht der Veranstalter

Die Evangelische Kirche tritt demnach lediglich als Gastgeber und Sponsor des Kirchentags in Erscheinung. Ebenso wie Land und Stadt.

Doch warum engagiert sich die Stadt so stark? Auch finanziell? Im Rat der Stadt Dortmund diskutierten die Fraktionen in mehreren Ratssitzungen über eben dieses Thema. Dabei wurden finanzielle und imageträchtige Auswirkungen auf die Stadt mit der angespannten Haushaltssituation in die Waagschale geworfen.

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Letztendlich fällte der Rat mehrheitlich, aber gegen die Stimmen der Fraktionen Die Linke, Piraten, AfD und anderen die Entscheidung, dass der Kirchentag in Dortmund stattfinden und auch bezuschusst werden soll.

Maßgeblich für die Entscheidung waren die zu erwartenden Gewinne für die Stadt Dortmund, die Hotels und die Gastronomie, sowie der enorme Imagegewinn - die Chance für Dortmund sich als "tolerante, vielfältige und diskussionsfreudige Stadt zu präsentieren", so ein Statement der Fraktion Die Grünen.

Subventionierung in Millionenhöhe

Mit 2,7 Millionen Euro plus Sachleistungen, wie das unentgeltliche Überlassen von Schulgebäuden und Turnhallen zur Unterbringung der Besucher, unterstützt die Stadt nun den Kirchentag. Auch Kosten um die Stadt "Vorzeigbar" zu machen, stehen an.

Die Gesamtkosten beziffert der Verein auf rund 18 Millionen Euro. Die größten Zuschüsse gibt dabei die Kirche - 5,5 Millionen Euro. Alle Zuschüsse, Einnahmen und Ausgaben schlüsselt der Verein auf seiner Homepage detailliert auf.

Kein Gewinn durch Übernachtungskosten

Am Ende bleibt für Carsten Klink dennoch die Frage, warum die Schulen und Turnhallen den Kirchentag zwar nichts kosten, sie aber den Besuchern dennoch 27 Euro pro Übernachtung dafür abknöpfen.

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"Die Pauschale wird von den Besuchern für jede Übernachtung erhoben - egal ob im Privatquartier oder im Schulgebäude", erklärt Stephan von Kolson. Von den Einnahmen wird das Frühstück, die Reinigung aber auch die extrem personalaufwändige Zuteilung der Schlafplätze finanziert.

Demnach deckt der Betrag für die Übernachtungen lediglich die Kosten - der Verein erwirtschafte keinen Gewinn, so von Kolson. "Wir sind der Stadt Dortmund sehr dankbar für diese wichtige Unterstützung und wir wissen die Gastfreundschaft der Stadt und Region zu schätzen." Ehrenamtlichen Helfer oder Begleitpersonen von Menschen mit Behinderungen kämen zudem völlig kostenfrei unter.

Stephan von Kolson betont, dass der Unkostenbeitrag für die Unterbringung seit Jahrzehnten in gleicher Weise erhoben würde. Zudem pflege der Kirchentag einen transparenten Umgang damit. "Wir können uns derzeit nicht erklären, warum die Ratsmitglieder darüber nicht informiert waren. Das war uns nicht bewusst."