Merkel beim Kirchentag in Dortmund: Warum 10.000 Menschen der Kanzlerin in der Westfalenhalle zujubelten

Angela Merkel war beim Evangelischen Kirchentag 2019 in Dortmund zu Gast und sprach vor 10.000 Menschen in der Westfalenhalle. Foto: Daniele Giustolisi/RUHR24
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Angela Merkel war beim Evangelischen Kirchentag 2019 in Dortmund zu Gast und sprach vor 10.000 Menschen in der Westfalenhalle. Foto: Daniele Giustolisi/RUHR24

Dortmund/NRW - Der Evangelische Kirchentag hat Angela Merkel in der Westfalenhalle Dortmund einen guten Empfang bereitet. Hier mehr erfahren!

Angela Merkel war der mit Spannung erwartete Gast beim Kirchentag in Dortmund und sprach am Samstag (22. Juni) vor 10.000 Menschen in der Westfalenhalle - die der Kanzlerin mehrfach zujubelten.

  • Merkel hielt beim Kirchentag in Dortmund eine Rede und nahm später an einer Podiumsdiskussion zum Thema "Vertrauen in der Politik" teil.
  • Vor allem beim Thema Klimawandel brandete beim Publikum in der Westfalenhalle viel Applaus auf.

Vertraut Deutschland noch Angela Merkel? Geht man nach dem Stimmungsbild der 10.000 Menschen, die die Kanzlerin am Samstag in der Westfalenhallen empfingen, dann heißt die Antwort: ja.

Stehende Ovationen für Angela Merkel

Stehende Ovationen für Merkel beim Einlauf in die Halle, zunächst wohlwollender Applaus, der im Laufe des Vormittags in Jubel ausartete.

Warum das Ganze? Merkel betonte in ihrer Rede auf dem Kirchentag, weiterhin in aller Welt um Vertrauen kämpfen zu wollen, mit anderen Ländern zu kooperieren und Weltoffenheit zu propagieren.

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"Kriege und Terrorismus kann kein Land alleine bewältigen", sagte Merkel, als zum ersten Mal großer Applaus aufbrandete.

Liberias Ex-Präsidentin beim Kirchentag

Zuvor hatte Ellen Johnson-Sirleaf, Ex-Präsidentin von Liberia, in ihrer Rede Merkel als "eine der größten Politikerinnen der westlichen Demokratien" bezeichnet. "Frau Merkel", so Johnson-Sirleaf, "Sie stehen auf der richtigen Seite der Geschichte, die Geschichte wird sich an Sie erinnern, als eine führende Politikerin des 21. Jahrhunderts."

Später sollten sich die beiden politischen Freundinnen auf dem Podium zur Diskussion über das Thema "Vertrauen als Grundlage internationaler Politik?“ treffen.

"Alles hat ein Ende"

Nicht aber, bevor Johnson-Sirleaf ein Anliegen aussprach: "Frau Merkel, Sie sind so weit gekommen, jetzt dürfen Sie nicht aufhören." Frenetischer Applaus des Publikums folgte.

Und CDU-Frau Merkel? Die antwortete ein paar Tage nach ihrer Zitterattacke von Berlin gewohnt locker. Ein demokratischer Wechsel gehöre nunmal zur Tagesordnung, wie auch in Liberia. "Alles hat einen Anfang, alles hat auch ein Ende", so Merkel, deren Amtszeit als Kanzlerin in zwei Jahren endet.

In ihrer Rede betonte Merkel später, Probleme wie Klimawandel oder Flucht in der eigenen Hand zu haben, um dann auf einen ihrer berühmtesten Sätze zu verweisen: "Wir können das alles schaffen."

Kanzlerin über Trump

In der Podiumsdiskussion, die Nicolas Richter, Journalist und Ressortleiter bei der Süddeutschen Zeitung , moderierte, äußerte sich die Kanzlerin schließlich zu Themen wie Trump, den Mordfall Lübcke oder den Klimawandel.

Über den US-Präsidenten, der kürzlich einen Angriff auf den Iran in letzter Sekunde gestoppt hatte, sagte Angela Merkel, sie habe noch Vertrauen in ihn. Gespräche seien auch bei Differenzen wichtig, das sei auch im Sinne der nationalen Interessen.

Was den Mordfall Lübcke betrifft, versprach Merkel eine vollkommene Aufklärung, auch im Hinblick auf Verwebungen mit dem sogenannten NSU. "Die Regierung nimmt das sehr, sehr ernst."

Bei Thema Klima schienen die Ohren der 10.000 Menschen in der Westfalenhalle unterdessen ganz besonders gespitzt zu sein. "Es ist schon wichtig",so Merkel im Hinblick auf die Fridays-for-Future-Bewegung, "dass wir in der Klimafrage von den Jugendlichen aus unserem aktuellen Tempo gerissen wurden".

Regierung will sich mehr unter Druck setzen

Die Regierung wolle sich selbst nun noch mehr unter Druck setzen, Deutschland bis 2050 klimaneutral zu machen und als Vorreiter in der Welt für Innovationen zu sorgen. Das bedeute auch Bereitschaft zu Veränderungen, bei denen man auch die Menschen in ländlichen Regionen nicht vergessen dürfe.

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Merkel zu den 10.000 Menschen in der Westfalenhalle: "Aber diese schöne Stimmung hier ermutigt mich und gibt mit dafür die Kraft und das Vertrauen". Erst wenige Tage vor ihrem Auftritt bekam die Kanzlerin bei einem öffentlichen Auftritt einen heftigen Zitteranfall - es sollte nicht der letzte bleiben.